Freitag, September 17, 2021
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Mehr Platz für die Intensivpflege

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Mit ruhiger, freundlicher Stimme erzählt Ursula Türk mit einem Bewohner des Hauses Mechthild – eine von acht stationären Einrichtungen der Wohnen und Pflegen Magdeburg gGmbH. Spielerisch arbeitet die Betreuungsassistentin mit dem im Rollstuhl sitzenden Mann, gibt ihm einen kleinen, dann einen großen Ball in die Hände, wirft diesen auch mal vorsichtig ihrem Gegenüber zu. Die motorischen und kognitiven Fähigkeiten der Bewohner zu schulen, ist eine von zahlreichen Aufgaben, die Ursula Türk als Alltagsbegleiterin übernimmt, ob in der Einzel- oder in der Gruppenbetreuung. Ihr Einsatzgebiet: alle Bereiche des Pflegeheims – auch der Intensivpflegebereich.

Haus Mechthild ist die einzige Einrichtung, die über solch einen Bereich verfügt. Eröffnet wurde dieser im Juni 2020. „In der Zwischenzeit war die Nachfrage so groß, dass wir im Juni dieses Jahres umgezogen sind und den Bereich erweitert haben“, erklärt Einrichtungsleiter Lucas Finke. Aus anfangs 8 Intensivpflegeplätzen wurden 15 – jeweils Einzelzimmer mit eigenem Bad, angeschlossen an die Notstromversorgung, damit im Ernstfall Beatmungs- und andere Geräte funktionieren. Der Platz, der durch den Umzug frei wurde, soll in Zukunft zum Palliativbereich ausgebaut werden. Zusätzliches Personal mit besonderer Qualifikation soll angestellt werden, um die (gegebenenfalls) acht Bewohner palliativ zu betreuen.

Um die Bewohner des Intensivpflegebereichs kümmern sich rund um die Uhr vier Pflegefachkräfte sowie die bereits erwähnten Betreuungsassistenten und Pflegehelfer. „Auch unsere Ergotherapeutin ist für die Bewohner da. Zudem kommen wöchentlich externe Ergo- und Physiotherapeuten zu uns ins Haus“, schildert der Einrichtungsleiter und fügt an: „So gesehen ist der Terminplan der Bewohner gut gefüllt und klar strukturiert.“

Ob jemand für einen Intensivpflegeplatz in Frage kommt, wird von den Krankenkassen geprüft. Anspruch haben alle Menschen, deren medizinische Diagnosen eine eindeutige Notwendigkeit einer 24-stündigen Betreuung durch qualifiziertes Pflegepersonal belegen, da sonst jederzeit lebensbedrohliche Ereignisse eintreten könnten. Das betrifft u. a. Patienten, die beatmungspflichtig sind, die an respiratorischer Insuffizienz leiden, im Wachkoma, mit Querschnittslähmung, neurologischen Krankheitsbildern, neuro-muskulären Erkrankungen oder mit Schädel-Hirn-Trauma. Die Kosten werden in der Regel von den Krankenkassen, den Pflegekassen, der Beihilfe sowie den Sozialhilfeträgern übernommen. Der Eigenanteil entfällt in solch einer Situation.

Wer in diesem Bereich arbeiten möchte, benötigt eine zusätzliche Qualifikation zur Pflegefachkraft für außerklinische Beatmung. „Neben der Kompetenz in der Grund- und Behandlungspflege brauchen die Mitarbeiter hier noch spezielles Wissen, beispielsweise – wie der Name schon sagt – zum Thema Beatmung, aber auch Tracheotomie oder Wachkoma“, sagt Lucas Finke. Das Haus Mechthild kooperiert zudem mit dem Klinikum Magdeburg. Vier Intensivmediziner stehen dem Personal der Pflegeeinrichtung zur Seite und auch andere Fachärzte unterstützen das Team, so etwa Stationshausarzt Dr. med Uwe Siebenwirt. „Der Chefarzt der Intensivmedizin am Klinikum, Professor Martin Sauer, sowie drei seiner Kollegen kommen regelmäßig zur Visite ins Haus. Darüber hinaus haben wir gemeinsam ein Pilotprojekt im Bereich Telemedizin gestartet“, erklärt Lucas Finke. Soll heißen, die Ärzte können nicht nur direkt vor Ort, sondern auch via Videovisite und Live-Chat unterstützen, wenn nötig. Die Vitalfunktionen können ebenfalls vom Ärzteteam aus der Ferne überprüft werden. „Das Projekt wurde von Professor Sauer initiiert und ist uns eine große Hilfe“, meint der Einrichtungsleiter abschließend. Tina Heinz

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