Meine Ex sagt …

… ihr Ex sei ein echter Problemfall. Ich musste sie dabei ziemlich verdutzt angesehen haben, jedenfalls präzisierte sie ihren Satz sogleich: Natürlich meine sie den Dingsda, mit dem sie vor ungefähr acht Jahren länger zusammengewesen sei. Ich konnte dem Hinweis keine konkrete Person zuordnen. Es sei ein Kreuz mit mir als Ex, wenn man die anderen Exe nicht kennt. Was sollte ich dazu also sagen? Was denn nun ihr Ungemach mit der lange zurückliegenden Beziehung sei, wollte ich wissen. Dieser blöde Kerl hätte sie wieder einmal angerufen und ihr dabei jede Menge Vorwürfe gemacht. Vor allem, dass sie am Scheitern ihrer Verbindung die Hauptschuld trage. Ich würde das als ein Indiz für viel Selbstmitleid nehmen, sagte ich und fragte, warum sie überhaupt wieder mit rede, wenn die Gespräche doch stets dieselben Ergebnisse hätten. Ein Aufwärmen früherer Konflikte führte doch nur dazu, dass sie diese in der Gegenwart lebendig hielte. Aus diesem Grund ließe sich das Problem mit dem Ex auch nicht lösen. Wir würden es doch anders machen, behauptete sie. Jedenfalls käme ich nicht mit solchen Vorhaltungen. Ich nicht – den Gedanken sprach ich gar nicht erst aus. Allerdings lebten unsere Konflikte irgendwie auch weiter, einfach weil wir miteinander immer wieder in einen Streit geraten würden, sagte ich noch. Vielleicht sei es ratsam, einen Ex-Partner nicht ständig mit in die Zukunft zu nehmen, weil dadurch die Vergangenheit einfach nicht zur Ruhe käme. Ob ich mich nun von ihr lossagen wolle, fragte sie. Meine Entgegnung, dass sie es doch sei, die mich fortlaufend aufsuchte, war keine sehr geschickte Bemerkung. Also würde ich sie auch als Problemfall begreifen. Ich solle ruhig sagen, wenn sie mir auf den Wecker gehe. Sie könnte gut auf meine Gegenwart verzichten. Schließlich gäbe es genug andere Leute, mit denen sie sich austauschen könnte. Wegen so einer Banalität hatten wir uns mal wieder einen schönen Zoff in der Küche beschert. Es sei gar nicht meine Absicht, mit ihr in Streit zu geraten. Ich dachte, ich könnte mit dem Satz die Wogen glätten. Doch sie wollte aus der miesen Stimmung raus und ging. Noch sehr lange überlegte ich, wer von uns beiden denn nun mehr Selbstmitleid an den Tag legen würde. Mir gefiel am Ende die Einsicht, dass ich es wohl nicht sein würde. Thomas Wischnewski

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