Freitag, Dezember 2, 2022

Nachruf auf Ekkehard Schwarz

Folge uns

Am Samstagabend, es war der 1. Februar 2020, verstarb der Schauspieler Ekkehard Schwarz. Über Jahrzehnte erarbeitete er sich eine hohe Wertschätzung in Magdeburg und Umgebung

Als Mitglied der Musik-Comedy-Group BÖRDE-BROTHERS tourte er durch Deutschland und Westeuropa. Einige Zeit füllte er auch die Funktionen des Organisators und Geschäftsführers in der Truppe aus, die in ihren besten Jahren jeweils bis zu 200 Auftritte hatte. Mehrfach schafften es die Schauspieler und Musiker in populäre Fernsehsendungen. In dieser Phase nach der Wende genoss Ekkehard Schwarz auf Podien im In- und Ausland ein erfülltes Künstlerdasein, inklusive materieller Sicherheit. Die BÖRDEBROTHERS erlebten in ihren Glanzzeiten, die bis über die Mitte der 1990er Jahre hinausreichten, bisweilen ein frenetisch jubelndes Publikum, Menschengruppen, die sich über das Urkomische und Skurrile der Darstellung und Kostümierung prachtvoll amüsierten.

Die Mitglieder der BÖRDEBROTHERS brachten sich in das Bestreben von freien Magdeburger Künstlern ein, einen Verein zur Wahrnehmung ihrer Interessen zu etablieren, was 1990 mit der Gründung von PAKK geschah, Podium aller kleinen Künste. Dieser Verein organisierte bis vornehmlich 1993 Veranstaltungen in Magdeburg, wo Kleinkünstler aus ganz Deutschland guten Abend sagten, was Ekkehard Schwarz ganz wesentlich initiierte, und manifestierte sich dann ab 1995 im soziokulturellen Zentrum Feuerwache in Sudenburg.

Ein Junge aus Thüringen

Ekkehard Schwarz wurde am 28. Juli 1956 im thüringischen Trusetal geboren und bewahrte zu Koordinaten seiner Herkunft, vor allem Sangerhausen, an der Grenzlinie zu Thüringen in Sachsen-Anhalt gelegen, eine Affinität und Treue, die er in vergleichbarer Art zu Freunden, Weggefährten und Bekannten pflegte. Er war einer der bodenständigen und pragmatischen Typen, die die Welt braucht, um Traditionsvereine am Leben zu erhalten oder Klassentreffen zu organisieren, aber auch, um in Geschichten Geschichte hinüberzureichen zu neuen Generationen. Schwarz leistete stets viel, um, ob bei Proben, Aufführungen oder anderen Anlässen, Menschen zum Gespräch um sich zu scharen, was auch bedeutete, Leute zu kennen, die bei einem Umzug helfen, ein Kostüm besorgen oder ein verschollenes Buch aufstöbern: Ekke, wie man Schwarz in privater Vertrautheit anredete, kannste mal?, weißt du, wer?, wo ist denn was, das …? In Sangerhausen schloss Ekkehard Schwarz das Gymnasium mit der Hochschulreife ab. Den Militärdienst leistete er, der dem protestantischen Glauben verpflichtet lebte, als Bausoldat.

Schauspieler Schwarz

Ab 1978 studierte Schwarz Schauspiel an der Theaterhochschule „Hans Otto“ in Leipzig, wo man ihn übrigens Jewgeni nannte. Dieses Studium setzte sich ab 1980 als zweijährige praxisnahe Ausbildung im Schauspielstudio in Magdeburg fort. Die Börde- metropole wurde seine Schicksalsstadt, die er bis zu seinem Tod nur für zwei Jahre für ein Engagement nach Stralsund verließ (1982-84). Er heiratete an diesem Ort eine Maskenbildnerin, gehörte dem Ensemble des Theaters für Junge Zuschauer an, wurde ein Bördebrother, kündigte 1989 seinen festen Theaterkontrakt, um die Unterhaltungswelt aufzumischen, war PAKK-Vereinsmitglied. Er bewährte sich in den vielfachen Anforderungen, als freier Künstler das Geld für den Existenzerhalt zu verdienen, verdingte sich als Clown, als Darsteller im Hofspektakel des Puppentheaters oder im Rahmen des Kaiser-Otto-Festes, studierte Fechtszenen am Theater Nordhausen ein, engagierte sich als Autor und Mitherausgeber von drei Anthologien mit Kriminalgeschichten, erarbeitete mit Kindern und Jugendlichen Hörspiele zusammen mit dem Magdeburger Verein Aktion Musik e. V., beriet Jugendtheatergruppen in Bad Langensalza, Erfurt, Weimar, Jena, Mühlhausen, Nordhausen, Straußberg, Sangerhausen und Zielitz.

