Donnerstag, Januar 20, 2022
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Meter 19: Der Schäfer und sein Schatz

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Von Anita Schmidt und Michael Ronshausen

Eine Sage ist oft eine Geschichte über einen bestimmten Menschen oder einen bestimmten Ort, und meist ist sie mit einem Stück Wahrheit verbunden. Unsere sagenhafte Geschichte handelt von einem Schäfer, der einen Schatz fand und ihn dem Erzbischof Albrecht II. von Käfernburg übergab, damit der Neubau des Magdeburger Doms fortgesetzt werden konnte. Doch beginnen wir von vorn. Otto der Große ließ im Jahre 955 nach der Ungarnschlacht an der Stelle der kleinen Moritzklosterkirche, in der auch seine erste Gemahlin Editha ruhte, einen großen Dombau errichten. Die Kosten wurden zu erheblichen Teilen aus der Kriegsbeute der Ungarnschlacht und möglicherweise auch aus dem Verkauf kostbarer italienischer Reliquien bestritten.
Im Jahre 1207, zur Zeit des Erzbischofs Albrecht, kam es in Magdeburg zu einer schrecklichen Feuersbrunst, die nicht nur die Stadt, sondern auch die Domkirche fast vollständig zerstörte. Der Erzbischof begann nur ein oder zwei Jahre später mit dem Neubau des Doms – und zwar nach seinen eigenen Vorstellungen. Albrecht kannte die Gotik als neuen Baustil aus Paris und war so fasziniert, dass er die erste gotische Kathedrale auf deutschem Boden errichten wollte. Anfangs flossen viele Spenden und Gelder. Da aber der Dom größer und prächtiger werden sollte, als ursprünglich geplant, und daher immense Kosten verursachte, wurden die Spenden mit den Jahren spärlicher und der Erzbischof hatte große Not, den Bau weiter zu finanzieren.
Da trug es sich um 1215 zu, dass ein Schäfer aus Gräfendorf namens Thomas Koppehele die Schafe des Klosters Berge hütete. Mit seinem Knecht und seinen Hunden legte der Schäfer zur Mittagszeit auf dem Anger eine Rast ein. Eine kleine Maus störte die Ruhe und wollte wohl auch etwas von dem Brot der Schäfersleute. Als die Hunde die Maus entdeckten und sie jagten, lief diese in ein Loch unter einem Stein. Dort scharrten und buddelten die Hunde, fanden jedoch keine Maus, sondern eine Münze. Der Schäfer Koppehele hob die Münze auf und stellte verwundert fest, dass es sich um pures Gold handelte. Mit seinem Knecht suchte der Schäfer weiter und stieß – unter der Erde – auf ein Gefäß voll Gold.

Die Nachricht vom Schatz verbreitete sich schnell und kam schließlich auch beim Abt des Klosters Berge an. Er fragte den Schäfer, ob dieser nicht einen Teil des Schatzes dem Erzbischof Albrecht II. spenden wolle, um den Dom weiterbauen zu können. Der Schäfer Koppehele, ein guter Christ und frommer Mann, spendete den gesamten Goldschatz dem Erzbischof. Dieser nahm den Schatz wohlwollend an und dankte dem Schäfer, indem er diesen in seinen Hausstand aufnahm. Außerdem ließ er ein steinernes Abbild vom Schäfer, seinem Knecht und den Hunden über der Paradiespforte, dem nördlichen Dom-Eingang errichten (s. Foto). An einem Stein am Nordturm ist ein Hinweis eingemeißelt, dass bis zu dieser Höhe der Bau dank des Goldschatzes fortgesetzt werden konnte.

Es wäre aber keine richtige Sage, wenn es nicht eine zweite Variante der Geschichte gäbe. In dieser wird erzählt, dass der Schäfer Koppehele auf den Börneckenbergen bei Jüterborg die Schafe gehütet und dort das als Braupfanne bezeichnete Gefäß voller Gold gefunden habe. Dann ließ der Schäfer den Schatz mit Hilfe von acht vierspännigen Wagen nach Magdeburg transportieren. Heute ist natürlich nicht mehr nachzuvollziehen, welche der beiden Geschichten tatsächlich stimmt. Unumstritten ist aber, dass ein Schäfer namens Thomas Koppehele seinen gefundenen Goldschatz dem Erzbischof Albrecht II. schenkte und dieser den Dom somit weiter bauen konnte. Erzbischof Albrecht starb 1232. Zu diesem Zeitpunkt waren zumindest die östlichen Teile der neuen Kathedrale weitgehend fertig gestellt.

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