Kunst des (Über)Lebens

Kunst ist Balsam für die Seele. Musik, die bewegt. Theater, das das Herz erreicht. Die Schönheit von Bildern und anderen Kunstwerken verzaubert. Geschichten, Lieder, Filme bereichern unser Leben. Kunst live zu erleben, ist derzeit nicht möglich. Theater, Konzerthäuser, Kinos – sämtliche Veranstaltungsorte sind geschlossen. Droht uns der Verlust unserer Kultur?

Kunst bringt uns zum Lachen, Weinen, Staunen, lässt uns glücklich werden. Fragen wir uns dabei, wie es den Künstlern geht? Vielleicht. Manchmal beneiden wir sie auch, wenn sie im Scheinwerferlicht stehen und – bestenfalls – gutes Geld damit verdienen. Doch gerade dieses Geld bekommen die wenigsten. Wenn man nicht gerade ein Film- oder Musikstar ist, vor Tausenden Leuten auftritt, und teure Eintrittskarten dafür verlangen kann. Oder eben im Fernsehen zu erleben ist, was nicht nur gut entlohnt wird – Schauspieler beispielsweise in solch festen Engagements sind die einzigen, die arbeitslosenversichert sind, da sie mit den Arbeitgebern sozialversicherungspflichtige Abgaben leisten. Freiberufler – wie die meisten auch in der Magdeburger Kulturszene – haben solchen Anspruch nicht.

Unter dem Wegbleiben des Publikums leiden natürlich auch die staatlichen / kommunalen Veranstaltungseinrichtungen. Doch ihre Existenz wird (zumindest unter den jetzigen Bedingungen) nicht in Frage gestellt. Sie werden weiter existieren. Doch wie sieht es in der Freien Kulturszene der Region aus? Bei jenen, die ohne staatliche Förderung leben, deren Verdienst sich täglich aufs Neue mit jeder verkauften Eintrittskarte errechnet?  Bleibt dieser Verkauf aus, bleibt die Kasse leer. Im wahrsten Sinne.

Kunst lebt von Krisen

Das trifft Einzelkünstler wie beispielsweise Musiker, die von Engagement zu Engagement leben, ebenso wie Ensembles freier Theatergruppen. Jeder muss sein Leben bestreiten, Miete bezahlen – und sein täglich Brot. Wer selbst Spielstätten betreibt wie das Theater an der Angel, die Zwickmühle oder Hengstmanns, hat dafür noch zusätzliche (Miet- und andere) Kosten zu begleichen.

Doch die wenigsten klagen. Egal wie hart, wie existenziell es sie trifft. Kunst lebt auch von Krisen. Thematisch wie kreativ. Die Ruhe bewahren und nach Alternativen suchen, ist in diesen Tagen von den regionalen Künstlern zu hören. Und plötzlich werden sie wieder sichtbar – außerhalb ihrer bisherigen Auftrittsorte. Streaming heißt das Wort der Stunde. Was in den vergangenen Tagen im Internet aus dem „Boden“ schoss, ist kaum zu fassen. Ob facebook, YouTube oder andere Plattformen – es gibt Livekonzerte, Theateraufführungen, Opernübertragungen, die ohne Publikum stattfinden und stattdessen via Internet in die häuslichen Wohnzimmer gesendet werden. International wie regional. Wie ein Lauffeuer macht das die Runde, Liveübertragungen gehen „viral“. In Magdeburg begann der Moritzhof am 20. März mit „Hof On Air“. Seitdem gibt es tägliche Angebote von Kabarett, Schauspiel, Musik und mehr. Ein festes Programm steht noch nicht, ist auf Nachfrage von Lars Johansen zu erfahren, Vorsitzender des Betreibervereins ARTist! e. V. Täglich wird neu entschieden. Künstler können sich fürs Mitmachen bewerben.
Die Kabarettistenfamilie Hengstmann hat einen Proberaum in Egeln zum „Aufnahmestudio“ umfunktioniert und bereitet Veröffentlichungen vor. Ein Einblick ins neue Programm „ProPapaGanda“ ist bereits online, weitere folgen. Es wird nicht das ganze Programm zu sehen sein, sondern Clips, die zum Teil aus dem Programm stammen, aber ebenso völlig neue, aktuelle oder einfach nur witzige Episoden.

Doch es ist nicht jedermanns oder -fraus Sache. Sie brauche staunende Kinderaugen, freche Einwürfe, sich erinnernde Senioren, sagt beispielsweise Geschichtenerzählerin Janine Freitag, die bei „Hof on Air“ zu erleben war. Auch Kabarett wie bei Hengstmanns lebt vom Miteinander, von Einwürfen, Improvisation. „Es ist furchtbar ohne Publikum“, bringt es Tobias Hengstmann auf den Punkt und hofft auf baldiges Wiedersehen.
Sicherlich können einfache Aufzeichnungen, private Internetübertragungen auf lange Sicht nicht die Lösung sein. Im heutigen Technikzeitalter, in dem zuvor nur die Erfolg hatten, die ausgefeilte Künste auf diesem Gebiet bewiesen. Zudem – mit den Online-Angeboten ist (in dieser Weise) selten Geld zu verdienen. Aber es macht Künstler sichtbar und bringt Rezipienten Unterhaltung und Glücksmomente. Und es schweißt zusammen. Das zeigt sich auch abendlich, wenn auf Balkonen gemeinsam gesungen oder musiziert wird.

Eine Gemeinsamkeit, die hoffentlich bleibt. In der Zeit „nach Corona“. Wenn Konzerthäuser, Theater, Kabaretts wieder öffnen. Wenn Künstler wieder live zu erleben sind. Denn ohne Kunst fehlt dem Leben ein wichtiger Teil. | Birgit Ahlert

Hilfe für Freie Kunstszene

Unter dem Motto „Ticket behalten, Existenzen bewahren“ ist deutschlandweit eine erste Hilfsaktion von Kulturfreunden angelaufen. Das allein reicht nicht. Stellvertretend für die Freie Kulturszene in Magdeburg hat der Verein ARTist! e. V. ein Spendenkonto eingerichtet, um jenen Kulturschaffenden zu helfen, die es durch die Corona-Krise besonders hart trifft. Wer spenden kann und möchte: 

Kontoinhaber: ARTist! e.V.
Bank: Stadtsparkasse Magdeburg
IBAN: DE69 8105 3272 3000 0258 46
BIC: NOLADE21MDG
Über die Vergabe des Geldes wird ein Gremium entscheiden. Aktuelle Informationen über Anträge, Hilfen usw. für Künstler werden veröffentlicht auf der Internetseite www.kulturstrategie-md.de

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