Oben auf dem Berg

Eine besondere Periode seines Künstlerdaseins verbrachte Ekkehard Schwarz im Ensemble des Holzhaustheaters Zielitz, das Sigrid und Bernd Vorpahl begründeten, wo er viel Beheimatung und Anerkennung spürte, und er sich daran erfreute, im Kreis interessierter Kinder und Jugendlicher sowie semiprofessioneller Frauen und Männer als gestandener Mann vom Fach geachtet zu sein. Er lernte erneut schätzen, wie wunderbar der Seele eines Schauspielers Vorstellungen tun, wo das Publikum nicht nur den letzten Platz im Parkett besetzt, sondern für jeden Spieler auch noch einen Platz im eigenen Herzen reserviert hat. Ganz oben auf dem Berg holte er sich Heilung von mancher Enttäuschung im Alltag des freien Künstlers. Diese großartige Zuschauerresonanz blieb dem Ensemble auch im Theaterhaus im Tal erhalten. Umso tragischer der Umstand, dass Schwarz gerade verstarb, als er die Fahrt dorthin antreten wollte: Vorstellung „Schieß mich doch zum Mond“. Bevor er den Motor starten konnte, traf ihn der Tod im Auto.
Beim Holzhaustheater spielte Ekkehard Schwarz für Erwachsene und für Kinder. Er war erfahren darin, auch vorm quirligen Nachwuchs zu agieren: Fünf Jahre im festen Vertragsverhältnis am Theater für Junge Zuschauer oder projektgebunden im Team vom Verein „Kinder, Kinder“, wo er unter der Regie von Frank Hengstmann in zwei Weihnachtsmärchen und in „Alarm in Omas guter Stube“ zu den Darstellern zählte.

Kaiser, Luther und Schlackaffe

Ab 1997 kam Ekkehard Schwarz zu einer Rolle, die er bis zu seinem Tode interpretierte: das Magdeburger Original Schlackaffe, eine Figur aus einem Programm von Elke Schneider, um für die Bundesgartenschau 1999 in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt zu werben: Kulturbotschafter aus der Bördemetropole. Später lösten sich die Darsteller samt Historienabbild vom einstigen Anliegen, und Ekkehard Schwarz sowie mit ihm Rainer Mette als Fliejentutenheinrich präsentierten sich als Unterhaltungsduo.

Seit Beginn des neuen Jahrtausends zählte Ekkehard Schwarz zum künstlerischen Kern der COMPAGNIE MAGDEBURG 09. Aus den Stücken von Bernd Kurt Goetz ist er nicht wegzudenken, ebenso wenig wie als Interpret der wunderbaren Lieder von Christoph Deckbar. In vierzehn Inszenierungen der freien Theatergruppe war Ekkehard Schwarz dabei. Er spielte Otto den Großen in „Adelheid und ihre Kaiser“, war Luther in „Zum Himmel hoch!“ und ein eindrucksvoller Tod im „Mitteldeutschen Jedermann“. (Viele Werke dieses Theatervereins sind aufgezeichnet. Man kann Ekkehard Schwarz sowohl auf der Vereinswebsite (cmd-09.de) als auch auf YouTube fürderhin in vielen Rollen sehen.)

Der Weihnachtsmann

Die Rolle des Weihnachtsmannes, die er über viele Jahre auf dem zentralen Magdeburger Weihnachtsmarkt innehatte, schien für Ekkehard Schwarz so maßgeschneidert zu sein, dass man sich fragte, ob der Weihnachtsmann erfunden wurde, dass …, oder ob Schwarz geboren wurde, damit …: eindrucksvolle Figur, die Natürlichkeit der Ansprache, sein Faible zum direkten persönlichen Kontakt, die sonore und kräftige Stimme und Geduld und Sorgfalt, sich das Outfit des Mannes aus dem Winterwald zu schminken. Er gab den Weihnachtsmann gern und bewegte viele Gedanken dazu in seinem Hirn, aber er litt in den letzten Jahren darunter, dass diese seine Rolle, mit der er einerseits so viel Zustimmung aus der Bevölkerung erhielt, andererseits punktuell keine Schätzung erfuhr und mancher meinte, so ein Weihnachtsmann müsse nur im Kostüm seine Zeit absitzen. Den Weihnachtsmann geben und sich zu einem machen, liegt oft nahe beieinander! Aber, wie an Ekkehard Schwarz zu studieren ist, einen guten Weihnachtsmann zu verkörpern, ist durchaus eine Kunst.

Zukunft

In den nächsten Jahren werden sich Freunde und Weggefährten von Ekke in Gesprächen oft mit Heiterkeit an seine schöne Neigung zu Gespräch und Kommunikation erinnern und auch daran, dass er gerne Pläne schmiedete und hin und wieder auch einen Plan zu viel, weil er auch ein Bier zu viel getrunken hatte und dazu Zigaretten der Marke Karo rauchte, welche er in einer Blechbüchse bei sich trug. Und man wird auch bemerken, dass man für diese oder jene Sache den Ekkehard jetzt gebrauchen könnte, aber der … Und sicher existieren in zehn, zwanzig und dreißig Jahren Menschen, die an ihre Begegnung mit dem Weihnachtsmann auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt zurückdenken werden, und da denken sie an Ekkehard Schwarz. Er hat es sich verdient, dass man ihn nicht vergisst.

Anzeige
WEITERE

ICH SPRECHE DEUTSCH

dieHO-Adventsgrillen 2022

Magdeburg
Bedeckt
1.1 ° C
1.7 °
-0.1 °
94 %
3.1kmh
100 %
Fr
1 °
Sa
-0 °
So
1 °
Mo
2 °
Di
4 °

E-Paper