Dienstag, November 29, 2022

Magdeburger Gesichter: Müller stiftet Siechenhospital und übernimmt Pflegeausgaben

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Heinrich Wilhelm Müller wurde am 12. Dezember 1785 vermutlich im damals preußischen Trebnitz, dem heutigen polnischen Trzebnica, geboren. Über die Familie und seinen Familienstand ist nichts bekannt, und wegen seiner zur damaligen Zeit häufig auftretenden Vor- und Nachnamen sind Recherchen schwer möglich. 

Heinrich Wilhelm Müller war Rittergutsbesitzer und erwarb 1818 das Magdeburger Bürgerrecht. Gemeinsam mit August Weichsel (1795–1831) begründete er 1823 die Magdeburger Zichorien- und Tabakfabrik Müller & Weichsel. Sie stellten Tabak, Zigarren und Zichorienpulver her, und um 1841 gehörte auch eine Rübenzuckerfabrik zum Unternehmen. Standort war der Holzhof 1, eine direkt an der Elbe gelegene Straße, die es heute durch die Zerstörung der Magdeburger Innenstadt im Zweiten Weltkrieg nicht mehr gibt. Im Adressbuch der Stadt Magdeburg von 1845 ist Heinrich Wilhelm Müller als Kaufmann und Kompagnon der Firma Müller & Weichsel, Produkt und Farbenwarenhandlung, Zichorien- und Tabakfabrik, Kommissions- und Speditionsgeschäft, mit Wohnung und Kontor im Holzhof 1 eingetragen. Nach dem Tod Müllers wurde das Unternehmen, das circa 300 Angestellte beschäftigte, an die Brüder Steffens verkauft.

Heinrich Wilhelm Müller betätigte sich als großzügiger Stifter gegenüber der Stadt Magdeburg. 1864 wurde in der Marschallstraße (heute Max-Otten-Straße) ein von ihm gestiftetes Siechenhospital eingeweiht. Unheilbar Kranke und der fortwährenden und besonderen Hilfe bedürftige Menschen ohne Ansehen der Person wurden hier aufgenommen. Bereits während der Bauzeit wurde Müller 1863 als Dank für dieses Projekt die Ehrenbürgerschaft Magdeburgs verliehen. Neben den Baukosten übernahm der Geheime Kommerzienrat die volle Finanzierung zum Betrieb des Hospitals und die notwendigen Ausgaben für die Pflegebedürftigen, die ärztlichen Behandlungen, alle Wohnkosten einschließlich Verpflegung und Kleidung bis hin zum Begräbnis. Anfangs konnte man etwa fünfzig Personen aufnehmen. Durch einen Neubau in der Nähe des Sudenburger Krankenhauses 1904 fanden hundert Patienten Platz, und ein Erweiterungsbau bot ab 1927 sogar zweihundert Menschen Hilfe an. Durch eine Kapitalanlage Müllers war die Finanzierung auch lange nach seinem Tod noch gesichert. Das Müller’sche Siechenhospital wurde bis 1952 betrieben.

Der Magdeburger Künstler Edmund Wodick porträtierte Müller als Bauherrn im Jahr der Errichtung des Hospitals 1863. Der Maler setzt den älteren würdevollen Mann an einen Schreibtisch, auf dem die Planungsunterlagen mit Grundriss und Ansicht des Gebäudes zu sehen sind. Bis zur Übergabe an das Museum 1955 hing das Porträt in der Pflegeeinrichtung und im späteren Altersheim.

Müller starb im Alter von vierundachtzig Jahren 1869 in Magdeburg und wurde auf dem Nordfriedhof beigesetzt.

Das Kulturhistorische Museum Magdeburg erinnerte 2021 an Magdeburger Gesichter des 19. Jahrhunderts. Die Porträts der Sonderausstellung sind weiterhin in jeder Kompakt-Ausgabe zu finden.

Text: Sabine Liebscher, Seite 10, Kompakt Zeitung Nr. 220

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