Mittwoch, Dezember 8, 2021
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Klinik-Fusion öffentlich diskutieren!

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Vor einem Jahr wurde die Idee einer Fusion zwischen Klinikum Magdeburg und Universitätsmedizin bekannt. Ein neu gegründeter „Freundeskreis des Klinikums“
fordert einen öffentlich geführten Diskussionsprozess dazu.

Im November 2020 berichtete die Tageszeitung „Volksstimme“ über eine mögliche Fusion zwischen dem Städtischen Klinikum Magdeburg und dem Universitätsklinikum. Bisher ist dazu nichts Konkretes vereinbart worden. Das bestätigt auch die Aufsichtsratsvorsitzende und Magdeburger Bürgermeisterin Simone Borris. Allerdings existieren unter der Belegschaft des Olvenstedter Klinikums Sorgen, dass ihre Belange bei den Verhandlungen keine angemessene Berücksichtigung finden könnten. Denn bisher fanden die Gespräche über eine mögliche Fusion ausschließlich in nicht öffentlichen Gremien statt.

Jetzt gründete sich der „Freundeskreis Klinikum Magdeburg“ mit über 50 Unterzeichnern, die eine öffentliche Begleitung aller Verhandlungen erreichen wollen. In einer Pressemitteilung erklärt der „Freundeskreis“: „Das geht uns alle sehr viel an, wenn seit Jahren im Magdeburger Rathaus und anderswo im Land Fusionspläne für die Klinikum Magdeburg gGmbH (KMD) und das Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R. (UKMD) geschmiedet werden. Allerdings beunruhigt und beängstigt uns seit etwa einem Jahr zunehmend, was darüber alles so geredet wird bzw. auch schon mal in Medien berichtet worden ist.“ Der Freundeskreis, in dem sich neben Unternehmern und Angestellten, Studierenden und Lehrenden auch der ehemalige Sozialbeigeordnete Hans-Werner Brüning engagiert, will Antworten auf die Fragen wie: „Warum wird das Memorandum der Leitungen der beiden Klinika vom 12. März 2020 vor uns hartnäckig verheimlicht? So wird doch verhindert, dass wir uns mit den Argumenten der eifrigen Befürworter einer Fusion des KMD und des UKMD befassen dürfen. Ist etwa das Mitreden der Öffentlichkeit ein Störfaktor für die Akteure der Fusion?“ Oder: „Wem überlassen die politisch Verantwortlichen die Vorbereitung der Fusion? Dem Professor Heinze, dessen Stellung als ärztlicher Direktor des UKMD durch eine „Corona-Masken-Affäre“ für uns fragwürdig ist, oder der Geschäftsführerin Dr. Bohnhardt, welche der seit dem Jahr 2008 wirtschaftlich erfolgreichen Klinikum Magdeburg gGmbH derzeit Mindereinnahmen wohl in zweistelliger Millionenhöhe „beschert“.

Für die Prüfung einer Fusion wurden anfangs Verhandlungen auf Augenhöhe vereinbart. Allein wegen der Größe und möglichen Dominanz des Uniklinikums hegen der Freundeskreis und vor allem Mitarbeiter des Klinikums Magdeburg Zweifel daran. Bereits im Juni informierte die Klinikum-Geschäftsführerin Dr. Petra Bohnhardt darüber, dass 2021 mit einem Defizit von rund 4 Millionen Euro zu rechnen sei. Inzwischen ist der Fehlbetrag auf schätzungsweise 9 bis 10 Millionen Euro angewachsen. Auf rund 70 Millionen Euro solle sich der erwartende Liquiditätsbedarf 2020 beim Universitätsklinikum belaufen. So berichtette es der MDR im Frühjahr. Diese Defizite müssen durch das Land ausgeglichen werden. In der aktuell schwierigen Finanzsituation der Landeshauptstadt reißt der Fehlbetrag im kommunalen Krankenhaus noch größere Löcher in den Haushalt. Freundeskreis und Mitarbeiterschaft befüchten, dass sich die Stadt das Klinikum künftig nicht mehr leisten könnte und deshalb eine Lösung darin sehen könnte, das Defizit in Richtung Land zu schieben.

Über die Sicherung der Gesundheitsversorgung in der Landeshauptstadt Magdeburg muss jedenfalls nachgedacht werden. Eine Fusion kann eine gangbare Lösung sein, wenn die Belange der Bürgerinnen und Bürger, des medizinischen Personals und die Garantie für Investitionsmöglichkeiten in die moderne Medizin sichergestellt sind. Auch das gehört zum Anliegen des „Freundeskreises Klinikum Magdeburg“. Man stehe einem Fusionsgedanken offen gegenüber. Allerdings müssten dafür künftig alle Gespräche, Vorschläge und Ideen offengelegt werden. Der Stadtrat muss genauso einbezogen werden wie die Mitarbeitervertretungen. Bisher gäbe es eben nur die Absichtserklärung, Fusionsmöglichkeiten zu prüfen. Deshalb sollten alle weiteren konkreten Gespräche für alle nachvollziehbar sein. Die Gesundheitsversorgung ist ein öffentliches Gut, das man nicht ausschließlich hinter verschlossenen Türen führen kann. Im Klinikum Magdeburg fühlen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jedenfalls nicht ausreichend informiert und beteiligt. Deshalb herrschen Angst und Sorge, die Unimedizin könne sich den kleineren Partner vorrangig zu seinen Bedingungen einverleiben. Damit das Ausloten von Chancen und künftige Verhandlungen tatsächlich auf Augenhöhe geführt werden können, will sich der „Freundeskreis KMD“ für eine gleichberechtigte Debatte einsetzen.

Thomas Wischnewski

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