Mittwoch, Dezember 8, 2021
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„Luise“ erobert Herzen und verbindet die Kunstszene

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In einer beeindruckenden Veranstaltung präsentierten Kulturschaffende aus Magdeburg ein Hörspiel auf der Bühne: „Luise“. Die Lesung im Schauspielhaus sollte Einblick in die Produktion geben – und wurde selbst zur Inszenierung.

Zunächst ein kurzer Blick zurück: Die freischaffende Kulturszene hat schwer gelitten durch die Eindämmungsmaßnahmen der Corona-Pandemie. Das damit verbundene Auftrittsverbot entzog den Kulturschaffenden finanziell die Lebensgrundlage. Doch sie brachte auch Impulse für kreative Schöpfungen. Die Zeit des Nicht-auftreten-Könnens nutzten die Kammerspiele Magdeburg, um ein Projekt jenseits der Bühne zu verwirklichen: Sie produzierten ein Hörbuch. Unter der Regie von Susanne Bard entstand ein Werk, das Operette und Lustspiel, historische Geschichte und Komödie zugleich ist. Ein äußerst gelungenes Debüt! Aufgenommen mit einer Riege von Künstlern, die an verschiedenen Häusern und Sparten tätig sind ebenso wie in der freien Szene. Sozusagen eine grenzübergreifende Zusammenarbeit mit dem Theater Magdeburg, mit Schauspielern, Opern- und Chorsängern ebenso wie Freiberuflern und dem Neuen Magdeburger Kammerchor. Es entstand eine Doppel-CD, produziert mit und von hiesigen Künstlern. Ermöglicht durch das Förderprogramm „Kultur ans Netz“, das für besondere kulturelle Projekte Stipendien vergab.

Erzählt wird die Geschichte der namensgebenden Luise, Königin der Herzen, bevor sie nach Magdeburg kam. Autor Dirk Heidicke schrieb eine unterhaltsame Verwechslungsgeschichte rund um die Prinzession von Mecklenburg-Strelitz zur Musik von Jens-Uwe Günther. Ein Operetten-Auftragswerk für das Neustrelitzer Theater, das jedoch nach Budgetkürzungen in der Schublade gelandet war. Dem Stipendienprogramm sei Dank konnte es herausgezogen und in beeindruckender Leistung vom opulenten Opernwerk zum Hörspiel verwandelt werden. Als Erzähler führt Schauspieler Jörg Schüttauf durch die Geschichte. Zur Premiere des Hörbuches gab es eine öffentliche Lesung, die weitaus mehr war als diese unspektakulär klingende Ankündigung. Auf der Bühne des Schauspielhauses hielten die Mitwirkenden ihren Text zwar auf Notenständern bei der Hand, doch dann entspann sich ein wundervoll unterhalsames Schauspiel, verbunden mit grandiosen gesanglichen Beiträgen. Herrlich! Zu den Förderbedingungen von „Kultur ans Netz“ gehörte, dass die Projekte „einen konzeptionellen Prozess anstoßen und eine kreative Auseinandersetzung mit künstlerischen Formaten und Ansätzen ermöglichen“. Die Arbeit von Susanne Bard steht beispielgebend dafür.

Das Premierenpublikum verließ beeindruckt und beglückt den Aufführungsort. Zwei Stunden waren wie im Flug vergangen und der Wunsch nach Mehr wurde laut. Mehr Aufführungen von „Luise“ und mehr von dieser Art „öffentliche Lesungen“. Ein Mehr, das die Kulturszene bereichert ebenso wie das Publikum, dem es ermöglicht ist, es mitzuerleben. Wenngleich dies wohl den Förderbedingungen widerspricht. Doch es bleibt „Luise“ als Hörspiel-CD. In ihr findet sich der Grundgedanke des Einmaligen wieder, der sich zu einem Gesamtkunstwerk vieler Künstler entwickelt hat. | Von Birgit Ahlert

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