Meine Ex sagt …

…, dass es beschämend für die Männerwelt sei, dass Frauen nach wie vor das benachteiligte Geschlecht sind. Dafür würde ich mich wirklich sehr schämen, hatte ich entgegnet und versucht, eine reumütige Miene aufzusetzen. Natürlich erntete ich für meine Reaktion sofort Kritik. Ich sollte mich da-rüber nicht lustig machen. Frauen hätten nicht nur in der Vergangenheit unter Männern leiden müssen, auch heute gäbe es keine Gerechtigkeit. Weil ich das Thema nicht ernst nehmen würde, zeige sich, dass ich ein ausgemachter Chauvinist sei. Mit ihrer Schimpftirade hatte sie mich an die Wand gestellt. Hätte ihr in diesem Moment jemand eine Waffe in die Hand gedrückt, ich wäre sicher standrechtlich erschossen worden. Was tun? Da saß ich gequetscht wie eine Zitrone am Küchentisch und hatte die ganze Last an Ungerechtigkeit aus Geschichte und Gegenwart auferlegt bekommen.

Ich fragte sie leise, wie ich die Schmach wettmachen könnte. Es fühlte sich als Kerl nämlich gar nicht gut an, ein so ungerechtes Wesen sein zu müssen. Ob ich mit Fürbitten, Beten und Sühne einen bescheidenen Beitrag für die Schuld meiner männlichen Vorfahren leisten könnte? Ich meinte das wirklich ernst. Meine Ex sah das anders. Wie ich es auch drehte und wendete, in Sachen Gerechtigkeit war mir ein Messer ins Herz gerammt und die Schneide saß ziemlich tief. Selbst mein Hinweis, dass sie eigentlich immer mehr Geld als ich verdient hätte, dass sie heute kommen und gehen würde, wann es ihr beliebte – ich also nie in ihre Entscheidungsgewalt einbezogen sei, dass sie selbst einen Filialbetrieb leitete und über 50 Menschen nach ihrer Pfeife tanzten, nutzte mir nichts.

Meine Argumente könnte ich mir sonstwo hinstecken, es ginge ums System, um die alten, weißen Männer, die ihre Macht nicht aus der Hand geben wollten und für eine Verfestigung von Benachteiligung sorgten. Was ich gegen genau diese weißhaarigen Kerle tun könne, fragte ich noch. Ob ich sie vielleicht erschießen sollte? Das sei ja mal eine Maßnahme, sagte sie. Ich würde aber nicht morden und den Rest meines Lebens hinter Gittern verbringen wollen, stammelte ich. Sehr gerecht sei so ein Kampfgezeter aber auch nicht, hatte ich noch eingewendet. Ein unbelehrbarer Knochen sei ich! Mit diesen Worten stand sie empört auf und verließ meine Behausung. Da saß ich nun zurückgelassen mit der Schuld der Mannheit und wunderte mich über das generische Femininum von Mannheit und Männlichkeit.

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