Dienstag, September 21, 2021
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Gedanken- und Spaziergänge im Park: Von Alpha bis Omega

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Nahezu täglich erfährt man im Fernsehen oder aus den Zeitungen, dass die Deltawelle der Coronaseuche auf uns zu rolle und man befürchte Schlimmes, müsse vorbereitet sein und am besten sollten alle Vorsichtsmaßnahmen so beibehalten werden wie bisher. Die Deltavariante hieß vor einiger Zeit noch die indische Variante, aber das sei diskriminierend, meinten einige der üblichen Empfindlinge. Da stellt sich ganz nebenbei die Frage: Darf man dann eigentlich noch von der „spanischen“ Grippe sprechen, die von 1918 bis 1920 in drei Wellen über die Menschheit hereinbrach und an der allein im Deutschen Reich fast eine halbe Million Menschen starben? Aber das waren andere und anscheinend etwas robustere Zeiten. Inzwischen sind vom Covid-19-Virus noch mehr Varianten bekannt. Man spricht schon von der Lambda-Variante, das ist der elfte Buchstabe im griechischen Alphabet, das 24 Buchstaben hat. Da Viren häufig und immer wieder mutieren, könnte es sein, dass das griechische Alphabet nicht ausreicht. Nun, zur Not kann man ja noch das russische oder das arabische Alphabet dazunehmen. Aber jetzt rollt erst einmal Delta auf uns zu und es wird in den Medien reichlich Panik über diese Variante verbreitet. Selbstverständlich sind Gerd und ich nur Laien in Sachen Virologie und Epidemiologie und gehören nicht zu den vielen echten oder auch selbsternannten Experten, die uns in den Nachrichten und Talkshows ständig präsentiert werden. Aber wir machen uns – wie viele andere auch – über das Gelesene und Gesehene so unsere Gedanken, ganz im Sinne des Gedichtes von Brecht „Fragen eines lesenden Arbeiters“. Selbstverständlich irren wir dann auch, aber geht das den Experten anders? Zur Erinnerung: Noch Anfang Februar 2020, als Corona Europa schon erreicht hatte, verkündete Minister Spahn, dass er Verschwörungstheorien mehr fürchte als eine Corona-Epidemie, obwohl die WHO bereits am 30. Januar eine „internationale Gesundheitsnotlage“ ausgerufen hatte. Der Präsident des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, sagte am 22. April 2020, dass er das Tragen eines Mundschutzes für unnütz hält, ja es könne sogar schädlich sein, da es die Träger in einer vermeintlichen Sicherheit wiege und sie andere Vorsichtregeln, wie z. B. Abstand halten, vernachlässigen würden. Heute dagegen, ein gutes Jahr später, rechnet Montgomery damit, dass die Masken nicht mehr aus dem Alltag verschwinden werden und dass sie in bestimmten Situationen immer getragen werden müssten!

Die Delta-Variante breitet sich also aus und Ängste werden in den Medien und durch Politiker geschürt. In der Tat scheint sich in einigen Ländern eine neue Welle anzubahnen, die Infektionszahlen steigen. Aber im Gegensatz zu den vorherigen Wellen steigen die Zahlen der „an oder mit“ Corona Verstorbenen nicht, sondern bleiben fast überall sehr gering! Wobei nach wie vor offen bleibt, ob der Verstorbene an Corona gestorben ist oder ob er zufällig u. a. auch Corona hatte. Man schaue sich einmal die stets aktuellen Zahlen und Grafiken der John-Hopkins-Universität über die Pandemie an, die im Internet jedem frei zugänglich sind. Diese Zahlen werfen einige Fragen auf. Die erste wäre, ob eine hohe Infektiosität auch bedeutet, dass schwere Krankheitsverläufe ebenfalls häufiger sind. Das scheint offenbar nicht der Fall zu sein. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Universität Mainz, die inzwischen über 10.000 Probanden umfasst, stellt fest, dass 42 % der mit Corona Infizierten von ihrer Infektion überhaupt nichts gewusst hätten! Was, bitte sehr, ist das für eine schwere Seuche, von der die Befallenen nichts spüren? Solche Mitteilungen geben zu denken. Nicht umsonst unterscheidet die Medizin bei den ansteckenden Krankheiten zwischen Infektiosität, Kontagiosität und Virulenz. Die Infektiosität beschreibt die Fähigkeit eines Krankheitserregers, nach erfolgter Übertragung einen Wirt auch tatsächlich zu infizieren. Die Kontagiosität beschreibt die Ansteckungskraft bzw. Übertragungsfähigkeit eines Krankheitserregers, also seine Fähigkeit, auf den verschiedenen Infektionswegen von einem Individuum zu einem anderen zu gelangen. Die Virulenz schließlich ist die Fähigkeit eines Krankheitserregers, eine Erkrankung hervorzurufen und sagt auch etwas über die Gefährlichkeit des Erregers aus. Wenn man sich nun die aktuellen Statistiken der Johns-Hopkins-Universität zu den europäischen Ländern ansieht, in denen die Infektionsrate ansteigt, so sieht man mit einem gewissen Erstaunen, dass die Zahl der Todesfälle diesen Anstieg nicht mitmacht, sondern stabil sehr niedrig ist! Das war bei den vorhergehenden Wellen völlig anders. Damals stieg die Anzahl der „an oder mit“ Corona Verstorbenen fast parallel zu der Zahl der Infizierten an. Heute ist das überhaupt nicht der Fall. Die Zahl der Verstorbenen bleibt meist im einstelligen oder niedrig zweistelligen Bereich, egal wie hoch die Zahl der Infizierten ist. Das bedeutet doch wohl, dass bei einer relativ hohen Kontagiosität die Virulenz dieser Mutante recht niedrig ist. Blickt man im Internet in das ständig aktualisierte Deutsche Intensivregister (DIVI), so scheint sich diese Annahme zu bestätigen. Am 8. August befanden sich in Deutschland insgesamt 429 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen, von denen 199 beatmet werden mussten. Vor einem Vierteljahr, Anfang Mai, befanden sich 5.020 Patienten auf den Intensivstationen, von denen 2.940 beatmet wurden! Das waren weit mehr als das Zehnfache im Vergleich zur heutigen Zahl!

