Samstag, Oktober 16, 2021
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Magdeburger Gesichter: „Reanimator” der Börse

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Jean Jacques Cuny wurde 1795 als Sohn des Kaufmanns Louis Cuny (geb. um 1770 in Magdeburg) und Enkel des namensgleichen Magdeburger Seifenfabrikanten, Jean Jacques Cuny, in Hamburg-Altona geboren. Die Cunys entstammten einer alten französischen Kaufmannsfamilie. Sie gehörten zu den französischen calvinistischen Glaubensflüchtlingen, die Anfang der 1720er-Jahre nach Magdeburg kamen.

Durch den frühen Tod seines Vaters wuchs Jean Jacques bei Verwandten in Schwedt auf und erhielt dort eine Ausbildung. Vermutlich verlor er auch im Kindesalter seine Mutter, da weder sie noch Geschwister Erwähnung finden. Als 1817 sein Großvater verstarb, übernahm Jean Jacques gemeinsam mit seinem Onkel David Cuny dessen Geschäft Cuny Sohn & Co., eine Grüne-Seifenfabrik und Handlung mit russischen Produkten. Standort des Unternehmens und Wohnsitz war am Alten Markt 19 in Magdeburg.

Er heiratete Caroline Ursinus, vermutlich eine Tochter des Obersteuerrates Ursinus, mit der er zwei Söhne hatte. Der Ältere, Eduard Cuny, kam 1825 in Magdeburg zur Welt. Er war später Besitzer einer Braunkohlegrube in Anhalt. Vom zweiten Sohn, Jean Jacques Cuny (III), ist bekannt, dass er Gutsbesitzer bei Nordhausen war. Ende 1831 wurde Jean Jacques Cuny (II) in das Ältestenkollegium der Magdeburger Korporation der Kaufmannschaft gewählt und 1837 trat er als Nachfolger Carl Schultzes den Ersten Vorsitz des Kollegiums an. Im Magdeburger Adressbuch von 1823 ist Cuny als Rechnungsführer des Presbyteriums der französisch-reformierten Kirche aufgeführt.
Ein besonderer Verdienst war sein Engagement für den Bau der Eisenbahnstrecken Magdeburg–Leipzig und Magdeburg–Halberstadt. Das 1835 gegründete Magdeburger Eisenbahn-Komitee wählte Cuny zu seinem Vorsitzenden. Er gehörte zu den Begründern der ab 1837 tätigen Magdeburger Dampfschifffahrts-Compagnie, war Mitglied der Magdeburger Stadtverwaltung und unbesoldeter Stadtrat. Ihm ist auch die Wiederbelebung der Magdeburger Börse ab dem 1. August 1843 zu verdanken.

Cuny gehörte den Freimaurern an. Unter der Nummer 1093 ist er im Generalverzeichnis der Loge Ferdinand zur Glückseligkeit im Orient zu Magdeburg eingetragen.
Durch seine Beteiligung an einer Rübenzuckerfabrik in Bernburg kam es privat für Cuny zu großen Vermögensverlusten und er musste sein Geschäft aufgeben und seine Magdeburger Grundstücke verkaufen.

Er starb am 29. Dezember 1843 mit nur achtundvierzig Jahren an den Spätfolgen eines tragischen Eisenbahnunglücks. Sabine Liebscher

Das Kulturhistorische Museum Magdeburg erinnert an Magdeburger Gesichter de­s 19. Jahrhunderts. Wegen der zwischenzeitlichen Corona-bedingten Schließung wurde die Sonderausstellung bis 16. Mai 2021 verlängert. Weitere Infos gibt es unter: www.khm-magdeburg.de­

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