Samstag, Oktober 16, 2021
Anzeige

Land im Glück – Ein deutsches Märchen neu erzählt

Anzeige

Folge uns

In Grimms Märchen bekommt der fleißige Hans für seine lang-
jährige Arbeit einen großen Klumpen Gold. Weil der aber schwer
ist, tauscht er ihn gegen ein Pferd. In einer weiteren Tauschkaskade wird er Besitzer einer Kuh, eines Schweines, einer Gans und schließlich eines Schleifsteines. Als ihm dieser in den Brunnen fällt, ist er völlig mittellos, aber glücklich. Das ist nicht nur ein Märchen, sondern auch eine Allegorie. | Von Reinhard Szibor

Deutschland ist nach einem desaströsen Krieg aus den Ruinen auferstanden. Tausende „Trümmerfrauen“ haben den Schutt beräumt. In der BRD hatte man das „Wirtschaftswunder“ auf den Weg gebracht. Es stellte sich Wohlstand ein. Weniger gut lief es im östlichen Landesteil. Hier wurde das von der sowjetischen Besatzungsmacht oktroyierte sozialistische Wirtschaftssystem von der SED-Diktatur willig angenommen. Zwar konnte man auch hier die größte Not bezwingen, aber die Bedürfnisse der Bevölkerung wurden kaum befriedigt. Unsere Städte verfielen und die Umwelt wurde in einem heute kaum noch vorstellbaren Maße zerstört. Die Wirtschaft stand vor dem Zusammenbruch und das soziale Gefüge war teils zerrüttet. Der Untergang der DDR war unausweichlich. Auch wenn im Prozess der Wiedervereinigung nicht alles optimal verlief (manches sogar sehr schlecht), war diese ein großes Glück. Der Westen war zu diesem Zeitpunkt ökonomisch stark und befähigt, den wirtschaftlichen Aufbau in den neuen Bundesländern zu unterstützen. Wenn auch der Wandel für viele mit schmerzhaften Begleiterscheinungen verbunden war, so sind solche vom Bundeskanzler Helmut Kohl versprochenen „blühenden Landschaften“ an vielen Orten doch entstanden.

Zum Zeitpunkt der Vereinigung gehörte Deutschland zur Weltspitze: Stark in den meisten Industriezweigen, in der Wissenschaft, in der Bildung und hinsichtlich des sozialen Friedens. Wie „Hans im Glück“ für seine Arbeit Gold bekommen hatte, so wurden die Deutschen für ihren Fleiß und ihre Kreativität mit einer „Poleposition“ im internationalen Wettbewerb belohnt. Dem Kanzler Gerhard Schröder (SPD) gelangen einige Weichenstellungen, wodurch die Wirtschaft einen weiteren Aufschwung nahm. Allerdings legten der grüne Koalitionspartner und Funktionäre in den eigenen Reihen bereits die Axt an manche Schlüsseltechnologien. Mit Blick auf Mikrochips, Computer, Gentechnik und Kernkraft hieß es „Nein Danke“. Computer seien Jobkiller, so die Gewerkschaften und die damalige Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales Anke Fuchs (SPD) lehnte den „Kollegen Computer“ ab, weil er nicht in die Sozialkassen einzahle. Als man feststellte, dass man ohne Mikrochips keine marktfähigen Haushaltsgeräte, geschweige denn Autos, Lokomotiven, Medizintechnik und Kraftwerke bauen konnte, war die Marktführerschaft bereits verloren gegangen. Das Land im Glück hatte die Erosion der Wirtschaft eingeleitet.

