Dienstag, November 29, 2022

Magdeburger Gesichter: Jurist und Literat

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Friedrich August Simon Morgenstern (geboren 1772 in Magdeburg) war ein Sohn des Arztes und Stadtphysikus Friedrich Simon Morgenstern (1727–1782) und der Schriftstellerin Johanna Katharina Morgenstern (1748–1796), geb. Brömme (…). Während sein älterer Bruder Karl Morgenstern (1770–1852) die akademische Laufbahn einschlug und nach einem Studium der Philosophie und Philologie in Halle (Saale) zunächst an die Universität Danzig und dann an die Universität Tartu (Dorpat) berufen wurde, schlug Friedrich August Morgenstern (…) die Laufbahn eines Kaufmanns ein.

Nach dem Besuch der Magdeburger Handlungsschule absolvierte er eine Lehre bei seinem im Seehandel tätigen Patenonkel Faulwasser und blieb für zehn Jahre in dessen Unternehmen. 1797 gründete er gemeinsam mit dem Kaufmann Paul Weber einen eigenen Großhandel, der später vom Sohn August Theodor Morgenstern (1815–1867) und seinem Schwiegersohn Wilhelm Deneke (1801–1853) weitergeführt wurde und bis ins 20. Jahrhundert hinein existierte. Der Handel mit Wein, Indigo und Farben sowie weitere Speditions- und Kommissionsgeschäfte erwiesen sich als außerordentlich erfolgreich. 1805 betrug der Anteil Morgensterns am Betriebskapital 45.000 Taler und er erzielte einen Reingewinn von 6.500 Talern. Als Weber 1811 aus dem Unternehmen ausschied, um eine eigene Firma zu gründen, wurde der Anteil von Morgenstern am Betriebskapital auf 200.000 Francs (= 55.000 Taler) geschätzt. 

Sein Bruder Karl Morgenstern charakterisierte ihn im Jahr 1800 in seinem Tagebuch folgendermaßen: „Er ist ganz Kaufmann, und hat nur dafür Sinn; aber darum treibt er‘s auch mit Ernst, und wird gewiß zu etwas Ordentlichem in seiner Art – im Gelderwerb und vieler äußern Geschäftigkeit – gelangen. Ist gleich der bloße Kaufmann in allen seinem Thun und Treiben zu hervorstechend, so fehlt es ihm doch nicht an einem natürlich guten moralischen Gefühl; und geht ihm gleich jede höhere Bildung ab, so mangelt`s doch nicht am gesunden Verstande.“ Wohl nach dem Tod seines Bruders 1844 ergänzte er: „Er erwarb am Ende ein großes Vermögen von vielen hundert tausend Thalern, ward Preußischer Commerzienrath, auch Königl. Baierischer und Griechischer [Konsul]; auch Ritter der dritten Classe des Preußischen schwarzen Adlerordens, Wohlthäter seiner Kinder und seiner Vaterstadt, einer der angesehensten, reichsten und verdientesten seiner Mitbürger, Beförderer alles Gemeinnützigen, anerkannter Kunstfreund.“ (Mrg DXCII, S. 107f. F3, Mrg hier nach Hafner 2020).

Morgenstern heiratete 1800 in erster Ehe Dorothee Rüdiger (1779–1825), mit der er acht Kinder hatte. Sohn August Theodor und fünf Töchter, darunter Mathilde, verheiratete Deneke, erreichten das Erwachsenenalter und heirateten alle in die Magdeburger Beamten- und Kaufmannschaft ein. Drei Jahre nach dem Tod Dorothees heiratete er 1828 die 27 Jahre jüngere Louise Stosch (1800–1855). Sie stammte aus einer Theologenfamilie, die mehrfach Prediger der reformierten Gemeinde in Magdeburg stellte. Die Ehe blieb kinderlos. Morgenstern starb seinem Bruder zufolge unerwartet nach kurzer Krankheit an Herzschlag 72-jährig. Louise überlebte ihren Mann um mehr als ein Jahrzehnt. In ihrem Todesjahr 1855 erhielt die Magdeburger Kinder-Bewahranstalt für Kinder berufstätiger Eltern, die bereits im Todesjahr ihres Mannes 1844 eine größere finanzielle Zuwendung erhalten hatte, eine Stiftung in ihrem Namen. (…)

Louise Morgenstern

Das Gemälde oben zeigt den über 60-jährigen Morgenstern mit dem roten Adler-Orden, die „Börsen-Halle: Hamburgische Abendzeitung für Handel, Schiffahrt und Politik“ in der Hand. An der Wand hängt eine Zeichnung, die von Hafner mit seinem Enkel Robert Weichsel (1825–1887) identifiziert wurde. Ein Fenster gibt den Blick vom Werder auf die Johanniskirche, den Neuen und den Alten Packhof frei. Da der Neue Packhof 1837 errichtet wurde, ist dies ein terminus post quem für die Entstehung des Bildnisses, das Carl Sieg (1784–1845) zugeschrieben werden kann. Das Porträt Louise Morgensterns zeigt diese wohl auf dem Balkon des 1880 abgerissenen Sommerhauses der Familie auf dem Werder. Über Zoll- und Stromelbe hinweg sieht man im Hintergrund den Magdeburger Dom. Bei dem unbekannten Porträtmaler könnte es sich um Friedrich Stöffler (1811–1848 nachweisbar) handeln.

Das Kulturhistorische Museum Magdeburg erinnerte 2021 an Magdeburger Gesichter de­s 19. Jahrhunderts. Die Porträts der Sonderausstellung sind weiterhin in jeder Kompakt-Ausgabe zu finden.

Text: Gabriele Köster, Seite 12, Kompakt Zeitung Nr. 218

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