Freitag, Dezember 2, 2022

Leibarzt des Kaisers Dr. Paul R. Franke über den Magdeburger Dr. Willy Green

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Karl Willy Green wurde am 17. Juni 1865 in Coswig als Sohn eines anhaltischen Justizrates geboren. Aufgewachsen in Köthen, wo er auch das Gymnasium besuchte und 1885 sein Abitur ablegte. Im gleichen Jahr begann er als sogenannter Einjährig-Freiwilliger seine militärische Laufbahn im Garde-Füselier-Regiment 72 zu Berlin. Im Herbst 1885 nahm er das Medizinstudium am preußischen medizinisch-chirurgischen Friedrich-Wilhelm-Institut zu Berlin auf. Das war die militärmedizinische Ausbildungsstätte, die sehr eng mit der Charité zu Berlin zusammen arbeitete. 1891 erhielt er die Approbation und wurde mit einer Dissertation zur Tuberkulose zum Dr. med. promoviert. Als Assistenzarzt II. Klasse arbeitete er als Truppenarzt. Bald kam er zu dem 1. Garderegiment zu Fuß nach Potsdam, bei dem er ab 1896 die Stelle eines Stabsarztes einnahm. Daher war die Verbindung zum Hofstaat in Berlin recht gut und er wurde auch regelmäßig in das königliche Schloss nach Berlin zu den dort stattfindenden Bällen eingeladen.

Von 1896 bis 1900 arbeitete er auch zeitweilig als Arzt an der Charité, wo er anscheinend eine Weiterbildung in der Frauenheilkunde absolvierte, denn 1898 wurde er als Mitglied in der Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe aufgenommen.

Als Oberstabsarzt war er an der „Kaiser-Wilhelm-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen“ eingesetzt, von wo aus er 1900 auf dem Lazarettschiff des „Ostasiatischen Expeditionskorps“, das an der chinesischen Küste lag, Dienst tat. Zu dieser Zeit führten die USA, mehrere europäische Länder und Japan einen Krieg in China zur Niederschlagung des sogenannten „Boxeraufstandes“. Nach seiner Rückkehr heiratete er seine Verlobte Magdalena Adloff, die Tochter eines Potsdamer Arztes. Das Ehepaar hatte zwei Söhne.

1905 wurde er nach Metz versetzt und 1913 zum Generaloberarzt befördert. Das entsprach damals dem Dienstgrad eines Oberstleutnants bzw. heute dem eines Oberfeldarztes der Bundeswehr. Im gleichen Jahr übernahm er die Stelle des Chefarztes des Garnisonslazaretts Magdeburg. Von diesem Jahr an wurde Magdeburg zur Heimatstadt seiner Familie.
Im Ersten Weltkrieg war er zuerst Divisionsarzt an der Westfront, später an der Ostfront Feldkorpsarzt des I. Armeekorps, also eine hohe leitende Stellung. Nach der Demobilisierung im Februar 1919 übernahm er als Chefarzt wieder das Lazarett Magdeburg, das sich zu der Zeit am Domplatz befand.

1920 wurde er vom Reichspräsidenten zum Oberregierungsmedizinalrat ernannt und war im Versorgungswesen tätig. 1924 quittierte er den Dienst und arbeitete als niedergelassener Arzt und Frauenarzt am Skagerakplatz 4, wo er auch wohnte.

Eine intensive Verbindung hatte Green zu dem abgedankten Kaiser Wilhelm II. Es ist unklar, wie sie zustande kam. Tatsache ist, dass er mehrfach bei ihm in Doorn zu Besuch war. Anscheinend war sein ärztlicher Rat auch dort gefragt, denn am 27. Januar 1929 ernannte ihn Wilhelm zu seinem Leibarzt.

1933 führte er im Auftrag des abgedankten Kaisers die Witwe des von Wilhelm sehr verehrten Schriftstellers Joseph von Lauff bei der Beisetzung in Cochem.

Am 16. Januar 1945 wurde auch die Familie Green ausgebombt. Sie zog in eine Zwei-Zimmer-Wohnung in die Olvenstedter Chaussee 1, wo er ab Juli 1949 wieder als Frauenarzt praktizierte. Gleichzeitig behandelte er auch im Kahlenbergstift. 1952 starb er im Alter von 87 Jahren und wurde auf dem Westfriedhof beigesetzt. Seine Frau starb am 27. Dezember 1954.

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