Mit oder ohne …

Zum Jahresbeginn, nach einer entspannten, ruhigen Silvester-„Feier“, hatte ich meinen Partner gefragt, ob wir uns für 2020 – wie im Jahr zuvor – auch etwas vornehmen sollten. Sie wissen schon, gute Vorsätze eben. Während er, bereits genervt von der Idee, die Augen verdrehte, schlug ich vor, dass wir uns ein wenig im Verzicht üben könnten. Worauf wollen wir verzichten, fragte er daraufhin mit spöttischem Unterton. Auf Essen, Trinken, Schlaf? Auf Urlaub? Oder aufs Atmen? … Ich wusste schon an diesem Punkt, dass die Diskussion ins Nichts führen würde … Ja, das Atmen könnte man hin und wieder unterlassen. Ein geringerer Kohlendioxid-Ausstoß bedeutet schließlich eine bessere CO2-Bilanz. Ich versuchte, den Sarkasmus nicht die Oberhand gewinnen zu lassen und unterbreitete ihm stattdessen ein paar ernst gemeinte Vorschläge. Dass wir beispielsweise weniger kunstvoll in Kunststoff eingehüllte Lebensmittel und mehr lokale Produkte kaufen sollten. Dass wir generell, bevor wir Geld für etwas ausgeben, überlegen sollten, ob wir dieses oder jenes wirklich brauchen. Oder dass wir das Auto öfter mal stehen lassen und stattdessen unsere Fahrräder bemühen sollten. Sein Gesicht verzog sich mit jedem meiner Worte mehr – und am Ende sah er aus, als hätte er eine ganze Zitrone zerkaut und diese anschließend mit Wermut-Tee hinuntergespült. Wie er seinen 60 Kilometer entfernten Arbeitsplatz – ohne vernünftige Bahnanbindung – erreichen solle, fragte er entrüstet. Ich schüttelte hoffnungslos den Kopf und gab ihm zu verstehen, dass sich der vorgeschlagene Autoverzicht auf die Stadt bezieht. Wenn wir mal in die Oper, ins Kino oder uns mit Freunden treffen wollen, sei das mit dem Fahrrad viel unkomplizierter. Keine Staus, keine lästige Parkplatzsuche, keine Parkgebühren. Aber auch das schien ihn nicht zu überzeugen. Das unberechenbare Wetter musste nun als Ausrede herhalten, der Zustand der Radwege und das hirnlose Verhalten mancher Verkehrsteilnehmer. Weichei war das erste Wort, das mir in den Sinn kam. Aber ich ließ es unausgesprochen durch meinen Kopf geistern und machte ihm den Vorschlag, nach noch mehr Ausreden für das Leben zu suchen. Diesen guten Vorsatz würde er sicher erfüllen können … Leonie Felix

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