Naschen am Wegesrand in Magdeburg erlaubt?

Wer offenen Blickes durch die Stadt wandelt, sieht zwischen den Laubbäumen und Blumenbeeten auch immer wieder Obstbäume und -sträucher. Wir haben uns mit dem Fahrrad auf die Suche gemacht, nach etwas „Erntefrischem“ fürs Frühstück. Doch Ernte ist das falsche Wort, denn ernten ist verboten. Zumindest in Magdeburg und auch in den meisten Landkreisen. „Mundraub“ hingegen nicht. Es gibt deutschlandweit sogar eine Art Landkarte, im Internet unter www.mundraub.com zu finden. Doch Vorsicht: Nicht jeder dort genannte Ort ist wirklich für jeden Obstsammler freigegeben.

Auch handhabt das jeder Landkreis anders. So locken im Landkreis Stendal entlang der Landstraßen leckere Früchte von den Obstbäumen. Doch ernten darf man sie nicht, sogar das Aufsammeln könnte strafbar sein. Es bedarf einer Genehmigung, ansonsten ist es sogar verboten, sich zu bedienen. Nicht nur, weil die Bäume am Rand rechtlich nicht zur öffentlichen Straße gehören, sondern ein spontaner Ernteeinsatz hätte großes Unfall-Potenzial, angesichts des starken Verkehrsaufkommens. Etwas anders sieht es im Landkreis Salzwedel aus. Dort wird das Ernten sogar begrüßt: Bevor das Obst am Straßenrand verrottet, kann man sich dort bedienen. Unter Vorsicht, versteht sich, denn dort sind die Straßen nicht weniger viel befahren.

Aufsammeln ja, aber kein Ernten

Wie sieht es nun in der Landeshauptstadt aus? Hier gibt es einzelne Obstbäume ebenso wie fruchtige Alleen und ganze Hecken Brom- und Himbeeren. Auf unserer Radtour fanden wir leuchtend gelbe Mirabellen, büscheweise Brombeeren und auch schon einige Himbeeren. Die Äpfel waren noch nicht reif, ebenso wird es später Nüsse und Esskastanien geben. Darf man das alles privat einsammeln? Zuvor gilt es die Eigentumsverhältnisse zu klären, antwortet auf diese Frage Michael Reif, Pressesprecher der Stadt. Bedient man sich auf privaten Flächen, handelt es sich um einen Diebstahl und das wäre eine Straftat. Soweit es sich um öffentliche Flächen der Stadt Magdeburg handelt, darf in Maßen zugegriffen werden. Allerdings nur bei dem, was auf den Boden gefallen ist. „Sobald es jedoch nicht mehr nur um das Sammeln des reifen Obstes, sondern um eine Ernte von Bäumen handelt, muss in jedem Fall ein Einverständnis bei der Landeshauptstadt Magdeburg eingeholt werden“, betont Reif. Außerdem müsse schriftlich versichert werden, dass das geerntete Obst ausschließlich nicht-kommerziellen Zwecken dient. Sprich: etwas „Mundraub“ fürs Frühstücksmüsli sollte kein Problem sein. Daraus Marmelade kochen und diese verkaufen, ist jedoch strafbar.

Der Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe (EB SFM) als Bewirtschafter öffentlicher Flächen toleriert das Sammeln, so Michael Reif. „Grundvoraussetzung ist jedoch, dass dabei an Bäumen oder Flächen kein Schaden entsteht.“ Auch deshalb ist das reine Ernten untersagt. Zudem bringt das Klettern auf Bäume eine gewisse Unfallgefahr mit sich, die nicht zu verachten ist. Der Eigenbetrieb SFM bewirtschaftet derzeit zehn ausgewiesene Streuobstwiesen in verschiedenen Stadtteilen. Außerdem gibt es vereinzelt Obstbaumalleen wie an der Wanzleber Chaussee oder in der Straße Greifenwerder. Die Erträge der Obstbäume auf diesen Flächen werden durch die Landeshauptstadt Magdeburg nicht gewerblich genutzt. Für manche Streuobstwiesen bestehen Pflegevereinbarungen mit Vereinen oder Organisationen. Dort entscheiden die Bewirtschafter der Fläche über die Nutzung des reifen Obstes. Das Sammeln durch Privatpersonen ist auf diesen Flächen ohne ausdrückliche Genehmigung nicht gestattet, betont Pressesprecher Michael Reif.
Ein bekanntes Beispiel ist die Streuobstwiese in Sudenburg, einem Projekt der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB), u. a. für den Erhalt der Artenvielfalt in der Natur. Außerdem gibt es beispielsweise 60 verschiedene Apfelsorten. Einfach hingehen und ernten ist derzeit allerdings nicht möglich, antwortet Alexander Kutz vom KEB auf Nachfrage. Es gibt jedoch immer mal wieder Aktionen für Kitas und Horte, Kräuterwanderungen und Anleitung zum Obstbaumschnitt. Termine werden direkt vereinbart oder über die Internetseite streuobstwiesen-keb-md.webnode.com bekanntgegeben.
Dies bedenkend steht einer Frühsport-Radtour auf der Suche nach ein paar leckeren Früchtchen nichts im Wege. Birgit Ahlert

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