Keine Regeln für die Partnersuche

erordnungen zur Corona Pandemie regeln viel. Bis ins Kleinste werden Kontakte, Abstände,
Hygienevorschriften vorgegeben. Aber niemand hat daran gedacht, wie sich Menschen begegnen können, die auf der Suche nach Partnerschaft sind. | Von Julia Eckert

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Der Einklang von körperlicher und geistiger Gesundheit ist wichtig, daher kann es in diesen besonderen Zeiten schwierig sein, eine Balance zu finden. Die bereits seit einem Jahr andauernde Pandemie fordert der Gesundheit eine Menge ab und neben gesunder Ernährung und ausreichend Bewegung kommen menschliche Bedürfnisse, der Wunsch nach körperlicher Nähe und Geborgenheit zu kurz. Wenn wir eines in ausreichendem Maße haben, dann sind es Spaziergänge! Mit Abstand und Coffee to go klingt das eigentlich machbar, aber Abstand und psychische Gesundheit lassen sich nur schwer miteinander kombinieren. Die psychisch-soziale Belastung der Menschen während des Lockdowns spielt eine große Rolle. Eine Gesundheitsstudie aus 2020 mit 200.000 Teilnehmern zwischen 18 und 60 Jahren, darunter wurden 114.000 Teilnehmer zum Thema Corona befragt, verzeichnete im Zeitraum April bis Mai 2020 eine erhöhte psychische Belastung mit der Zunahme von Angstsymptomen und Depressionen – überwiegend bei jungen Frauen.

Auch auf unsere sozialen Kontakte wirkt sich der Lockdown aus. Junge Erwachsene, Studenten, Azubis… Momentan bewegen sich diese während des Lernens zu Hause nur vom Schreibtisch bis zur Küche. Nicht mal auf dem Campus oder in der Mensa können sich Blicke treffen. Selbst an Orten wie der Uni-Bibliothek werden Nummern ausgetauscht! Besser gesagt: wurden. Wie kann man sich dann Flirts und Dating während einer Pandemie vorstellen? Vor drei Jahren habe ich meinen Partner noch ganz natürlich auf der Tanzfläche kennengelernt. Statt jetzt freitagabends von Bar zu Bar zu ziehen und aufregende Gespräche bei einem Bier zu führen, bewegen sich junge Erwachsene vielleicht nur noch auf der 5-Zoll-Oberfläche ihres Smartphones.

Flirten mit Maske richtet die Konzentration auf die Augen, gar nicht mal schlecht, aber reicht das? Viele Menschen schauen ihrem Gegenüber zuerst in die Augen oder auf die Lippen. Ein schönes Lächeln und markante Gesichtszüge, wie Frauen es zum Beispiel attraktiv finden, verbergen sich womöglich unter der Maske. Sich mal eben in einen Smalltalk verwickeln zu lassen, entpuppt sich im Versuch einer stark betonten Artikulation von Worten, die nur schwer durch die Maske hindurchdringt.
Auffallend positiv ist die Veränderung im Datingverhalten. Die Tendenz entwickelt sich in Richtung nachhaltigeres Kennenlernen. Hierbei werden zwar weniger Kontakte geknüpft, allerdings gibt es längere und ausführlichere Chats, bevor ein Treffen stattfindet. Bequem? Auf jeden Fall! Spontan und mobil? Trifft auch zu. Jemanden zu finden ist also möglich, und was soll man dann unternehmen? Bei all den Reformen und Verboten hat wohl kaum einer an die Singles gedacht, die menschliche Bedürfnisse haben und aufgrund der Pandemie völlig ausgebremst sind. Dating auf Distanz ist also der neue Kochabend – genau genommen dürfte man ja eh nicht vom gleichen Löffel probieren, dort wird man sich also auch nicht näher kommen.

Was bleibt sind weitere Treffen im Park zum Spazierengehen, um es wenigstens noch nach Date aussehen zu lassen. Überlegung an dieser Stelle: Wo in den Corona-Bestimmungen ist der Abschiedskuss vermerkt? Kuss durch die Maske, auf keinen Fall. Sie spontan abnehmen ist o auch nicht vorgesehen. Am besten einigt man sich vorm Treffen auf einen negativen Test, um sich dann – sollte es gut laufen – auch küssen zu dürfen. Romantisch ist das allerdings nicht.

Unter all diesen besonderen Bedingungen kann man sich auch langsam herantasten, es sich zu Hause bequem machen und den Hörer zur Hand nehmen. Die Ausgangssperre gilt ja schließlich nicht fürs Telefonnetz und Sorgen um die passende Garderobe fallen auch aus. Eine Stimme kann anziehend klingen und vielleicht sogar für das erste Kribbeln sorgen. Wenn ich ehrlich bin, beim Daten geht es doch gerade um die Spannung und körperliche Nähe. Ich möchte doch erleben, wie sich mein Date beim Abbeißen in den Burger erst mit der Soße volltropft, und dann gemeinsam lachen! Am allermeisten sehnt man sich nach den klassischen Abenden auf der Couch, bei denen man ganz genau weiß, dass von Distanz keine Rede mehr sein wird. Unser biologisches Verlangen nach körperlicher Nähe und Intimität hat keine Distanz zwischen Menschen vorgesehen. Abstand ist für die Gesundheit wichtig, aber in manchen Situationen wünschte man sich, seinem Date die Maske abnehmen und in aller Öffentlichkeit küssen zu dürfen, oder nach einem langen Abend auf der Tanzfläche morgens neben jemand Fremden aufzuwachen.