Mit oder ohne… Leonie Felix

In keiner Weise hatte ich mir vorstellen können, wie erholsam Urlaub zu Hause ist. Da sich meine sogenannte bessere Hälfte zum Angeln ins Nirgendwo verabschiedet hatte, nachdem Ferien im Ausland, an der deutschen See oder in den Bergen ausgeschlossen worden waren, ging es bei mir entspannt zu. Ausschlafen – ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt so lange im Bett gelegen habe. Gemütlich und ausgiebig frühstücken – mit all den leckeren Sachen, die ich mag, ohne mir anhören zu müssen, dass dies zu ungesund und jenes zu gesund sei. Und danach: Nichts tun! Das ist das oberste Gebot beim Urlaub in den eigenen vier Wänden. Bloß nicht auf die Idee kommen, dass man doch mal Fenster putzen oder die Betten neu beziehen könnte. Kein Staubsaugen, kein Abheften von Papierkram, keine Badreinigung. Den Geschirrspüler ein- und auszuräumen, damit ausreichend sauberes Besteck, Tassen und Teller vorhanden sind, das geht wohl. Ab und zu mal kochen ist ebenfalls erlaubt. Man kann sich aber auch mit Freunden zum Essen verabreden, die Abendsonne bei einem Gläschen Wein und schmackhafter Pasta genießen, danach ein Espresso und ein Eis. Wer braucht da schon Italien?! Oder man bestellt Tapas oder Sushi zum entspannten Verzehr auf dem Balkon. Dazu ein gutes Buch – „Wer die Nachtigall stört“ oder „Der Wal und das Ende der Welt“. Perfekt! Überhaupt bin ich in meiner Urlaubszeit endlich dazu gekommen, einiges an Lektüre nachzuholen. Zeitungen, Zeitschriften, Bücher und noch mehr Bücher. Sonst bleibt vor lauter Sightseeing und anderen Unternehmungen kaum Gelegenheit dazu … Viel Zeit habe ich aber auch bei meiner Freundin im Garten verbracht. Ihre Kinder hatte sie bei den Großeltern abgegeben, ihr Mann musste arbeiten und sie war noch immer im Home-Office beschäftigt. Allerdings mehr Home als Office. Und so saßen wir in den Liegestühlen, tranken frisch zubereiteten Eistee und werteten die Ereignisse der vergangenen Tage und Wochen aus. Es herrschte Stille, nur ein leises Rauschen der Blätter in der Sommerbrise war zu vernehmen und hin und wieder das Summen eines Insekts. Zwischendurch klingelte das Telefon, weil mein Freund mir mitteilen wollte, dass es ihm gut geht. Aber bis auf „Hallo … tzz schsch pffff … schlechter Empf … schhh tztztz …“ war nichts zu verstehen. Ich stellte mir vor, das Rauschen im Hintergrund sei Regen und lehnte mich zufrieden im Liegestuhl zurück …

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