Ein gelungener Tausch?
„Hans im Glück“ lässt grüßen!
Als „Hans im Glück“ den schweren Klumpen Gold gegen ein Pferd eingetauscht hatte, konnte er reiten und musste den Schatz nicht mehr tragen. Bis ihn das Pferd abwarf, war er glücklich. Deutschland hatte zur Zeit der Einigung als Schatz eine sichere Energieversorgung, sogar im Osten. Hier stießen aber die Braunkohlekraftwerke massenhaft Schwefeldioxid und Staub aus, ebenso die Haushalte. In der Folge hatten Menschen, besonders Kinder, Atemwegserkrankungen und in den Gebirgen starben die Wälder. Aber schon bald nach der Wende waren die Kraftwerke überall rauchgasentschwefelt und geheizt wurde überwiegend mit Erdgas. Allerdings postulierte man in der Klimadiskussion, dass diese Umstellung nicht ausreichen würde. Wir bräuchten eine Energieversorgung, die kein CO2 produziert, denn dieses würde eine Erd-erwärmung bewirken. Umweltverbände und Politiker aller Couleur postulieren, Klimaschutz sei nur durch starken Ausbau von Wind- und Solarstrom-anlagen zu erreichen. Diese seien „klimaneutral“ und umweltverträglich. Beides ist falsch. Eigentlich hatte man eine nahezu CO2-freie Energiegewinnung schon. Die wurde von führenden Persönlichkeiten verteidigt. Die Physikerin Angela Merkel wusste Bescheid: „Für die nächsten Jahre können wir weder auf Kohle noch auf Kernkraft verzichten.“ Und in einer weiteren Rede: „Aber zusätzlich brauchen wir noch längere Laufzeiten der sicheren Kernkraftwerke … Die deutschen Kernkraftwerke gehören nach Auffassung aller Experten zu den sichersten der Welt. Es wäre nicht sinnvoll, wenn wir die Kraftwerke abschalten, um dann Kernenergie aus Frankreich, Schweden oder Tschechien zu importieren.“ Und schließlich: „Wenn ich sehe, wie viele Kernkraftwerke weltweit gebaut werden, wäre es jammerschade, wenn Deutschland aussteigen würde.“ Dieser merkelschen Erkenntnis ist hinzuzufügen, dass man inzwischen Kernkraftwerke bauen könnte, deren Gefahrenpotential gegen Null geht. Gerade in Deutschland hat man mit dem „Dual Fluid Reactor“ einen Reaktortyp entwickelt, der weder explodieren kann noch langlebige radioaktive Abfälle produziert. Um den zu realisieren, müsste man in dessen Entwicklung noch ein paar Milliarden investieren.
Deutschland trägt zur weltweiten CO2-Produktion etwa 2 Prozent bei. Würden wir den Beitrag auf Null senken, wofür die Mehrheit der Parteien im Bundestag etwa 1.100 Milliarden Euro auszugeben bereit ist, wäre unser Beitrag zur CO2-Reduktion marginal. Aufgabe unseres Landes, das über Universitäten, Hochschulen, Max-Planck-Institute sowie leistungsstarke Konzerne wie Siemens und Bosch verfügt, wäre es, Lösungen für die ganze Welt zu entwickeln – etwa sichere Atomkraftwerke, durch die das CO2-Problem weltweit gelöst werden könnte. In China, in der Stadt Wuwei geht jetzt übrigens der erste kommerzielle Kernreaktor in Betrieb, der mit Thorium betrieben wird und 100 MW liefern wird. Das entspricht der Leistung von 50 Windenergieanlagen (WEA) in Momenten, in denen der Wind gerade mal optimal weht. Der „größte anzunehmende Unfall (GAU)“; also der schwerste Störfall, der mit diesem Reaktortyp auftreten kann ist, dass er erkaltet und bis zur Wiederinbetriebnahme keinen Strom liefert. Das ist also vergleichbar mit einer längeren Windflaute an WEA.

