Musketiere in der Zwickmühle Magdeburg

Alle für einen, einer für alle. So lautete das Motto der berühmten Musketiere im Roman von Alexandre Dumas, auch als Film erfolgreich. Ein Motto, das gerade durch Corona eine völlig neue Dimension erreichen könnte. Füreinander da sein, solidarisch, füreinander einstehen. Doch ist das so? Welche Veränderungen gibt es in der Gesellschaft? Wie gemeinschaftlich zeigt sie sich? Welche Ausmaße nimmt das an? Fragen, die von der Magdeburger Zwickmühle in den Mittelpunkt des neuen Programms gestellt werden. Doch keine Sorge, es wird kein Corona-Programm, versichert Hans-Günther Pölitz, der mit Thomas Müller, Olaf Kirmes und Gunnar Schade die Texte schrieb. Die Pandemie ist vielmehr Ausgangspunkt für eine Gesamtbetrachtung. Dazu gehört viel mehr als das Tragen von Mund-Nase-Schutz. Und wer die Zwickmühle kennt, weiß: Hier kommt man politisch-satirisch von Hölzchen auf Stöckchen auf ganze Äste, an denen geflissentlich gesägt wird. Unterhaltsam, mit Humor und satirischem Biss. Zu erleben sind Marion Bach und Hans-Günther Pölitz, die über Fragen der Zeit fabulieren. In Szene gesetzt von Michael Günther Bard von den Kammerspielen Magdeburg, der zum zweiten Mal hier Regie führt. „Ein Glücksgriff“, sagt Pölitz, denn der Schauspieler habe eine völlig andere Sicht und bringe diese ins Kabarett ein. So sei Günthers erstaunte Reaktion bei der ersten Leseprobe gewesen: „Es gibt ja nur eine Spielszene.“ Das wird seitdem geändert. Und gespielt. Geprobt wird seit dem 9.August, Premiere ist am 9. September.

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Zur Zusammenarbeit war es übrigens spontan am Rande eines Treffens zum Thema Kulturhauptstadt im Kubus gekommen. „Wir hatten uns gedanklich mit möglichen Aktionen der freien Kulturszene vorbereitet“, erzählt Michael Günther Bard, „doch dann wollte man gar nichts von uns Künstlern wissen.“ Stattdessen sprach ihn Zwickmühlen-Gründer Hans-Günther Pölitz an. Dieser begann zu fragen, ob der Schauspieler nicht Lust hätte … Weiter kam er nicht, da wurde er spontan von einem „Ja“ unterbrochen. Noch heute lachen beide bei dieser Erinnerung. Es passte einfach. Beide sehen die Vorteile von Zusammenarbeit über Genregrenzen hinaus. Das bringt künstlerisch weiter und kann zudem Synergien beim Publikum schaffen. Die Freie Kulturszene hat ein Millionenpublikum, rechnet der Kammerspieler vor. Doch von der Politik wird sie angesichts Corona größtenteils vernachlässigt. Stattdessen muss jeder für sich ums Überleben kämpfen, kritisiert Pölitz. Für viele bedeute das künstlerisch ein „Sterben auf Raten“. So ist nach staatlichen Vorgaben derzeit nur noch ein Drittel des Publikums bei Vorstellungen erlaubt. Das bedeutet: Die Einnahmen werden vor allem genutzt, um die Spielstätte Zwickmühle zu erhalten. Zusätzlich verzichten die Künstler auf Honorar. Aber wenigstens können sie wieder spielen, fügen sie unisono hinzu. Ohne Spielstätte gäbe es keine Auftrittsmöglichkeiten mehr.

Also: Auf zum neuen Programm! Und zurück zu den Musketieren. Sie waren füreinander da, verschworen. Gleichzeitig – wer nicht zu diesem Kreis gehörte, hatte wenig Chancen. Unter diesem Aspekt erscheint es als geschickter Dreh, das Motto umzuwandeln. Ab 9. September heißt es in der Magdeburger Zwickmühle: „Alle für keinen, keiner für alle“. Karten gibt es im Vorverkauf. Birigt Ahlert

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