Klassiker und neue Ideen: Viel Zeit zum Spielen

Die Sonne lässt sich seit Tagen kaum blicken, die Temperaturen tendieren gegen null, ebenso das kulturelle Leben. Keine Konzerte, kein Kino, kein Theater, keine Lesungen. Noch nicht einmal im Restaurant oder auf dem Weihnachtsmarkt kann man Zeit und Geld ausgeben. In was also investieren – sowohl Zeit als auch Geld? Bücher, Streamingdienste, Zockereien? Oder doch in Aktivitäten, die etwas mehr gemeinsamen Einsatz erfordern? Wie etwa Gesellschaftsspiele, die deutlich mehr zu bieten haben als die Klassiker von „Mensch ärgere Dich nicht“ (Erstveröffentlichung 1914) bis „Monopoly“ (1933).
Trotz Smartphones und anderer Beschäftigungsmöglichkeiten sind Brettspiele beliebter denn je. Seit Jahren verbucht die Branche stetiges Wachstum. Und auch die Corona-Pandemie konnte ihr nichts anhaben. Im Gegenteil. Während Tourismus und Gastronomie darben, können sich die Spieleverlage über ein Umsatzplus freuen. „Die Menschen haben Spiele und Puzzles wieder für sich entdeckt und bleiben dabei – nicht nur in Krisenzeiten“, heißt es von Seiten des Spieleverlage e. V., der die wichtigsten Spieleverlage im deutschsprachigen Raum vereint.

Vor allem der Bereich Erwachsenenspiele hat sich demnach positiv entwickelt. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr konnte der Verkauf von Brett- und Kartenspielen für Erwachsene seit dem ersten Lockdown im Frühjahr um 30 Prozent gesteigert werden. Sowohl der Erfolg der sogenannten Exit-bzw. Escape-Games als auch der Logikspiele trage zu dieser Entwicklung bei. Zudem stehen seit einiger Zeit Partyspiele stark im Fokus von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Auch Kinderspiele sind nach Angaben des Vereins Spieleverlage weiterhin sehr beliebt und haben im Gegensatz zum Vorjahr eine Verkaufssteigerung von 13 Prozent verbucht – ebenso wie Kartenspiele (13 Prozent) und Reisespiele (12 Prozent). Auch das Puzzeln erfreut sich großer Beliebtheit, denn der Umsatz mit Erwachsenen-Puzzles konnte um 61 Prozent zulegen und der Bereich der Kinderpuzzle konnte knapp 20 Prozent Wachstum verzeichnen.

Vom KreativSalon zum eigenen Spieleverlag

Doch nicht nur große Verlage haben Spiele wie „Die Siedler von Catan“, „Azul“ oder „Pictures“ hervorgebracht. Auch Spiele kleiner Verlage sind beliebt. Heike Worel, die mehr als zwei Jahrzehnte für die Wirtschaftsförderung Magdeburg tätig und in diesem Rahmen u. a. für die Netzwerkveranstaltung „KreativSalon“ verantwortlich war, hat im November 2020 mit „Fragmentis“ ihren eigenen Spieleverlag samt Manufaktur gegründet – der erste in der Region Magdeburg. Bei dem gleichnamigen Spiel (Foto unten) handelt es sich um ein Puzzlespiel aus Holz. Ob Piratenschiff, Weihnachtsmarkt oder Deutschlandkarte – die detailreichen Spielfragmente sind aus einem Holzwerkstoff gefertigt, umweltfreundlich bedruckt und ergeben wie bei einem Puzzle ein Gesamtmotiv. Das Spiel ist für zwei oder mehr Personen geeignet und beginnt erst richtig, wenn das Puzzle zusammengesetzt wurde. Dann würfeln die Mitspieler reihum und können sich die Teile, die ihren Würfelaugen entsprechen, aus dem Bild nehmen. Sind alle Teile erwürfelt, wird der Sieger ermittelt, denn jedes Teil ist auf der Rückseite mit einem Zahlenwert gekennzeichnet. Die Werte werden zusammengerechnet und Sieger ist der Spieler mit der höchsten Punktzahl. Ausprobieren lohnt sich – schließlich liegt Heike Worel mit ihrer Idee ganz im Trend.
Tina Heinz