Das „Land im Glück“ rottet
seine Wildtiere aus
Rebhühner, Lerchen und andere Feldvögel gehen in ihrem Bestand schon lange zurück. Noch vor wenigen Jahren waren sie nicht akut vom Aussterben bedroht. Damit Tiere überleben, brauchen wir pflanzliche Artenvielfalt und brachliegende Flächen. Landwirte bekamen kurz nach der Wende Prämien für unbewirtschaftete Felder, was der Fauna zu Gute kam. Auf den Äckern wurden neben Getreide, Rüben, Kartoffeln, Raps und Mais reichlich blühende Futterpflanzen angebaut: Süßlupinen, Luzerne, Pferdebohnen, Futtererbsen etc. Aber gemäß der von Jürgen Trittin und Renate Künast eingeführten Förderpolitik, wonach Landwirte mit dem Anbau von Energiepflanzen die „Ölscheichs von morgen“ sein sollen, lohnt sich das nicht mehr. Viehfutter wird aus Südamerika importiert, wo man für den Anbau von Soja Regenwälder abbrennt. Hiesige ehemalige Brachen weichen der Intensivlandwirtschaft. Infolge dieser Anreize muss sogar Dauergrünland den Maisflächen Platz machen, was eigentlich verboten ist, aber trotzdem geschieht. Unter dem Titel „Where have all the flowers gone? – Grünland im Umbruch“ beschrieb das Bundesamt für Naturschutz, dass ein erheblicher Anteil des Grünlandumbruchs zu Gunsten von Maisanbau stattfindet. Die massive Förderung erneuerbarer Energien und die hohe Energieausbeute, die bei der Verwendung von Mais als Substrat für Biogasanlagen erzielt werden kann, macht diese Entwicklung erklärbar. Mit der Novellierung des „Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG)“ und seiner Vergütungsregelung für Strom aus nachwachsenden Rohstoffen wurde der Anreiz gesetzt. Der großflächige Anbau von Maiswüsten für die Methangasgewinnung ist de facto ein Insekten- und Feldvogel-Ausrottungsprogramm. Der NABU wies darauf hin, dass hierzulande vor allem die artenreichen Teile des so genannten Grünlands in rasantem Tempo verschwinden.

Obendrein lassen die Politiker Windenergieanlagen bauen. Experten schätzen, dass jährlich bis zu 250.000 Fledermäuse und tausende Vögel an Windenergieanlagen in Deutschland umkommen. Statistiker und Biologen veröffentlichten in der Zeitschrift „Falke“ die regionale Bestandsentwicklung von Greifvögeln in 285 Landkreisen. Es zeigte sich ein Zusammenhang zwischen der Bestandsentwicklung regionaler Rotmilanpopulationen und der WEA-Dichte: Je mehr Windräder, desto negativer die Bilanz. In Landstrichen mit einem hohen Aufkommen an Windrädern seien die Populationen stark eingebrochen. Die größten Brutpaarverluste habe es in Sachsen-Anhalt, Ostwestfalen und Mittelhessen gegeben. Dort, wo sich Windräder konzentrieren.

Ein zweifelhafter Tausch
Wenn die Sonne scheint und der Wind bläst, gibt es oft mehr Elektroenergie, als wir brauchen. Die leiten wir dann ins Ausland. Das kostet! Über die Weihnachtsfeiertage 2016 mussten Verbraucher 20 Millionen Euro für die Entsorgung von überschüssigem „Ökostrom“ bezahlen! Fallen an einem Tag mit hohem Energiebedarf plötzlich Sonnenschein und Wind aus, kommt es zu einem Defizit. Da kann man noch so viele WEA und Sonnenkollektoren installiert haben, ohne Wind und Sonne geht nichts. Gut, wenn es dann genug konventionelle Kraftwerke gibt, die die Lücke füllen. Schaffen diese es jedoch nicht, schnell genug hochzufahren, kommt es zu einem Abfall der Wechselstromfrequenz. Wenn diese von dem Normalwert von 50 auf unter 49,7 Hertz abfällt, bricht das Stromnetz zusammen. Länder wie Deutschland mit abgeschalteten Kohle- und Atomkraftwerken sind dann in der Lage, ganz Europa in den Strudel der Dunkelheit zu ziehen. Am 8. Januar, um 14.05 Uhr, ist Europa nur knapp am Blackout vorbeigeschrammt. Das Fatale ist, dass sich das Netz nur mit starken konventionellen Kraftwerken wieder instandsetzen lässt. Aber die werden demnächst stillgelegt. Die sogenannten „Erneuerbaren“ taugen dazu nicht. Ein vollständiger Blackout wird über mehrere Tage nicht zu beheben sein. Die Folgen übertreffen all unsere Fantasien.

