Dienstag, September 21, 2021
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Küsse auf den blau-weißen Helm

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Der Magdeburger Automobil-Rennfahrer Dominique Schaak fährt in dieser Saison mit einem Helm in den Farben des 1. FC Magdeburg. Dennoch war der Start holprig. | Von Rudi Bartlitz

Erst Corona, dann die Flut im Ahrtal – für Dominique Schaak steht das Jahr 2021, rein sportlich gesehen, noch unter keinem allzu guten Stern. Im Protokoll von Sachsen-Anhalts einzigen professionellen Automobil-Rennpiloten ist bisher nur ein einziges Rennen verzeichnet. Und auch da lief es – ausgerechnet auf der Heimstrecke in Oschersleben – nicht so, wie sich der Magdeburger das vorgestellt hatte. Zumal es für ihn, das kam hinzu, der Start in eine neue Rennklasse werden sollte, in die sogenannte GTC-Race-Serie.

Doch der Reihe nach. Wegen der Pandemie musste der eigentlich für Ende April geplante Saisonstart in den Juni verschoben werden. Für Schaak hieß das: Weiter warten, weiter keine Praxis im Auto, weiter in einer Art Trockentraining nur Kraft und Kondition bolzen. Erschwerend kam hinzu, dass sich sein Arbeitgeber – das in der Eifel beheimatete „Racing One“-Team – entschlossen hatte, 2021 von einem Start in der ursprünglich anvisierten DTM-Trophy abzusehen. „Da sich in der Trophy die Kosten spürbar erhöhen und wegen der Pandemie ohnehin überall die finanziellen Auswirkungen zu spüren sind, wechselten wir ins GTC-Race“, erläuterte Schaak im KOMPAKT-Gespräch.

Als dann in Oschersleben für den 30-Jährigen in seinem 500 PS starken Audi R8 LMS erstmals die grünen Startlichter aufleuchteten, gab der Bolide im Qualifying mit kaputtem Getriebe gleich den Geist auf. Damit noch nicht genug: Im ersten der beiden Wochenend-Wettbewerbe setzte Schaak in aussichtsreicher Position seinen Wagen mit den vier Ringen bei Tempo 170 ins Kiesbett. Schaak: „Da habe ich ein gutes Resultat weggeschmissen, Platz zwei oder drei wären drin gewesen.“ Das Motto konnte so nur lauten: Alle Konzentration dem Start auf dem legendären Nürburgring.

Bis – das war die nächste Hiobsbotschaft – die dramatische Flutwelle im Südwesten und Westen der Republik quasi über Nacht durch alles einen Strich machte, der gesamte Nürburgring-Komplex kurzerhand zu einem riesigen Knotenpunkt für die Koordinierung der Hilfsleistungen umfunktioniert wurde. An Autorennen war nicht mehr zu denken. „Die Hilfe hatte absolute Priorität, das haben wir Fahrer natürlich sofort akzeptiert“, sagt Schaak. Also neuer Kurs, neues Ziel, diesmal Ende August die Grand-Prix-Strecke im niederländischen Assen. „Ich bin da optimistisch, was bleibt mir auch sonst“, lächelt der Pilot. „Die Piste liegt mir. Neunmal bin ich dort gefahren, sechsmal stand ich auf dem Podium. Wenn das kein gutes Omen ist …“ Abgeschrieben hat er die Saison, die noch mindestens sechs Rennen parat hat, jedenfalls trotz des missglückten Auftakts noch nicht völlig. „Ich will versuchen, am Ende unter die Top Fünf zu kommen.“

Was der Mann aus Magdeburg auf jeden Fall tun wird: Er wird überall, unter anderem noch auf dem Hockenheim- und dem Lausitzring, stolz seinen neuen Helm präsentieren. Der Clou dabei, der ist in den Farben des 1. FC Magdeburg gehalten. Also in Blau-Weiß. „Das war die gemeinsame Idee mit meinem Ausrüster, dem Five-Star-Team aus Braunschweig.“ Als langjähriger Fan der Blau-Weißen sei es ihm, der mit einigen FCM-Spielern befreundet ist und einst auch für den SV Hötensleben in der Landesklasse kickte, „eine Herzensangelegenheit“, diesen Helm auf Europas Rennpisten zu tragen. „Und so meine Verbundenheit zu meiner Heimatstadt zu zeigen.“ Was zunächst aussieht wie eine ganz raffiniert eingefädelte koordinierte Aktion, ist laut Schaak jedoch mehr einem netten Zufall entsprungen, denn auch sein Audi brettert in diesem Jahr in den Grundfarben Blau-Weiß über die Asphaltbänder. „Am Saisonende werde ich den Helm, der einen Materialwert von 4.000 Euro hat, dem FCM für eine Versteigerung übergeben“, kündigt er an und schiebt einen Wunsch hinterher: „Ich wünsche mir den Club so schnell als möglich in der 2. Liga. Das haben die Fans und die Stadt einfach verdient.“

Mag es sportlich in diesem Jahr aus den unterschiedlichsten Gründen noch nicht so gut gelaufen sein für den gelernten Industriemechaniker, privat sieht es umso besser aus. „Da auch 2020, vor allem wegen Corona Wettbewerbe ausfielen und es mit dem Rennglück nicht allzu weit her war, habe ich mir gesagt, dann muss ich mein Glück eben anderswo suchen“, erzählt er. Und er wurde fündig. Mandy Wolf heißt die junge Dame, die im Marketing des Regiocom-Unternehmens tätig ist und mit der er seit einiger Zeit eine Wohnung in Rothensee teilt. Seither ist die 32-Jährige bei Rennen des Schaak-Teams nicht mehr wegzudenken. Zuletzt saß sie sogar mit Kopfhörern beim Team in der Boxengasse. „Sie ist immer an der Strecke – und zittert mit. Der Motorsport ist eine völlig neue Welt für sie.“

Und ein gemeinsames Ritual haben sie sich ebenfalls schon auserkoren. Jedes Mal, bevor sich Dominique in seine fliegende Kiste schwingt, küsst Mandy innig den FCM-Helm.

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