Dienstag, November 29, 2022

Impro-Erlebnis: Piet Letz & “Major” Heuser

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Es war die übliche Krux: Der Einlasser ließ niemand mehr ins IMPRO. Es sei voll, hieß es eindeutig abweisend. Der Magdeburger Grafiker und Fotograf Piet Letz stand mit seinem Freund Tom „Tiger“ Tiegel, Techniker im „Theater für junge Zuschauer“, vor verschlossener Tür, oder vor den verschränkten Armen des Einlassers, das kam auf die Perspektive an. „Scheiße, dass Max nicht da ist.“ Max, der meist den Einlasser gab, kannte Letz. Da wäre man hineingekommen. Tiegel wollte Letz auf ein Bier ins IMPRO einladen. Er hatte bei seinem Freund ein Porträt von sich bestellt, das er zu Weihnachten seiner Mutter schenken wollte. Zum Dank sollte es ein Bier oder deren mehrere geben. Und nun so etwas. Letz trug das Werk unter dem Arm. Sie überlegten, wollten aber eigentlich den Ort zum Umtrunk nicht wechseln.
Da kamen etliche Leute, die irgendwie nach einer Band aussahen. Die fragten die beiden, weshalb sie denn vor der Tür herumstünden, und was der Letz unter dem Arm trage. Letz zeigte das Porträt. Die Band war beeindruckt. Einer, der Wortführer wie es schien, meinte: „Jungs, wir nehmen euch mit rein.“ Offensichtlich wurden die Leute schon erwartet. Der Wortführer zeigte auf die beiden Magdeburger und klärte den Einlasser auf: „Das sind unser Bandzeichner und sein Assistent.“ Damit war es gut. Es wurden zwei Stühle mehr an den reservierten Tisch gestellt. Man bestellte und kam ins Gespräch. Piet Letz erzählt: „Wir wussten nicht, wer die Leute waren. Wir konnten ihren Dialekt nicht zuordnen. Das, was die sprachen, war weder Sächsisch noch berlinerten sie. Es klang auch nicht nach Küste.“ Wäre Wolfgang Niedecken dabei gewesen, hätten sie vermutlich sofort gewusst, dass sie gerade eben von „BAP“ als Bandzeichner adoptiert worden waren. Aber „kölsche Jungs“ sind gesprächig. Bald war klar: Der Wortführer der Gruppe war der „Major“, der „BAP“-Gitarrist Klaus Heuser, der Rest war die „BAP“-Band. Bis auf Wolfgang Niedecken saßen sie alle im IMPRO. Sie hatten, sechs Wochen vor der geplanten Tour durch die DDR, in Magdeburg für die Sendung „RUND“ Aufnahmen gemacht. Niedecken war interviewt worden. Da er jedoch nicht nur gegen die Aufstellung der Pershing-II-Raketen wetterte, sondern auch für die Friedenswilligen in der DDR freie Demonstrationsmöglichkeiten auf den Straßen forderte, war das Interview nicht gesendet worden. Lediglich die drei Playback-Titel von „BAP“ fanden Eingang in die Sendung. Dieser Abend in Magdeburg führte dazu, dass Wolfgang Niedecken das Lied schrieb, welches schließlich die ganze Tournee kippte: „Darum speele we her.“
Der „Major“ erzählte, Niedecken habe sich über die Tatsache, dass sie als Band propagandistisch missbraucht worden wären, so geärgert, dass er leicht alkoholisiert im Interhotel „International“ abgeblieben war.
„Das war ein Abend, den ich nie vergessen werde, als Bandzeichner von ‚BAP’. Heuser lud uns zum Gegenbesuch ein: ‚Dann könnt ihr uns ja demnächst in Köln besuchen. Penne ist dort kein Problem.’ Das kleine Problem mit einer Ausreise, die nicht zu Verwandten führte, war den Jungs nicht klar.“

Seite 18, Kompakt Zeitung Nr. 220

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