Montag, Juni 27, 2022
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Mehr Schwarz als nur Gold

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Oft machen es einem die Menschen leicht. Hat man es mit den Müllers, Schulzes oder Schmidts zu tun, braucht man sich als Schreiberling keinen komplizierten Namen zu merken. Bei Marcel Syllwasschy ist es zumindest im schriftlichen Umgang etwas anders. „Bitte mit zwei Y und je einem doppelten L und S“, merkt der 41-jährige Magdeburger Maler an, als ich mir beim Besuch plötzlich nicht mehr sicher bin, ob ich mir die richtige Reihenfolge der Buchstaben gemerkt habe. Syllwasschy lacht: „Naja, eigentlich hat einer meiner Söhne den Künstlernamen ausgesucht, es hat etwas mit einem Motiv zu tun, das ich gerne auf die Leinwand bringe, den Wellen. So ist Marcel de Well entstanden. Und natürlich hat es auch ein wenig mit der Schreibweise meines Klarnamens zu tun.“

Marcel de Well (weil hier nicht der Privatmann, sondern der Künstler angesprochen wird, bleiben wir dabei) lebt und arbeitet mitten im historischen Zentrum Rothensees. Atelier neben der Kirche, Wohnung auf der anderen Seite der Kirche. Eine beschauliche Ecke, wenn man bedenkt, dass es nur ein paar hundert Meter bis zum großen Industriegebiet sind und auf der anderen Seite, wenige Tage vor dem Weihnachtsfest, der ebenso große Neustädter See schon im Winterschlaf liegt. „Ich kann mich hier aus dem Tagesbetrieb gut ausklinken“, meint de Well, „es ist eine gute Gegend“.

Kommt man de Well ein wenig näher, entsteht sehr schnell der Eindruck, hier auf einen abgeklärten und altgedienten Kunstschaffenden zu treffen. „Ich habe schon immer gerne und vielleicht auch mit ein wenig mehr kindlichem Interesse gemalt als meine damaligen Altersgenossen“, so de Well. „Wirklich beiseite gestellt habe ich die Leinwand nie, aber über viele Jahre hinweg war ich auch in anderen Bereichen tätig, die nun wirklich nichts mit Kunst zu tun hatten.“ Eine Ausbildung in der Hotelwirtschaft hat de Well irgendwann abgebrochen, war bei der Bundeswehr, hat in der Versicherungsbranche und in einem Architekturbüro gearbeitet: „Das alles hat mich mit der Zeit immer weiter runtergezogen, es war nicht mein Leben, nicht das, was ich wirklich wollte“, schildert der Maler.

Es war am Ende dieses Anfangs wohl genau das, was de Well nicht nur wollte, sondern auch konnte. Seine Werke erregen inzwischen mehr als nur interessierte Aufmerksamkeit. Zum Bekanntheitsgrad haben insbesondere seine städtischen Ansichten beigetragen, bei denen de Well weniger den Pinsel als vielmehr eine besondere Spachteltechnik einsetzt und dabei seine speziell angemischten und bevorzugten Farben Schwarz und Gold auf die Leinwand bringt. Der künstlerische Effekt ist bestaunenswert, der optische Eindruck lädt zum Innehalten und Wiedererkennen ein. Und nicht wenige Magdeburger und andere haben sich inzwischen in de Wells Kunst verliebt.

Auf die Frage, ob das abzusehen war, hat der Künstler eine klare Antwort: Nein! „Mich hat die Technik Verarbeitung der Acrylfarbe interessiert und ich fand auch die Farbauswahl interessant. Allerdings mache ich nicht nur in Schwarz-Gold, das sollten Sie vielleicht erwähnen“, erzählt de Well mit einem verschmitzten Lächeln. Im produktiven Zentrum der Herstellung seiner Kunst namens Atelier- und Ideenschmiede finden sich dann auch einige seiner Bilder unterschiedlichster Entstehungsart. Natürlich kann de Well auch bunt. Und das ist gut so, denn ein anderer Teil seines künstlerischen Lebens spielt sich nicht vor der Staffelei ab. Der Maler pilgert auch in Schulen und bringt Kindern die Idee des Malens näher. Die Belohnung findet sich in strahlenden Kinderaugen und in der Freude, etwas selbst erschaffen zu haben.

„Ich selbst habe den klassisch-schulischen Malunterricht stets wie eine vorgefertigte, wie eine normierte Veranstaltung empfunden. Es war schwierig, ihn ernst zu nehmen, und im Bereich der eigenen künstlerischen Entwicklung gab es daraus keinen Gewinn zu schöpfen“, berichtet de Well. Im Moment sind solche schulischen Termine aufgrund der Corona-Lage kaum möglich. Aber auch ein Künstler hofft natürlich auf Besserung – und darauf, dass sich mit der Situation die wirtschaftliche Lage ebenfalls wieder entspannt. Denn auch ein Maler muss leben.

Einen „de Well“ in kleinerem Format und mit wiederkehrendem Motiv gibt es beispielsweise bei Magdeburg-Souvenir in der Nord/LB am Domplatz bereits für circa 50 Euro. Für individuelle Motive, auch nach Wunsch, muss man wesentlich tiefer in die Tasche greifen. Aber das lohnt sich! | Michael Ronshausen

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