Mittwoch, Juli 28, 2021
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Meter acht: Der bunte Dom – Erzählungen aus der gotischen Kathedrale

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Von Michael Ronshausen und Anita Schmidt

Betrat vor 200 Jahren ein Besucher den Magdeburger Dom zum Gottesdienst oder um sich das mittelalterliche Bauwerk genau anzusehen, befand er sich in einem verräucherten und dunklen Raum, in dem im ersten Moment nur noch wenig von der architektonischen Struktur und den Resten der einst so prächtigen Ausstattung zu erkennen war. Rund 450 Jahre nach seiner Weihe 1363 war vom einstigen Prunk des riesigen Gotteshauses nicht mehr viel zu erkennen. Der Zahn der Zeit und eine oftmals auch dem Zeitgeist geschuldete Vernachlässigung hatten dem Dom nicht nur im Äußeren erheblich zugesetzt, sondern auch sein Inneres schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Im Mittelalter beeindruckte der Dom die Menschen nicht durch eine besonders klangvolle Orgel, dafür jedoch durch eine umfangreiche farbliche Gestaltung seines Innenraums. Noch heute finden sich an einigen wenigen Kapitellen und in versteckten Ecken die Reste des einstmals bunt ausgemalten Doms. An den Wänden befanden sich Motive, die Geschichten aus der Bibel nacherzählten und so den Menschen das Buch der Bücher näherbrachten. Bilder von Heiligen und anderen Glaubensvorbildern vervollständigten das prächtig-bunte Programm.

Um 1800 herum war davon jedoch nicht mehr viel zu erkennen. Weihrauch, Kerzenruß und Schmutz hatten die mittelalterliche künstlerische Ausgestaltung unkenntlich gemacht. Und als nach ersten Überlegungen, den Dom abzureißen, ab 1826 die erste große „Domreparatur“ ihren Anfang nahm, kamen die Verantwortlichen zu der Entscheidung, den Dom von jetzt an in seiner reinen architektonischen Pracht erstrahlen zu lassen. Nahezu sämtliche Ausmalungen wurden gemeinsam mit diversen Einbauten aus dem Innenraum entfernt und der reine Stein zurück an die Oberfläche geholt. Den Überlieferungen zufolge soll diese „Reinigung“ auch auf den Willen des Finanziers, des Preußenkönigs Friedrich Wilhelms III., zurückzuführen gewesen sein.

Als 1834 die große Domsanierung abgeschlossen war, sah der Dom im Inneren wieder so aus, wie ihn die mittelalterlichen Baumeister einst errichtet hatten. Seine Zeit als Heimat einer vermutlich großartigen mittelalterlichen Kirchenmalerei war vorbei. Er war wieder „steinsichtig“ geworden, und ist das auch nach einer weiteren Innenraumsanierung in den 80er- und 90er-Jahren des 20. Jahrhunderts geblieben. Mehrere Gemälde, die der Maler Carl-Friedrich Hasenpflug in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in königlichem Auftrag im Dom anfertigte, zeigen ihn daher bereits so, wie wir ihn auch heute kennen und erleben, als ein fast musterartiges Beispiel für die mitteldeutsche Gotik des 13. und 14. Jahrhunderts.

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