Meine Ex sagt…

… Männer sind totale Kunstbanausen. Ich wollte ihren Vorwurf nicht verstehen. Es gäbe unter den XY-Chromosomenträgern doch unzählige Künstler, Kreative, Kulturakteure jeglicher Art, widersprach ich. Die würde sie nicht meinen, sondern den anderen Teil der Kerle, die mit Kunst überhaupt nichts zu tun hätten. Sie hätte mit ihrem Bekannten jüngst eine Kunstmesse besucht und ihr Begleiter zeigte sich da von seiner ignoranten Seite. An jedem Bild hätte er etwas auszusetzen gehabt. Nichts konnte ihn beeindrucken, geschweige, dass er überhaupt einen Zugang zu einem der ausgestellten Werke gefunden hätte. Die ganze Zeit über sei er genervt gewesen, langweilte sich und nörgelte nur herum. Warum sie ihn denn mitgenommen hätte, wollte ich wissen. Sie hätte gedacht, dass sie ihn ein wenig für Kunst interessieren könnte. Tatsächlich ist es tragisch, wenn jemand Künstlern und deren schöpferischen Produkten ohne Respekt und mit Ignoranz begegnen würde. Ob sie ihren Freund vorher gefragt hätte, ob er mit ihr gemeinsam die Messe besuchen wollte, fragte ich schließlich nach. Zumindest gab sie zu, dass sie ihn gedrängt hatte, sie zu begleiten. Trotzdem müsse Mann ja nicht so ein Kindertheater aufführen, wetterte sie. Ich nickte, gab jedoch zu bedenken, dass, wenn sie vorher mit ihm darüber geredet hätte, sie allein bestimmt mehr Freude gehabt hätte. Ein wenig hätte sie sich den Nachmittag selbst verdorben. Selbstverständlich hatte ich da wieder die falsche Bemerkung angebracht. Ich solle nicht schon wieder eine Rechtfertigung für ihren Freund finden und versuchen, ihn zu verteidigen. Ich ruderte auch gleich zurück und beteuerte, dass ich die Kunst-Borniertheit ihres Partners keinen Millimeter weit verteidigen wollte. Schließlich erzählte sie dann, dass sie ihren Freund und sich bei einem Malkurs angemeldet hätte. Auf diese Weise würde sie ihm Kunstverständnis und Kreativität vermitteln. Ob sie darüber begeistert wäre, wenn ihr Bekannter sie in einem Fußballverein anmelden würde, damit sie sich besser für die Sportart interessieren würde. Das könne man nicht miteinander vergleichen, sagte sie noch, warf mir einen verächtlichen Blick zu und verließ den Raum. Ich war einmal mehr darüber verwundert, dass mein Einwand wieder auf ihre Ignoranz gestoßen war.

Vielleicht gefällt dir auch