Kinder, Kinder: Am 20. September ist Weltkindertag

Am 20. September ist Weltkindertag. Reinhard Szibor mit Gedanken über den Stellenwert des heutigen Nachwuchses

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Jedes Land sollte einen Kindertag feiern. Das regten 1954 die Vereinten Nationen an, um die Belange der Kinder stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken. UNICEF empfahl den 20. September als „Weltkindertag“. Seitdem haben wir zwei Kindertage. Wer in der DDR aufgewachsen ist, verbindet mit dem Begriff „Internationaler Kindertag“ den 1. Juni. Daran habe ich gute Erinnerungen. Wir wurden in geschmückten Pferdewagen durchs Dorf gefahren. Eine Bockwurst, Fassbrause und Süßigkeiten bekamen wir gratis. Es gab Spiele, bei denen alle Kinder Preise gewannen. In der nächsten Generation änderten sich die Gepflogenheiten, aber der Kindertag war immer noch etwas Besonderes.

Ich will die DDR nicht allzu sehr loben, war ich doch froh, als diese Gesellschaftsordnung 1989 endlich zusammenbrach. Gerade auch mit Blick auf die Kinder gab es Verbrechen. Ich denke an die Zwangsadoptionen von Kindern, die ihren Eltern weggenommen wurden, weil diese die DDR verlassen wollten oder die in anderer Weise missliebig waren. Ich denke an die Erziehung zum Hass gegen Westdeutschland und an Erziehungsheime, die für vermeintlich oder auch tatsächlich Schwererziehbare wahre Höllen waren. Prügelstrafen, Essensentzug und Dunkelarrest waren üblich. Das war allerdings keine Spezialität der DDR. Zeitgleich gab es auch in der BRD solche Heime, oft in kirchlicher Obhut. Hüben und drüben war sexueller Kindesmissbrauch an der Tagesordnung, aber über DDR-Heime ist in dieser Hinsicht weniger bekannt als über westdeutsche.

Den meisten Kindern geht es heute richtig gut, anderen nicht

Körperliche Züchtigung in Schulen gibt es nicht mehr und auch in den Familien nahm die Gewalt gegen Kinder ab. Seit dem Jahr 2000 ist das „Recht auf gewaltfreie Erziehung“ im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert. „Entwürdigende Erziehungsmaßnahmen, insbesondere Körperstrafen und seelisch verletzende Sanktionen“ sind verboten. Trotzdem ist Gewalt gegen Kinder immer noch präsent (dazu später). Ausreichend Kleidung und Nahrung, (oft sogar im Überfluss), sind für fast alle da. Ein eigenes Fahrrad, ein Smartphone und ein Notebook sind heute für viele zwölfjährige Grundausstattung. Die Herbstferien, die ursprünglich eingeführt worden sind, um Kinderarbeit bei der Ernte zu ermöglichen, nutzen die meisten Familien als Wanderurlaube u. ä. Unbestritten gibt es Eltern mit prekären Einkommensverhältnissen und / oder niedriger Bildung und sogar asozialem Status. Da geht es auch den Kindern überwiegend nicht gut, aber nicht generell. Manchmal ist sogar die liebevolle Zuwendung armer Eltern und die Bereitschaft, ihren Kindern viel Zeit zu widmen, besser ausgeprägt, als dies in reichen und auf wirtschaftlichen Erfolg orientierten Elternhäusern der Fall ist. Trotzdem, Statistiken belegen, dass es in armen Familien häufig eine Misere für Kinder gibt.

Zugang zu Bildungseinrichtungen ist für alle Kinder staatlich garantiert. Trotzdem muss beklagt werden, dass Chancengleichheit nicht gegeben ist. Für Kinder aus armen und bildungsfernen Familien sind der Zugang zu einer hochwertigen Bildung und der Einstieg in attraktive Berufe schwierig. Deshalb propagieren auch die roten und grünen Parteien die integrierte Gesamtschule. Diese Schulform böte die Garantie, dass dort die Bildung weniger von der sozialen Herkunft abhinge. Allerdings scheinen die Protagonisten dieser Schulform von deren Qualität nicht wirklich überzeugt zu sein. Die ehemalige Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig lässt ihren Sohn in einer Privatschule unterrichten und drückt somit mangelndes Vertrauen in das von ihr mitverantwortete staatliche System aus. Auch der Kanzlerkandidat der Grünen schickt seine vier Kinder lieber in eine Privatschule. Die Liste derer, die dienstlich „Wasser predigen und heimlich Wein trinken“, ließe sich endlos fortsetzen.

