Luftbilder Magdeburgs – Der Blick von oben

Magdeburg aus der Vogelperspektive zu sehen, lässt Gewohntes anders erscheinen. KOMPAKT ZEITUNG wird künftig regelmäßig alte und neuzeitliche Ausschnitte der Stadt zeigen. Eine Einführung dazu von Dr. Eckhart W. Peters.

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Seit Beginn des letzten Jahrhunderts hat Magdeburg eine Sammlung von historischen Fotos und Luftbildern angelegt und ergänzt. Bruno Taut holte Xanti Schawins-ky nach Magdeburg. Dieser ging später an das Bauhaus nach Dessau und kehrte Ende der 20er Jahre nach Magdeburg zurück. Er hat mit einer Plattenkamera die gesamte Stadt dokumentiert, und seine Kollegen setzten später die Arbeit fort. Die Plattenkamera wurde bei der Dokumentation des Wiederaufbaus Magdeburgs von der Fotografin Jutta Klose im Büro des Stadtarchitekten weiter verwendet. 1995 wurde die Kamera nochmals von dem Fotografen Maurice Korbel aktiviert.

Schon zum Ende des 19. Jahrhunderts verwendeten viele Firmen in ihren Logos Schrägansichten, um die Größe ihres Betriebsgeländes zu zeigen. Fotografien der städtebaulichen Strukturen liegen da-rüber hinaus vom Dom St. Mauritius und St. Katharina (oftmals ein Panoramablick), der St. Johanniskirche, dem Anzeigerhochhaus und dem Aussichtsturm an der Stadthalle (heutiger Albinmüller-Turm) vor. In neuerer Zeit sind wiederholt Aufnahmen von einem zwölf Meter hohen Hubwagen und von Drohnen angefertigt worden. Immer haben auch die Stadtplaner den Blick von oben genutzt, naturräumliche und städtebauliche Zusammenhänge besser aufzuzeigen. So hat Bruno Taut – ähnlich wie Mies van der Rohe in Berlin – für die Darstellung seiner Vision der Magdeburger Moderne auch Fotografien vom Turm der St. Katharinenkirche mit dem „Blick von oben“ genutzt. Es liegen die Fotos und Zeichnungen vom heutigen Universitätsplatz vor, die ein quergestelltes Hochhaus als Abschluss des Breiten Weges in Richtung Neue Neustadt darstellen. Bis zum Zweiten Weltkrieg waren die Luftbilder im Regelfall als Glasplattenaufnahmen im Format 13 x 18 cm – und damit in brillanter Schärfe – oder als Mittelformat (6 x 6 oder 6 x 9 cm) hergestellt. Es handelt sich entweder um Planaufnahmen oder Schrägansichten, die teilweise deutschlandweit (s. Luftbild Strähle, Junkers, Hansa Luftbild) systematisch hergestellt wurden oder von Profis und Amateuren (z. B. Xanti Schawinsky, Hermann Brösel u. a.) aufgenommen wurden.

Von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges liegen großformatige Planaufnahmen und Schrägansichten der Alliierten vor. Erst nach 1945 kamen in Magdeburg Kleinbildaufnahmen (24 x 24 oder 24 x 36 mm) und Farbaufnahmen dazu. Schon 1982 wurden mit Großkameras Planaufnahmen vom Hubschrauber aus angefertigt, die deutlich die städtebauliche Verdichtung Buckaus mit den vielen Hinterhöfen und Gewerbebetrieben zeigen. Durch die Größe und Brennweite des Objektives „kippen“ die Luftbilder am Rand und aus den Planaufnahmen werden Schrägaufnahmen, die die Seitenansichten der Gebäude zeigen. Manchmal ist auch der Schatten des sowjetischen (?) Hubschraubers auf dem Boden zu sehen. Von 1982 an liegen die kompletten Luftaufnahmen Magdeburgs mit dem Elbeurstromtal vor, jedoch sind einige Flächen geschwärzt – im Regelfall militärisch wichtige Bereiche. Die Luftbilder von Interflug sind in der sächsischen Landesbibliothek in Dresden archiviert.

