Freitag, September 30, 2022
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Hilfe, ich brauche Hilfe!?

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Das Thema Hilfe ist einfach zu umfangreich, als dass man die Möglichkeiten, bei denen Menschen Unterstützung suchen und finden, beschreiben könnte. Grundsätzlich kann man jedoch sagen, dass unser Leben ein Weg ist, der ausschließlich auf die Hilfsbereitschaft anderer baut. Bereits beim Aufwachsen sind wir auf das unmittelbare soziale Umfeld beim Erlernen von Lebenstüchtigkeit angewiesen. Damit man sich überhaupt in der Komplexität der Welt einigermaßen zurechtfindet, ist Orientierungshilfe nötig. Jedes Missgeschick, Krankheiten, Verluste oder das Meistern schwieriger Aufgaben ist nicht ohne das Mittun anderer vorstellbar.

Im Jahr 2022 gab es in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre rund 38,49 Millionen Personen, die es im Leben für ganz besonders wichtig hielten, Menschen zu helfen, die in Not geraten. Ein Ranking der wichtigsten Werte und Ziele im Leben der Deutschen ist hier zu finden. Diese Umfage des Instituts für Demoskopie Allensbach spiegelt eigentlich eher wider, dass unsere Vorstellungen darüber, wo überall Hilfe drinsteckt, oft nur sehr oberflächlich ist. Eltern, Altersgenossen, Mitschüler, Studien- oder Arbeitskollegen – alle sind Lebensbegleiter und damit im tieferen Sinn Helfer. Die Entwicklung arbeitsteiliger Prozesse hat indes jede Menge professioneller Helfer erzeugt. Sowohl die Medizin, überhaupt alle Gesundheitsdienstleistungen am Menschen sind professionalisierte Hilfen. Retter in der Not wie Seenotretter, Bergretter, Feuerwehren, Notärzte, überhaupt alle Rettungsdienste sind per se die wichtigsten Helfer beim Schutz von Leben und Gesundheit. Um sich im Dschungel der Gesetze durchzufinden, bedarf es in der Regel einer Beratung und Betreuung durch einen Juristen. Kaum jemand ist in der Lage, moderne technische Geräte in ihrer Funktionalität zu verstehen, geschweige denn sie zu reparieren oder angemessen zu warten.

Hilfe gibt es in existenziellen Notsituationen und natürlich für Menschen, die migriert oder auf der Flucht vor Krieg, Vertreibung sind oder wegen Zukunftsängsten nach Europa streben. Das Wort Hilfe ist ein Ausdruck unserer sozialen Natur. Manchmal kommt sie eher emotional daher, weil Familienangehörige, Verwandte, Freunde oder gute Bekannte zur Seite stehen. In anderen Fällen kann sich Unterstützung ganz nüchtern ausdrücken. Im Berufsleben etwa oder durch professionelle Ratgeber. Psychologische Hilfe ist heute zu einem Alltagsangebot geworden. 31.308 psychologische Psychotherapeuten gab es 2021 in Deutschland. Deren Beratung und Hilfe wird heute bereits häufig im Kindesalter angenommen.

Aber nicht jede Hilfe hilft. Wir leben schließlich innerhalb eines Wirtschaftens, in dem vorrangig die Nachfrage die Ausbreitung von Angeboten bestimmt. Je mehr Angebote, um so mehr Fehlermöglichkeiten, aber auch Betrug oder Abzocke können sich unter einem Deckmantel von Hilfen verbergen. Selbst Vater Staat mit seinen vielfachen Kontroll- und Dokumentationsvorschriften kann Scharlatane ihres Fachs nicht ausschließen oder verhindern. Man muss ergo eine Selbstverantwortung im Bereich der unüberblickbaren, bunten Hilfsversprechen übernehmen. Der Suche nach Hilfe entspringt immer wieder deren Missbrauch. Deshalb hat die soziale Natur, anderen unter die Arme zu greifen, eben ihre Schattenseiten. Und manchmal ist das spätere Sichtbarwerden eines Ausnutzens gar nicht vorsätzlich erfolgt. Im Versuch, eine Hilfestellung zu geben, geschehen Fehltritte, die diejenigen, die die Hilfe in Anspruch genommen hatten, dann als wenig hilfreich oder sogar schädigend empfinden.

Zu helfen ist also keine Einbahnstraße, nur weil ein Unterstützungsangebot mit Hilfe überschrieben wurde. Und dann gibt es da noch solche Menschen, die sich scheinbar gar nicht helfen lassen wollen. Die eine helfende Hand ausschlagen, weil sie dahinter entweder den Vorteil des Helfers vermuten oder weil sie unter einem Angebot an Diensten nicht hilflos dastehen wollten, also sich eher dafür schämen. Wann sollte man Hilfe in Anspruch nehmen, wann sie ausschlagen? Diese Fragen können nicht immer mit einem klaren Ja oder Nein beantwortet werden. Im Angesicht des eigenen Todes möchten manche Menschen keine Hilfe mehr, um den möglichen Leidensweg abzukürzen. Wie und was Hilfe ist, bleibt eine sehr individuelle Sicht. (tw)

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