Deutsche Bildungs- und Gesundheitsmisere

Nach Untersuchungen des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen verlassen viele Kinder die Grundschule mit nur unzureichenden Mathematikkenntnissen. Sie können auch nicht korrekt schreiben. Mitte 2017 zeigte die „Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung“ (IGLU) mit einer Studie, an der 47 Staaten teilgenommen hatten, dass in Deutschland fast 20 % der Grundschüler explizit angegebene Informationen nicht identifizieren können. Der von Deutschland erreichte Wert an vergebenen Punkten für Bildungserfolge entsprach in etwa dem von Kasachstan und liegt unter dem Durchschnitt aller teilnehmenden EU- sowie OECD-Staaten. Deutschland ist in Sachen Bildung seiner Kinder nicht einmal mehr Mittelmaß. Auch die körperliche Konstitution und der Mangel an sportlichen Fähigkeiten der Kinder sind besorgniserregend. Laut einer Umfrage im Auftrag der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft kann mehr als die Hälfte der Zehnjährigen nicht richtig schwimmen. Das Bundesgesundheitsministerium konstatiert in diesem Jahr, dass 8,7 % der Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 3 und 17 Jahren übergewichtig und 6,3 % adipös sind. Zusammen sind das 15 % fehlernährte Kinder, die mit einem vermeidbaren Gesundheitsrisiko leben. Die Bekämpfung der Fehlernährung ist sicher ein sehr komplexes Problem, bei dem Politik, Schulen aber in erster Linie Eltern gefragt sind. Der mangelnde Bildungserfolg der Schulen und die zunehmende Schwimmunfähigkeit sind hingegen eindeutig auf Politikerversagen zurückzuführen. Das Problem in den Schulen ist weniger Geldmangel, sagen Experten wie der Frankfurter Didaktik-Professor Hans-Peter Klein. Er spricht von einer „gefährlichen Abwärtsspirale im deutschen Bildungssystem“ die er auf ideologisch motivierte „Bildungsreformen“ der vergangenen Jahre zurückführt. Und wo sollen Kinder schwimmen lernen, wenn die Kommunen wegen mangelnder Geldzuweisungen ihre Schwimmbäder schließen müssen?! Aber auch dagegen gäbe es Mittel, wenn die Politiker das Problem nur ernst nähmen. Mein Dorf, in dem ich aufwuchs, hatte auch kein Schwimmbad. Deshalb richtete der damalige Kreis Burg für die Nichtschwimmer aus den Dörfern ein Schwimmlager ein. Für den symbolischen Betrag von 5 DDR-Mark verbrachten wir dort 14 Tage der Sommerferien mit Vollverpflegung, intensivem Schwimmunterricht und viel Sport, Spiel und Spaß. Vergleichbares könnte man den Kindern auch heute bieten, wenn man nur wollte.

