Mittwoch, Juli 6, 2022
Anzeige

Immer mit der Ruhe

Anzeige

Folge uns

Beruhigend, beinahe hypnotisch wirkt es, wenn man dem emsigen Treiben der Bienen am Aus- beziehungsweise Eingang der Beute – ihrer Behausung – zusieht. Die Sonne scheint auf den Kasten aus Holz, der am Rande eines Gartens im Magdeburger Stadtteil Lemsdorf steht. Vogelgezwitscher und das Summen unterschiedlicher Insekten sind zu vernehmen … ansonsten herrscht Stille. Im Sekundentakt kommen die Arbeiterinnen aus der Beute gekrabbelt und starten ihren Flug zur Nahrungssuche. Zugleich kehren andere mit Pollen behangenen Beinchen wieder zurück und verschwinden im Inneren der Behausung. Alles ist auf das Wohlergehen ihrer Gemeinschaft ausgerichtet.

„Die Arbeit erledigen die Mädels“, sagt Jörg Segler und lacht. „Die Drohnen, die männlichen Bienen, sind nur da, um die Königin zu begatten, während die Arbeiterinnen je nach Alter unterschiedliche Aufgaben erledigen – vom Putzen, Bauen und der Brutpflege bis hin zum Kundschaften, Sammeln und Honigbereiten.“ Der „DATEs“-Geschäftsführer und Imker hat auf Initiative der Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg, die sich für den Umweltschutz im eigenen Bestand engagiert, eines seiner Bienenvölker in einem Mietergarten In der Spitzbreite untergebracht. Ein weiteres Volk soll hinzukommen. Zudem hat Jörg Segler, der sich sein Grundwissen über Bienen, Honig und das Imkern 2013 bei einem Lehrgang in der Schlossimkerei Hundisburg angeeignet hat, zwei Völker an einem Rapsfeld und vier in einer Garten-sparte in Stadtfeld. „Gerade die Laubenpieper und auch der Besitzer des Rapsfeldes haben mir schon häufiger gesagt, wie froh sie über die Anwesenheit der Bienen sind, da sich ihre Arbeit deutlich auf den Ertrag der Obstbäume und des Rapses auswirkt.“

Vorsichtig öffnet Jörg Segler eine Zarge und nimmt einen Rahmen heraus. Die zahlreichen Bienen lassen sich davon nicht stören. Mit ruhigen Bewegungen dreht der Imker den Rahmen, erklärt, wie man die Brut- von der Futterwabe und die Drohnen von den Arbeiterinnen unterscheidet. „Auch deshalb hat die Imkerei etwas Entspannendes, weil man keine hektischen Bewegungen machen darf und jeden Handgriff mit der nötigen Ruhe ausführen muss, um die Tiere nicht nervös zu machen.“ Dennoch sei stets Vorsicht geboten und Schutzkleidung sehr wichtig. „Es kann immer mal etwas passieren, auch wenn das kein aggressives Volk ist – den nötigen Respekt sollte man ihnen dennoch entgegenbringen“, schildert der Imker, der diesbezüglich gern Aufklärungsarbeit leistet und mit den Anwohnern ins Gespräch kommt, falls sie Fragen zu seinem Hobby haben sollten. „Man darf dabei nicht vergessen, dass es Menschen gibt, die Angst vor bestimmten Insekten haben. Oft beruht diese Angst bezogen auf Bienen jedoch auf der Verwechslung mit Wespen.“ Dabei sind die Tiere leicht voneinander zu unterscheiden. Bienen haben eine dunklere Farbe, sind bernsteinfarben bis braun und Wespen sind gelb-schwarz gestreift. „Außerdem verirren sich Bienen nur zufällig an den Frühstückstisch auf dem Balkon oder zum Grillen im Garten, weil sie ausschließlich Interesse an Pollen und Nektar haben.“

Momentan ist der Arbeitsaufwand für Jörg Segler noch nicht allzu groß. Der Imker, der nach seinem Opa und seinem Onkel das Hobby in dritter Generation betreibt, erklärt, dass es im Frühjahr hauptsächlich zwei Aufgaben gibt: „Zu Beginn der Saison muss man darauf achten, dass die Tiere genug Nahrung haben. Sobald es warm genug ist, fliegen sie aus und dabei kann es natürlich sein, dass noch nicht genug Pflanzen blühen.“ Während der kalten Jahreszeit stellt er ihnen circa 25 Kilogramm Zuckerlösung zum Einfüttern zur Verfügung. Seine zweite wichtige Aufgabe im Frühjahr ist es, das Bienenvolk zusammenzuhalten. „Bis ungefähr zum Juli muss ich spätestens jeden neunten Tag eine Schwarmkontrolle durchführen. Das heißt, ich schaue in der Beute nach, ob sich Schwarmzellen gebildet haben“, erklärt Jörg Segler. „Sollte das der Fall sein, müsste ich diese entfernen. Denn sobald Schwarmzellen verdeckelt werden, bedeutet es für das Volk, dass es sich teilt. Und dann wäre circa ein Drittel der Tiere weg. Das verringert nicht nur die Honigernte, sondern schwächt auch die restlichen Bienen.“

Bis der Frühjahrshonig fertig ist und u. a. in die Wobau grünen Gläser abgefüllt werden kann, dauert es allerdings noch ein paar Tage. Erst wenn im Rahmen der Großteil der Zellen mit Nektar gefüllt ist und dessen Wassergehalt auf unter 20 Prozent reduziert wurde, verschließen die Bienen die Wabenzelle mit einem Wachsdeckel. „Meine Aufgabe ist es dann, den Inhalt vorsichtig zu entnehmen, die Wachsschicht zu entfernen und den Honig herauszuschleudern. Das, was dabei aufgefangen wird, muss noch gesiebt werden um Fremdstoffe wie Wachsteilchen zu entfernen“, schildert Jörg Segler. „Und wer mehrere Bienenvölker hat, der ist damit eine ganze Weile beschäftigt.“ Ende Mai plant er den Frühjahrshonig herzustellen, anschließend folgt Robinienhonig, bis schließlich später der Sommerhonig abgefüllt werden kann. So beginnt für Jörg Segler und seine Bienen die Arbeit immer wieder von vorn. Tina Heinz

WEITERE
Magdeburg
Mäßig bewölkt
21.7 ° C
21.7 °
19.4 °
39 %
1.8kmh
45 %
Mi
21 °
Do
18 °
Fr
21 °
Sa
23 °
So
18 °

E-Paper