Nach der Wende 1989 wurden im Bereich Magdeburg die Luftfahrtbeschränkungen im Privatbereich für die alten und neuen Bundesländer gelo-ckert, so dass schon ab 1991 (6 x 6 cm Format) eine umfangreiche Dokumentation von Magdeburg aus der Luft vorliegt (Fotograf Jürgen Koch, E. W. Peters). 1992 entstanden großformatige sommerliche Planaufnahmen mit fantastischem Seitenlicht. Seit dieser Zeit ist das Stadtgebiet wiederholt systematisch in Streifen von Ost nach West beflogen worden. Die Bilder zeigen deutlich, wie dynamisch die Elbanrainer sich entwickelt haben, wie viele neue Siedlungen entstanden sind und das in großen Bereichen fast jedes Haus saniert wurde. Das Vermessungsamt Magdeburg hat 1992 zusätzlich eine Bildserie anfertigen lassen.

Darüber hinaus liegen für den gesamten Elbverlauf großformatige Infrarotaufnahmen vor, die die Art und den Zustand der Biotope anhand der unterschiedlichen Rottöne aufzeigen und auch größere unterirdische Zusammenhänge verdeutlichen (z. B. Altarme der Elbe, Bäche, alte Wege etc.) und auf alte Bebauung hinweisen. Ein reicher Fundus nicht nur für die Stadtplaner und Ökologen, sondern auch für die Archäologen, die Burgen, Festungsanlagen, Nekropolen, Häuser, Gruben oder Ähnliches erkennen.

Ist die katastrophale Flut der Elbe aus dem Jahre 1972 im Hamburger Bereich mit vielen Hubschrauberaufnahmen dokumentiert worden, so ist das Hochwasser der Elbe vom 22. August 2002 in Magdeburg neben den Schrägaufnahmen auch mit Infrarotaufnahmen „kontrolliert“ worden. Hier kam den Bildern im Rahmen des Katastrophenschutzes eine ganz besondere Bedeutung zu. Auch von den Stadtplanern werden Infrarotaufnahmen systematisch ausgewertet (s. Dokumentation des Stadtplanungsamtes Magdeburg, Biotoptypenkartierung, H. 52, 1995).

Panoramadarstellungen mit dem Blick von oben sind eine besondere künstlerische Leistung. Beeindruckend sind die Panoramaaufnahmen vom Dom in Magdeburg mit einer Ansicht der nördlichen Altstadt. Aufnahmen mit dieser Blickrichtung liegen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und nach der Zerstörung sowie aus der Zeit des Wiederaufbaus von dem Fotografen Hermann Brösel vor. Ein Beispiel ist das Panoramarundbild (360 Grad) vom 21. September 1999 vom Hochhaus am Werder mit einer Auswahl von 40 Aufnahmen, die digital zu einem Rundumbild zusammengefügt wurden – ein Tag, an dem der Brocken von Magdeburg aus zu sehen war und in dem Buch „Magdeburg aus der Luft”, 2005 dokumentiert wurde.

Besonders beeindruckend ist die Panoramadarstellung der Frauenkirche Dresden. Ende des 19. Jahrhunderts wurden in den Großstädten wie Hamburg, Magdeburg und Dresden Rundgebäude gebaut, um aktuelle Geschehnisse als Rundumbild zeigen zu können. In verschiedenen Gebäuden in Dresden und Magdeburg wurden aktuelle Geschehnisse dargestellt. Noch heute ist die Panoramadarstellung in Bad Frankenhausen von Werner Tübke von großer künstlerischer und historischer Bedeutung. Der Reiz der Panoramadarstellung ist durch die heutigen Medien verloren gegangen … eigentlich schade. Besonders erwähnenswert ist auch das Buch „Die Elbe aus der Luft”, 2007, in dem die Palette der Luftbilder noch breiter gestreut wurde, ein oftmals buntes Bild einer beeindruckenden Kulturlandschaft an der Elbe.

Abschließend sind noch die Bilder vom Magdeburger Flugdienst, von Matthias Koch (von der Feuerwehrleiter), Andreas Lander (mit der Drohne), Jens Wolf (aus dem Ballon), Ronald Floum (aus dem Zeppelin), Janos Stekovics (aus dem Hubschrauber) beachtenswert. Jedoch bedürfen auch die mir bekannten Fotografen Jürgen Koch, Bernd Liebl und Michael Kranz – mit denen ich mitfliegen durfte – einer besonderen Würdigung, um den Reigen der Luftbildaufnahmen Magdeburgs zu schließen. | Dr. Eckhart W. Peters – Architekt und Stadtplaner