Kindesmisshandlung: Hausgemacht und importiert

Es handelt sich heute um Ausnahmen, wenn Kinder misshandelt werden. Aber trotzdem ist das nicht selten. In Sachsen-Anhalt ist nach kürzlich veröffentlichten Angaben die Zahl der Gewalttaten gegen Kinder in den letzten drei Jahren von 1857 auf knapp 2000 Vorfälle gestiegen. Eingeschlossen sind Sexualstraftaten an Kindern. Sie stiegen um 15 % von 511 auf 590 Fälle. Sexuellen Missbrauch von Kindern gab es in Deutschland sowie in der ganzen Welt schon immer. Derartige Straftaten in Kreisen des katholischen Klerus sowie in Internaten wie der Odenwaldschule nahmen in der Presse großen Raum ein. Am häufigsten ereignen sich solche Verbrechen allerdings innerhalb von Familien. Die Dunkelziffer ist in allen Bereichen hoch. Solche Taten werden in den Ländern des Westens schon lange mit Strafe bedroht. Im Zuge der sogenannten „sexuellen Befreiung“ der 68er Bewegung gab es Bestrebungen, Sex mit Kindern straffrei zu stellen, falls dieser gewaltfrei erfolgt. Aber welches Kind, das sich im Abhängigkeitsverhältnis befindet, hat schon die Kraft und die Möglichkeit, sich den Übergriffen von Erwachsenen zu widersetzen? Man muss sowohl der Katholischen Kirche als auch den Grünen zugestehen, dass sie Kommissionen gegründet haben, um das Unrecht aufzuarbeiten. Zu beanstanden ist allerdings ihre Inkonsequenz. Hätten sie nicht Protagonisten des sexuellen Kindesmissbrauchs, wie Jürgen Trittin und Daniel Cohn-Bendit, aus der Partei ausschließen müssen? Trittin hat 1981 das Kommunalwahlprogramm in Göttingen verantwortet, das Sex zwischen Kindern und Erwachsenen unter bestimmten Bedingungen straffrei stellen wollte und Cohn-Bendit verherrlichte Sex mit Kindern so: „Es ist mir mehrmals passiert, dass einige Kinder meinen Hosenlatz geöffnet und angefangen haben, mich zu streicheln.“ Das habe ihn vor Probleme gestellt, „aber wenn sie darauf bestanden, habe ich sie dennoch gestreichelt.“ Im Berliner Abgeordnetenhaus hatte ein CDU-Abgeordneter eine Rednerin gefragt, wie sie dazu stehe, dass die Grünen in NRW die Strafandrohung für sexuelle Handlungen an Kindern aufheben wollten. Da rief, laut Protokoll, Renate Künast dazwischen: „Komma, wenn keine Gewalt im Spiel ist!“ Klingt doch, als befürworte sie gewaltfreien Sex mit Kindern, oder? Ein Gericht hat nun aber entschieden, dass man ihren Zwischenruf nicht so werten darf. Daran halte ich mich.

Es wird klar, dass die sexuelle Ausbeutung von Kindern in Deutschland schon lange stattfindet. Neuerdings kommen 2 neue Formen von Verbrechen hinzu. In vielen asiatischen und afrikanischen Ländern ist es üblich, Mädchen schon im Kindesalter mit älteren Männern zwangsweise zu verheiraten. Das wurde mit der zunehmenden Immigration ab 2015 massiv importiert. „Terre des Femmes“ stellte 2019 fest, dass deutsche Behörden mit dem Problem überfordert sind. In den zwei Jahren zuvor wurden 813 Fälle solcher Eheschließungen in Deutschland gemeldet, wobei die Statistik unvollständig sei. Es sind vermutlich viel mehr. Richtigerweise wollten Heiko Maaß und die Mehrheit der Politiker auch im Ausland geschlossene Ehen annullieren, wenn einer der Partner bei der Trauung jünger als 16 Jahre (also ein Kind) gewesen ist. Für Entsetzen sorgte Niedersachsens grüne Justizministerin Niewisch-Lennartz, die das mit folgenden Worten ablehnt: „Kinderehen müssen differenziert betrachtet werden… Es ist nicht gerechtfertigt, die im Ausland geschlossenen Ehen unter Jugendlichen generell unter den Verdacht eines Verstoßes zu stellen.“ Ein Kommentar erübrigt sich.

Die Zahl der Kinder und Frauen in Deutschland, denen man eine Genitalverstümmelung angetan hat, sei von rund 50.000 im Jahr 2017 auf etwa 68.000 gestiegen, sagte die Bundesministerin Franziska Giffey im Juni dieses Jahres. Schätzungsweise seien rund 2.800 bis 14.900 Mädchen in Deutschland davon bedroht, an ihren Genitalien verstümmelt zu werden. Es handelt sich hierbei um eine äußerst schmerzhafte und das ganze Leben zerstörende Menschenrechtsverletzung, die schwerwiegende körperliche und psychische Schäden verursacht. Würden sich die Politiker der machtausübenden Parteien diesem Problem mit der gleichen Intensität zuwenden, mit der sie die gendergerechte Sprache durchsetzen, würden sie tatsächlich etwas für Mädchen- und Frauenrechte tun. Es wäre ein Leichtes, für Schulkinder alljährlich eine Gesundheitsuntersuchung vorzuschreiben. Dann könnte man solche Verbrechen zeitnah feststellen und die Schuldigen hart betrafen. Das hätte abschreckende Wirkung.