Fast täglich bekommen wir Nachrichten über die steigende Inzidenz, zur Zeit in Deutschland etwas über 20. Das sind 20 Infizierte auf 100.000 Einwohner. Aber was besagt diese Zahl eigentlich? Sie gibt nur die Höhe der positiv Getesteten an, also der Infizierten. Wieviel davon aber wirklich erkrankt sind, das bleibt offen – siehe die obengenannte Mainzer Studie. Auch wird in den öffentlichen Statistiken nirgends aufgeschlüsselt wie viele der positiv Getesteten nur leicht erkrankt, völlig symptomlos oder wirklich behandlungsbedürftig sind. Völlig unbekannt und unerforscht scheint auch zu sein, wie viele Menschen genügend Abwehrkräfte haben, dass sie nicht an Corona erkranken, obwohl sie in den letzten anderthalb Jahren vermutlich mehrfach mit Covid-19-Viren Kontakt hatten. Einige Wissenschaftler halten den Inzidenzwert für völlig ungeeignet, um daraus Maßnahmen herzuleiten. Ein Rechenbeispiel: In einem Dorf mit 1.000 Einwohnern kommt eine vierköpfige Familie positiv getestet aus dem Urlaub zurück. Schon hat das Dorf eine Inzidenz von 400! Wenn sich dann bei den Heimkehrern noch zwei Nachbarn anstecken, betrüge die Inzidenz sogar schon 600. Diese Zahlen sind wahrhaftig keine Basis für die Kursbestimmung.
Großbritannien hat heute einen Inzidenzwert von 272 und beendete alle einschränkenden Maßnahmen am 19. Juli als sogenannten Freedom-Day. In deutschen Medien wurde darauf empört reagiert und man warf dem Premier Boris Johnson Verantwortungslosigkeit vor, ja sogar, dass er damit Menschenleben auf dem Gewissen habe. Tatsache ist aber, dass die Todeszahlen bislang auch dort niedrig blieben. Wir sollten wahrlich nicht glauben, dass wir immer alles richtig machen. Vielleicht wird man in ein paar Jahren ein Resümee ziehen können und wissen, was richtig oder falsch war. Diese Frage ist nämlich noch völlig offen. Auch die Fachleute haben verschiedene Meinungen dazu. Aber leider kommen in den Talkshows die Schwarzseher wie z. B. Herr Lauterbach ungleich häufiger zu Wort.

Dazu noch ein interessantes Zahlenbeispiel: Die Zahlen dazu wurden ebenfalls der Statistik der Johns-Hopkins-Universität entnommen. Bekanntlich ging Schweden von Anfang an einen völlig anderen Weg als Deutschland. Es gab dort keinen Lockdown wie bei uns, lediglich bei Alters- und Pflegeheimen gab es gewisse Einschränkungen. Aber alle Restaurants, Schulen, Läden oder Kultureinrichtungen blieben geöffnet und arbeiteten wie vorher auch. Also völlig gegensätzlich zu den deutschen Maßnahmen. Und mit welcher Häme wurde manchmal über die „verantwortungslose“ schwedische Regierung berichtet. Was geben aber die Zahlen heute her? In Schweden starben „an oder mit“ Corona bis heute 14.657 Menschen, das sind 0,14 Prozent der Einwohner, in Deutschland starben 91.761 Menschen – 0,11 Prozent der Einwohner. Von den positiv Getesteten starben bei uns 2,42 Prozent, in Schweden aber nur 1,33 Prozent. Wer will bei diesen Zahlen noch ernsthaft behaupten, dass unsere Maßnahmen die allein richtigen waren? Und vielleicht sogar noch oder wieder verschärft werden müssten? Die Wissenschaft von heute wurde oft genug von den Morgigen als Irrtum erkannt.

Es werden neue Wellen und immer neue Mutanten kommen, wie bei der Grippe auch. Aber bei der Grippe geraten wir ja auch nicht in Panik. Selbst bei der großen Grippewelle von 2018, bei der nach Schätzung des Robert-Koch-Instituts über 25.000 Menschen in Deutschland starben und ca. 60.000 Menschen stationär behandelt werden mussten, gab es nie diese täglichen Krankenstands- und Todesmeldungen wie jetzt. Zu allem Überfluss wurde nun auch noch festgestellt, dass vollständig Geimpfte durchaus weiterhin Virenüberträger sein können. Die Impfung schützt bestenfalls nur sie – nicht die Menschen vor ihnen. Paul F. Gaudi

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