Meine Ex sagt …

Thomas Wischnewski | … Sie wisse überhaupt nicht mehr, auf welchen Typ Mann sie sich einlassen sollte. Männer seien ja auch nicht mehr das, was sie mal waren. Ich verkniff mir dazu die Bemerkung, dass dies eher eine destruktive Sicht sei, die gewiss nicht zum Paarungserfolg führen würde. Stattdessen fragte ich, was denn Männer heute von denen früher unterscheide. Manche seien ihr zu verweichlicht. Das Wort Mamasöhnchen ging ihr dabei nicht über die Lippen. Andere erwiesen sich als Pedanten. Dann gäbe es da noch die Besserwisser, solche, die immer um den heißen Brei herumreden würden und Jammerlappen hätten sich auch zuhauf verbreitet. Ein wenig war ich über die Charakterisierung verwundert. Schließlich würde meine Ex ihre potentiellen Partner noch immer unter Vertretern in der Generation suchen, die auch schon vor zwanzig Jahren ihre Zielgruppe waren. Selbst, wenn sie sich einen Freund wünschte, der weit über zehn Jahre jünger wäre, existierten darunter sicher eine Menge an Typen, die anpackten, zu ihrem Wort stünden, gleichfalls verständnisvoll und warmherzig sein könnten. Möglicherweise sind es ihre Ansprüche, die sich aufgrund ihrer Erfahrungsreife ausdifferenziert hätten. Es war ja klar, dass meine Einwände ihre Argumente unterliefen und sie mir gegenüber deshalb eine Kontrastellung einnahm. Als Mann hätte ich ja gar keine Ahnung, wie Frauen Männer heute erleben würden. Da hatte sie natürlich recht. Allerdings wagte ich zu entgegnen, dass sich bestimmt auch die Sicht von Männern auf das schöne Geschlecht verändert haben könnte. Vielleicht würde dies gegenseitig eher zu Hürden als zu Gleichklang führen. Ich glaube auch nicht, dass sich Rollenverständnisse von Männern komplett unabhängig von denen von Frauen entwickeln würden. Meine Geschlechtsgenossen brauchte ich gar nicht in Schutz zu nehmen und noch die Schuld der Damenwelt aufzubürden. Ich betonte noch einmal, dass es wohl ein gegenseitiges Wirken sei, wie sich Rollenmuster im jeweils anderen Geschlecht ausprägten und wie man dieses erlebte. Offenbar wollte sie dieses Argument gar nicht hören. Mit meiner ewigen Besserwisserei sei ich auch nur ein Vertreter solcher Kerle, die keine Frau lange ertragen könnten. Der Aufenthalt in meiner Küche war ihr unerträglich geworden. Deshalb verließ sie umgehend meine Wohnung. Das ihr unser Gespräch nicht weiterhelfen würde, war mir klar. Ich musste nun nicht mehr über angebliche Partner-Unzulänglichkeiten nachdenken und fühlte mich mit mir so ziemlich im Reinen.