Dienstag, Juli 5, 2022
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Leben hat Nebenwirkungen

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Mit „Ferien auf Sagrotan“ wirbt der Kabarettist Ingo Börchers und wird mit seinem gleichnamigen Programm am 7. März in Magdeburg gastieren. Er ist bekennender Hypochonder, wäscht sich mehrfach die Hände, auch in Unschuld. Birgit Ahlert sprach mit ihm.

Sie waren ja noch nicht in Magdeburg …

Ingo Börchers: Auf der Bühne nicht, aber privat schon. Ein Freund von mir wohnte in Magdeburg. Es ist eine sehr schöne Stadt und topografisch ja nicht weit entfernt von Bielefeld. Außerdem sehe ich mich als Ostwestfale ein bisschen prädestiniert, aus Westfalen weiter Richtung Osten zu fahren.

Sie kündigen keimfreies Kabarett an. Wie muss man sich das vorstellen, frei von Nebenwirkungen, geglättet, gesäubert? 

Als bekennender Hypochonder gehe ich ungern ohne mein Sagrotan oder Handhygienegel aus dem Haus. Aber eigentlich ist Keimfreiheit für mich wichtig, um über das Thema Nebenwirkungen zu sprechen. Kurzfassend könnte man sagen: Leben hat Nebenwirkungen. Aber wir versuchen sie zu eliminieren. Ich habe das Gefühl, dass wir eine Gesellschaft geworden sind, die Wirkung möchte, von der Ursache keine Ahnung hat – das ist uns zu viel Information – und mit der Nebenwirkung wollen wir uns nicht auseinandersetzen. Beispiel Klimawandel. Das Thema ist überall präsent, aber wir wollen uns gar nicht die Mühe machen, tatsächlich an die Ursachenforschung zu gehen. Sobald es zu komplex ist, steigen die meisten von uns gedanklich aus. Wir sind eine Gesellschaft, die viel und gern fordert. Windkraftanlagen gern, aber nicht im eigenen Garten. Biogemüse sehr gern, aber zu Billigpreisen. Oder: Als die Vorratsdatenspeicherung im Gespräch war, posteten Millionen Facebook-User, dass sie Angst um ihre Privatsphäre haben. Wie paradox. Da werde ich als Humorarbeiter natürlich hellhörig.

Sind Sie wirklich, privat, Hypochonder?

Viel von dem, was ich auf der Bühne erzähle, ist wahr, aber ich nehme mir die Freiheit, mein Publikum im Unklaren darüber zu lassen, was es ist. Wiedererkennungswert ist versprochen.

Sind wir eigentlich alle Hypochonder? Sagrotan & Co. gehören schon zum Alltag und hören wir vom Corona-Virus, kommt Panik auf.

Das eine ist die private konkrete Panik, das andere aber die Tatsache, dass alles den Gesetzen der Ökonomie gehorcht. Als Nebenwirkung ist die Weltwirtschaft verschnupft, die Aktienkurse gehen in den Keller. Ansonsten gebe ich gern weiter, was mir ein Krankenhaushygieniker gesagt hat: bisschen weniger Sauberkeitsfimmel zu Hause, bisschen mehr Achtsamkeit außerhalb und allen wäre geholfen.

Welche Nebenwirkung hat Ihr Programm?

Das Publikum braucht nicht bange sein: Humor ist ansteckend, aber vor dieser Ansteckung muss man keine Angst haben.

Ingo Börchers: Ferien auf Sagrotan.

Am Freitag, 7. März, 20 Uhr, in der Zwickmühle.
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