Museum zeigt Magdeburger Gesichter des 19. Jahrhunderts – Teil 1: Alwine Budenberg

Das Kulturhistorische Museum Magdeburg erinnert vom 30. Oktober 2020 bis 11. April 2021 an Magdeburger Gesichter des 19. Jahrhunderts. Die Kompakt Zeitung begleitet mit einer Serie ausgewählter Porträts die Sonderausstellung.

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Alwine Lisette Karoline Hedwig Arnold, geb. Budenberg, wurde am 14. April 1848 in Osnabrück geboren. Sie war die älteste von vier Töchtern des Ehepaars Caroline und Christian Friedrich Budenberg. Ihre Schwester Lydia kam 1850 noch in Osnabrück zur Welt, und im gleichen Jahr zog die Familie nach Magdeburg. Die jüngeren Schwestern Mathilde Selma und Auguste Marie Paula wurden in Magdeburg geboren.

Ihr Vater Christian Friedrich Budenberg (1815 – 1883) gründete 1850 gemeinsam mit seinem Schwager Bernhard Schäffer das Unternehmen Schäffer & Co. Mechanische Werkstatt zunächst in der Prälatenstraße. Später wurden die feinmechanischen Instrumente in einem Keller des Hinterhauses Stephansbrücke 15 produziert. Die Herstellung von Plattenfedermanometern, die Schäffer erfunden hatte, wurde ein internationaler Erfolg. 1859 konnte unter dem Namen Schaeffer & Budenberg Maschinen- und Dampfkesselarmaturenfabrik in Magdeburg-Buckau ein neues, wesentlich größeres Fabrikgebäude eingeweiht werden.

Alwine Budenberg heiratete 1869 den Kaufmann Heinrich Otto Arnold (1836 – 1918). Er betrieb zu der Zeit ein Agentur- und Kommissionsgeschäft in der Magdeburger Regierungsstraße. Als Schwiegersohn wurde Otto Arnold 1873 Teilhaber an der Magdeburger Armaturenfabrik und leitete erfolgreich eine weltweite Ausdehnung des Unternehmens ein. Nach dem Tod Budenbergs übernahm Arnold die expandierende Firma Schaeffer & Budenberg gemeinsam mit seinem Schwager Fritz Dresel. Der Betrieb produzierte Messgeräte und Armaturen unter verschiedenen Betriebsbezeichnungen und Besitzverhältnissen, zuletzt als Karl-Marx-Werk bis zur Liquidation ab dem Jahr 1994. Die erhaltenen Firmengebäude in Buckau werden zurzeit in Wohnungen umgestaltet.

Neben vielfältigen kommunalpolitischen Tätigkeiten u. a. als Stadtrat engagierte sich der Ehemann Alwine Arnolds für die Interessen der Magdeburger Kaufleute. Von 1904 bis 1915 war Otto Arnold unter Wilhelm Zuckschwerdt der zweite Vorsteher der Magdeburger Handelskammer. Außerdem gehörte er der Magdeburger Freimaurerloge Ferdinand zur Glückseligkeit an. Mehrfache Schenkungen von Medaillen, Terrakottaarbeiten, Textilien u.a.m. überreichte Familie Arnold dem Kaiser Friedrich Museum der Stadt Magdeburg. 1902 übergaben sie dem Museum gemeinsam mit Johann Joseph Otto Duvigneau und Bernhard Lippert vierundzwanzig antike Gefäße aus dem 6. bis 3. Jahrhundert v. Chr., die in der Dauerausstellung des Kulturhistorischen Museums zu sehen sind.

Die Familie Arnold hatte drei Töchter und zwei Söhne. Von 1858 bis 1871 ließ Alwines Vater, Christian Friedrich Budenberg, eine Villa in der Schönebecker Straße 11 bauen, die in Magdeburg als Villa Hügel bekannt ist. Hier lebten die Arnolds.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Anwesen als Kulturhaus des Geräte- und Armaturenwerks Magdeburg genutzt. Nach anschließendem Leerstand und einem Brand im Jahr 2011 steht das sanierte Anwesen heute wieder als Wohnraum zur Verfügung.

Ende des 19. Jahrhunderts besaß Otto Arnold nach dem Buckauer Unternehmer Rudolf Wolf das zweithöchste Privatvermögen in der Stadt Magdeburg. Frau Alwine Arnold wurde neunundfünfzig Jahre alt. Sie starb am 13. Oktober1907 in Magdeburg-Buckau. Ihre Grabstätte befindet sich auf dem Südfriedhof. Das in der Magdeburger Sammlung vorhandene Porträt entstand erst fünf Jahre nach ihrem Tod. Auf der Rückseite des Bildes ist vermerkt: „gemalt von der Magdeburgerin Käthe Fleck nach Bildern und zulässiger Erinnerung“. Auf dem Gemälde ist sie als Frau mit einem direkten, offenen Blick in der Kleidung einer wohlhabenden Unternehmergattin dargestellt. Sabine Liebscher

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