Das Büro für Technikfolgen beim Deutschen Bundestag hat analysiert, was in einem solchen Falle passieren wird. Bereits nach wenigen Tagen ist die Versorgung der Bevölkerung mit lebensnotwendigen Gütern und Dienstleistungen nicht mehr sicherzustellen. Die öffentliche Sicherheit ist gefährdet, der grundgesetzlich verankerten Schutzpflicht für Leib und Leben seiner Bürger kann der Staat nicht mehr gerecht werden. Nach dem Verlust der Lebensmittel in den Kühlhäusern und dem millionenfachen Tod von Nutztieren in den Stallungen wird es eine Hungersnot geben. Die Anzahl der Todesopfer, die wir zu erwarten hätten, wäre gigantisch. Im Vergleich dazu ist die Zahl der Strahlenopfer von Tschernobyl, die von der UNO auf ca. 4.000 beziffert wird, ein Klacks. Die wirtschaftlichen Schäden wären unvorstellbar. Die österreichische Gesellschaft für Krisenvorsorge geht davon aus, dass ein Blackout in den nächsten fünf Jahren „sehr wahrscheinlich“ ist. Dies träfe insbesondere dann zu, wenn die gegenwärtige Energiepolitik so fortgeschrieben würde. Das war eine Prognose. Die traurige Gegenwart ist, dass WEA weniger Vorteile für das Klima liefern als versprochen. So setzt z. B. die Kraftwerkstechnik Schwefelhexafluorid (SF6) als Isoliergas ein. Wo die Turbinen der großen Kraftwerken in Hallen stehen, kann man ein Entweichen in die Atmosphäre weitestgehend verhindern, kaum aber in den WEA. Laut einem Artikel in den BBC News hat sich das synthetische Gas in der Luft als Folge des grünen Energiebooms stark erhöht. Sein Erwärmungspotenzial ist 24.000 Mal höher als das von Kohlendioxid und die Verweildauer des SF6-Gases in der Atmosphäre beträgt ca. 3.200 Jahre. Die Gesamtemissionen der 28 Mitgliedstaaten im Jahr 2017 hat ein Treibhausgaspotenzial, das 6,73 Millionen Tonnen CO2 gleicht. Das entspricht den Emissionen von 1,3 Millionen Autos, die ein Jahr lang unterwegs sind. Ob es klug ist, eine große Menge des natürliches Gases CO2 gegen eine kleinere Quantität aber extrem schädlichen synthetischen Superklimakiller SF6 auszutauschen, mag dahingestellt bleiben. Es erinnert wieder etwas an „Hans im Glück“.

Kein anderes Land wird so
glücklich wie Deutschland sein!
Als „Hans im Glück“ einen Scherenschleifer traf, tauschte er seine Gans gegen einen Schleifstein und ging vergnügt weiter. Seine Augen leuchteten vor Freude und er sprach: „Ich muss in einer Glückshaut geboren sein, alles was ich wünsche trifft mir ein, wie einem Sonntagskind.“ Indessen begann er müde zu werden. Da konnte er sich des Gedankens nicht erwehren, wie gut es wäre, wenn er ihn nicht zu tragen brauchte. Den Stein legte er auf den Rand eines Brunnens, von wo er hinab plumpste. „Hans im Glück“, als er den Stein hatte versinken sehen, sprang vor Freude auf und dankte Gott mit Tränen in den Augen, dass er ihm auch diese Gnade erwiesen und auf eine so gute Art von dem Stein befreit hatte. Das sei das einzige, was ihm noch zu seinem Glück fehlte. „So glücklich wie ich, rief er aus, gibt es keinen Menschen unter der Sonne.“ Was Deutschland betrifft, so wird es das glücklichste Land der Welt werden, wenn das letzte Atomkraftwerk und die letzten Kohle- und Gaskraftwerke abgeschaltet sind.

WEITERE
Anzeige
Magdeburg
Bedeckt
9.7 ° C
10.6 °
8.5 °
87 %
2.2kmh
95 %
Sa
11 °
So
11 °
Mo
14 °
Di
16 °
Mi
19 °

E-Paper