Magdeburger Gesichter: Vorsteher der Kaufmannschaft

David Johann Coste wurde am 24. September 1820 als ältester Sohn einer in Magdeburg ansässigen französischen Emigrantenfamilie geboren. Sein Vater, Samuel David Coste (1783–1835), war Besitzer einer großen Seidenfärberei. Seine Mutter Wilhelmine war eine geborene Grauel.

folgt uns für weitere News

David Johann Coste besuchte die Handels- und Gewerbeschule in Magdeburg von 1829 bis 1835. Anschließend absolvierte er bis 1838 eine kaufmännische Lehre bei der Zucker- und Kolonialwarenhandlung Eichel & Schmidt in Magdeburg, wo er die darauffolgenden Jahre als Handlungsgehilfe angestellt war. Ab 1844 war er für die Potsdamer Raffinerie L. Jacobs als Reisender, heute würde man Vertreter sagen, erfolgreich tätig.

Für David Johann Coste wurde die Bekanntschaft mit dem Magdeburger Kaufmann Lorenz Lippert wichtig. Mit ihm erwarb er 1847 die Zucker- und Kolonialwarenhandlung von Schubart & Defoy im Neuen Weg und sie führten die Firma unter dem Namen Coste & Lippert fort.

Am 2. Mai 1850 heiratete er Anna Ottilie Bertha Schmidt (1832–1908), Tochter des Magdeburger Kaufmanns Friedrich Albert Schmidt, Gründer der Zuckerfabrik Albert & Herrmann Schmidt in Westerhüsen. Sie hatten einen Sohn und fünf Töchter. Drei der Mädchen heirateten Söhne des Magdeburger Zuckerfabrikanten Burchardt.

1860 wurde die Firma Coste & Lippert erweitert. Gemeinsam mit dem Bankier und Stadtrat Gustav Bennewitz und mit Beteiligung des Gutsbesitzers Friedrich Schulze übernahm Coste die Zuckerfabrik nebst landwirtschaftlichem Betrieb in Biere. Fünfzehn Jahre war Johann David Coste am Unternehmen Bennewitz, Coste & Lippert beteiligt. Einen Hinweis auf die Firma in Biere hat der Maler auf dem Schreibsekretär des Porträtierten mit einem Schriftzug eingearbeitet. Als erfolgreicher Unternehmer gehörte er seit 1855 dem Ältestenkollegium der Magdeburger Korporation der Kaufmannschaft an und wurde 1877 dessen erster Vorsteher als Nachfolger Carl Denekes. Bereits 1848 wurde er in die Magdeburger Freimaurerloge Ferdinand zur Glückseligkeit aufgenommen. Er war Abgeordneter im Provinzial-Landtag und stellvertretender Vorsitzender des Vereins der Rübenzuckerindustrie des Deutschen Reiches. Noch kurz vor seinem Tod 1880 wurde er zum Geheimrat ernannt.

Edmund Wodick, der Künstler des Gemäldes, war ein Logenbruder Costes. Es ist das einzige bekannte von Wodick gemalte Porträt, bei dem der Dargestellte nicht den Betrachter ansieht, sondern den Blick in die Ferne richtet. Vermutlich entstand das Bild im Auftrag der Kaufmannschaft erst nach Costes Ableben (1880), um die Galerie ihrer Vorsteher zu vervollständigen. Sabine Liebscher

Das Kulturhistorische Museum Magdeburg erinnert an Magdeburger Gesichter de­s 19. Jahrhunderts. Wegen der zwischenzeitlichen Corona-bedingten Schließung wurde die Sonderausstellung bis 16. Mai 2021 verlängert. Weitere Infos gibt es unter: www.khm-magdeburg.de­