Wenn Frauen Kinder hassen: Das Brunschweiger-Phänomen

In meiner Generation wurden noch knapp unter 2 Kinder pro Frau geboren. Deshalb läuft die Wirtschaft noch einigermaßen und die meisten von uns beziehen eine auskömmliche Rente. Heute beträgt die Geburtenrate 1,57 pro Frau. Aber das ist manchen noch zu viel. Die SPD-Frau, Feministin und „passenderweise“ Lehrerin Verena Brunschweiger erntet für ihr Buch „Kinderfrei statt kinderlos“ viel Beifall. „Ein Kind ist das Schlimmste, was man der Umwelt antun kann. Jedes nicht in die Welt gesetzte Kind bedeutet eine CO2-Einsparung von rund 58 Tonnen im Jahr“ lautet ihr von paranoider CO2-Phobie geprägtes Credo. „Frauen, die sich gegen Nachwuchs entscheiden, sind die mutigen Vorreiterinnen einer Bewegung, die an Zuspruch gewinnen muss, wenn unser vom westlichen Lebensstil maßlos ausgebeuteter Planet noch länger bewohnbar und lebenswert bleiben soll.“ Kein Wort davon, dass Kinder, die heute aufwachsen, später die Umweltprobleme lösen können, wenn wir sie gut ausgebilden. Die 38-Jährige kritisiert auch Mütter: „Hinter einem Kinderwunsch stecken oft egoistische oder narzisstische Motive.“ Und sie hat auch gleich einen Vorschlag, wie man den Frauen das Kinderkriegen austreiben könne: 50.000 Euro an jede 50-Jährige ohne Kind – eine Idee, die aber wie die ganze Kampagne nicht von ihr ist! Die sogenannten Antinatalisten meinen, „das größte Glück, das man Kindern verschaffen kann, liegt darin, nicht geboren zu sein“. Der Club of Rome hat schon im Jahr 2016 vorgeschlagen, kinderlosen Frauen über 50 eine Belohnung von 80.000 Dollar zu zahlen. (Der Club of Rome ist eine Vereinigung von renommierten Misanthropen, die seit den 70er Jahren Prophezeiungen abgeben, die sich fast alle als falsch erwiesen haben).

Da passt es, dass die Grüne Jugend im Namen des Feminismus, unter dem Beifall aller rot-grünen Parteien des Bundestages, die ersatzlose Streichung des Paragraphen 218 fordert. Danach kann man dann Schwangerschaften bis zum Tag der Geburt abtreiben. Die Leibesfrucht ist dann schon außerhalb des Mutterleibes lebensfähig. Es liegen dann richtige Babys auf dem Tisch. Man muss sie halt nur noch töten, etwa mit einer Kaliumchloridspritze ins Herz. Man mag mir verzeihen (oder auch nicht), dass ich es erwähne. Es erinnert an Deutschlands dunkelste 12 Jahre. Um nicht missverstanden zu werden. Es gibt Situationen, in denen Frauen in Not sind und ihnen die Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch zugestanden werden muss. Die jetzige Fassung des Paragraphen 218 mit einer nachvollziehbaren Fristenregelung, die nach zähem Ringen der demokratischen Kräfte zustande kam, ist verhältnismäßig und verfassungskonform. Sie muss sowohl gegen Angriffe des Linksblockes aber auch der Evangelikalen, die eine Verschärfung wollen, verteidigt werden.
Tröstlich ist, dass es auch noch Feminismus mit menschlichem Antlitz gibt. Deren Vertreterinnen sehen ihr eigenes Wohlbefinden mit dem Glück ihrer Kinder unauflösbar verbunden. In diesem Sinne: Lassen Sie uns den 20. September als internationalen Kindertag begehen.

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