Magdeburger Gesichter: Coquis Zucker und Wein

Johann Caspar Coqui (geboren 1747 in Magdeburg, verstorben 1824 ebenda) war wohl als Jugendlicher und in seinen frühen Jahren als Erwachsener zunächst in der väterlichen Strumpfwirkerei beschäftigt. Im Jahr 1770 erhielt der dreiundzwanzigjährige Sohn des französisch-hugenottischen Einwanderers Jacob Coqui das Bürgerrecht der Stadt Magdeburg. Im selben Jahr heiratete er die deutlich ältere Marie Roux (1739–1801), Witwe des Uhrmachers David Maquet, und übernahm so auch die Verpflichtung, ihre drei Söhne aus erster Ehe mitzuernähren. Mit ihr zeugte er fünf weitere Kinder.

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Mit dem Niedergang des Strumpfwirkereigewerbes in Magdeburg war der Vater einer kinderreichen Familie daher genötigt, sich umgehend einen anderen Erwerbszweig zu wählen. Der mittlerweile Vierzigjährige nutzte die Aufhebung des königlichen Verbots des Zucker- und Siruphandels und bewarb sich um die Konzession zur Errichtung einer Zuckerraffinerie. Nachdem Coqui diese im April 1788 von Friedrich Wilhelm II. erhalten hatte, errichtete er gemeinsam mit seinem Stiefsohn David Ludwig Maquet (1758–1807) die einzige Raffinerie für Rübenzucker im Magdeburgischen. Bereits zu dieser Zeit muss Coqui über ein hohes lokales Ansehen und einigen Grundbesitz verfügt haben, wie seine Wahl zum Bürgermeister der Pfälzer Kolonie in Magdeburg belegt. 1801 heiratete er Johanna Christiane Henriette Dürking.

Die Besetzung Magdeburgs durch die Franzosen und die Eingliederung der Stadt in das Königreich Westfalen bedeuteten einen mehrfachen Einschnitt in Coquis Vita. Mit der Übernahme der neuen Verfassung erlosch auch die kommunale Autonomie der Pfälzer Kolonie in Magdeburg, sodass Coqui gezwungen war, sein zwei Jahrzehnte lang betriebenes Amt als Bürgermeister aufzugeben. In wirtschaftlicher Hinsicht dagegen profitierte Coqui von den neuen Verhältnissen. Nachdem auch sein Stiefsohn gestorben war, betrieb er die Zuckerfabrik allein. Mit der Kontinentalblockade und dem damit verbundenen Importverbot von Kolonialwaren wie Kaffee und Rohrzucker war es ihm möglich, mit seiner Rübenzuckerraffinerie große Profite zu erwirtschaften.

Mit der Errichtung der französischen Garnison in Magdeburg stieg auch der Konsum von Weinen aller Art, sodass er zudem eine florierende Weinhandlung aufbaute. Als einer der begütertsten Männer in Magdeburg gewann Coqui auch zur Zeit der napoleonischen Besatzung rasch wieder an gesellschaftlichem Einfluss: Er zählte zu den 21 Mitgliedern des Magdeburger Munizipalrates und war einer der fünf Deputierten der Stadt. Zudem übte er das Amt des Ältesten (Presbyter) in der wallonisch-reformierten Gemeinde aus.

Coquis prominente Stellung überdauerte den Zusammenbruch des Königreiches Westfalen, wie dieser noch zu seinen Lebzeiten in Hamburg geschaffene Steindruck belegt. Er wird en face sitzend wiedergegeben im schwarzen Gehrock, mit weißem Hemd und weißer Halsbinde. Der rechte Arm liegt auf einem Tisch auf und in der linken Hand hält er ein gefaltetes Schriftstück. Der Fensterausschnitt zeigt den Blick auf die Spitze des Rotehornparks mit einer Villa am Elbufer im Hintergrund.| Von Karin Kanter