Sonntag, August 14, 2022
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Im Rausch des CDU-Wahlsieges sind nach dem Votum der Wähler viele Analysen gesprochen und geschrieben worden. Beispielsweise, dass deshalb so viele die Christdemokraten gewählt hätten, damit die AfD nicht stärkste Kraft werden sollte. Es hätte diese eine Wahlumfrage und deren massenhafte Verbreitung im Vorfeld, wonach man die AfD schon vor der CDU sehen wollte, gewirkt. Kolportiert wurde auch gern, dass die demokratischen Kräfte gestärkt aus der Wahl hervorgegangen seien. An allem wird etwas dran sein, so wie an vielen anderen Argumenten auch. In jeder Erklärung steckt ein Körnchen Wahrheit.

Aufschlussreich ist, dass nach wie vor rund 40 Prozent der Wahlberechtigten keine Stimme abgegeben hatten. Und rund 10 Prozent haben sich für Parteien entschieden, die ohnehin kaum eine Chance hatten, in den Landtag einzuziehen. Die Hälfte der Sachsen-Anhalter hat also den etablierten demokratischen Parteien gar keine Stimme geschenkt. Von den abgegebenen Stimmen entfielen dann noch einmal zusammengenommen über 30 Prozent an Die Linke und die AfD. Das heißt, Schwarz, Rot, Gelb und Grün haben insgesamt nur 58 Prozent der Stimmen auf sich vereinigt. Interessant ist ein anderes Gedankenexperiment. Setzt man alle Wahlberechtigten ins Verhältnis mit den tatsächlich abgegebenen Zweitstimmen und wertet diese als Zustimmung, kommt beispielsweise die CDU in der Gunst der Sachsen-Anhalter nur auf 22 Prozent, die AfD liegt bei 12,4 Prozent, Die Linke bei 6,5 Prozent, die SPD bei 5 Prozent, die FDP erreichte gerade noch 3,8 Prozent aktive Zustimmung und Die Grünen 3,5 Prozent. Zumindest kann man aus dieser Betrachtungsweise schließen, dass die Ignoranz bzw. die Gleichgültigkeit gegenüber der Politik insgesamt größer ist, als sich dies in den Zustimmungsprozenten gegenüber einzelnen Parteien ausdrücken würde.

Dass die AfD besonders erfolgreich als Protestpartei hervorstechen würde, lässt sich aus den abgegebenen Stimmen mit einem Anteil von 12,4 Prozent an allen Wahlberechtigten auch nicht so einfach ableiten. Es offenbart sich jedoch unter dem Strich eine weitere Erkenntnis, nämlich die, dass die zum linken Spektrum gerechneten Parteien wie Die Linke, die SPD und Die Grünen zusammen nur auf 15 Prozent an aktiver Zustimmung kommen. Selbst beim tatsächlichen Wahlergebnis der Zweitstimmen beträgt ihr Gesamtanteil nur gut 25 Prozent. Im Jahr 1998, in dem die SPD bisher ihr bestes Wahlergebnis mit 35,9 Prozent, vereinigten SPD und Linke zusammen über 55 Prozent der Wählerstimmen. 2011 erreichten beide Parteien zusammen noch 45,5 Prozent. Seither schrumpft die Zustimmung für diese Parteien von Wahl zu Wahl. Vor allem die SPD befindet sich permanent auf Verlustkurs an der Wählergunst. 19,4 war der gemeinsame Stimmenanteil 2021. Bei fünf Wahlen von 1994 bis 2011 hatte allein die Linke einen höheren Stimmenanteil am jeweiligen Wahlergebnis. Man kann aus dieser Wahl auf jeden Fall klar herauslesen, dass linke Politik bei den Wählern keinen Rückhalt gefunden hat. (tw)

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