Magdeburger Gesichter: Reformator am Theater

Johann Adam Breysig wurde 1766 in Leutesdorf am Rhein geboren. Nach einer Ausbildung zum Theatermaler in Koblenz schloss er sich einer reisenden Theatertruppe an und gestaltete deren Bühnenbilder. 1791 ging er als Baumeister und Theatermaler nach Bernburg. Eine Reise nach Italien im Jahr 1792 inspirierte Breysig und er konkretisierte seine Idee eines großformatigen Panoramagemäldes.

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Als Erfinder des Panoramas gilt aufgrund eines Patents von 1787 der Ire Robert Barker. Fast zeitgleich plante aber auch Breysig in Deutschland ein erstes Rundbild und hatte sich durch die Italienreise für eine Stadtansicht Roms als Motiv entschieden. Breysig war auch als kunsttheoretischer Schriftsteller tätig. Mit seinen Überlegungen reformierte er den damaligen Bühnenaufbau im Theater. In mehreren Schriften beschäftigte er sich mit der Perspektive im Bühnenraum.

Als am 21. Februar 1795 das National-Schauspielhaus Magdeburg, Breiter Weg 134, mit Mozarts Zauberflöte eröffnete, waren die technische Ausstattung und die Dekoration der Bühne nach Entwürfen des Baukommissars Johann Adam Breysig entstanden. 1796 trat er als Baukommissar in den Dienst des Fürsten von Anhalt-Bernburg in Ballenstedt. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. berief Breysig 1799 als Professor zum ersten Lehrer der Provinzial-Kunstschule in Magdeburg, wo der Künstler bis 1804 tätig war. Initiator und Gründer der Magdeburger Kunstschule war 1793 der damalige Regierungsrat Wilhelm Gottlieb von Vangerow gewesen, der Breysig in die Stadt holte.

In Breysigs Magdeburger Zeit, im Frühjahr 1800, verwirklichte er gemeinsam mit Carl Ludwig Kaaz (1773–1810) und Johann Friedrich Tielker (1763–1832) das erste deutsche Panorama. Die gemalte Rundansicht von Rom wurde zunächst in Berlin und 1801 in Magdeburg ausgestellt. Der Theatermaler, Architekt und Kunstpädagoge Breysig brachte sein Organisationstalent und seinen künstlerischen Sachverstand in die Magdeburger Kunstschule ein. Er bezog neben dem Zeichenunterricht auch handwerkliche Übungen in den Lehrplan ein und verfasste mit „Skizzen, Gedanken, Entwürfe, Umrisse, Versuche, Studien, die bildenden Künste betreffend“ (1799–1801) in Magdeburg ein umfangreiches zweibändiges Lehrwerk zur erfolgten Reorganisation der Kunstschulen in Preußen. Das Aufblühen der Magdeburger Kunstschule unter Breysigs Leitung veranlasste das preußische Staatsministerium, auch in anderen Provinzen ähnliche Anstalten zu errichten, und Breysig wurde mit der Organisation in Danzig beauftragt. 1804 eröffnete er eine Kunstschule im damals zu Preußen gehörenden Danzig, deren Leiter er mit einer Unterbrechung bis zu seinem Tod 1831 war.

Der Künstler starb mit fünfundsechzig Jahren in Danzig. Das Porträt entstand im Jahr seiner Berufung nach Magdeburg | Sabine Liebscher

Das Kulturhistorische Museum Magdeburg erinnert bis 11. April 2021 an Magdeburger Gesichter des 19. Jahrhunderts. Wegen der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus’ kann die Sonderausstellung derzeit nicht besucht werden. Weitere Informationen gibt es unter: www.khm-magdeburg.de