Neu im Kult-Sommertheater „Olvenstedt probiert’s“ der Kammerspiele Magdeburg

Sie wirkt ein wenig schüchtern, wenn sie zwischen den Schauspiel-Profis steht. Keine Spur von Schüchternheit allerdings, sowie sie tanzt: Samanta Hinz. Von Kindesbeinen an liebt sie es zu tanzen. Sie begann zunächst in der Theaterballettschule von Irene Schneider, später bei Anett Herwig. Erste Auftritte auf der großen Bühne gab es im Opernhaus Magdeburg. Fast folgerichtig wählte sie den Tanz zum Beruf, machte 2015 ihren Bachelor of Arts. Es folgten Projekte in Hamburg, Berlin und Köln. Die Sehnsucht trieb sie zurück in ihre Heimatstadt, sagt sie mit einem bezaubernden Lächeln. Hier sucht sie nun neue Herausforderungen und die sorgen nach und nach für Gesprächsstoff.

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Zunächst war Samanta Hinz mit Pauline Stöhr im vorigen Jahr beim „Kunstfest der Moderne“ zu erleben. Sie präsentierten in eigener Choreografie beeindruckend das „Design des Lebens“ über die Frauen der Bauhaus-Ära. Ein kleineres Publikum konnte Samanta im Frühjahr bei der Voraufführung von „Falcos Jeanny“ erleben, dessen Premiere wegen Corona allerdings in den Oktober verschoben werden musste. Die Handlung dreht sich um das Lied, das den größten Skandal in der Geschichte der deutschen Popmusik ausgelöst hat: „Jeanny“ – vom in den 80er Jahren äußerst erfolgreichen Sängers Falco. Eine Produktion von den Kammerspielen Magdeburg als 4-Personen-Stück, mit keinem Geringeren in der Hauptrolle als Axel Herrig, der mit dem Musical „Falco meets Amadeus“ Erfolge feierte. „Dafür brauchten wir eine Tänzerin“, erzählt Michael Günther, der mit Susanne Bard ebenfalls zu erleben ist. Tanzdozentin und Theaterballettschulleiterin Anett Herwig empfahl Samanta Hinz und vermittelte den Kontakt. Ein Glücksgriff, wie sich herausstellte, zeigte sich die junge Frau doch nicht nur im Tanz überzeugend, sondern gestaltete die Rolle überdies hinaus.

„Das war eine große Herausforderung“, sagt Samanta später im Kompakt-Gespräch. Die zunächst neben dem Tanz angekündigten „ein, zwei Sätze“ wurden eine komplette Rolle mit Text und Schauspiel. Es entwickelte sich während der Proben für die Uraufführung. „Probier mal, hieß es vom Regisseur und den anderen“, erzählt die Tänzerin. Und sie probierte. Rückblickend nennt sie es eine persönliche und berufliche Herausforderung. „Ich habe entdeckt, wovon ich gar nicht wusste, dass ich es in mir habe.“ Mit Strahlen in den Augen erinnert sie sich: „Sie haben gesagt: Du kannst nichts falsch machen. Ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt, von allen im Team.“
Regisseur Jörg Richter habe es verstanden, sie an ihre Grenzen zu bringen. Viel gelernt hat sie dabei, freut sich die 28-Jährige. Nicht nur über sich, auch über das Genre. „Schauspiel ist mehr körperlich als ich vorher dachte“. Die Bewegungen gleichzeitig mit dem Vortragen von Texten zu koordinieren, war für die Künstlerin besonders ungewohnt. Beim Tanz werden Worte körperlich ausgedrückt. Jetzt sprechen, auf der Bühne, vor fremden Menschen? Samanta Hinz war unsicher. Doch vor Herausforderungen scheut sie sich nicht. Aus dem „Probier mal!“ wurde ein „Ich mach das!“ Und Schauspielerin Susanne Bard erklärt am Rande der „Olvenstedt“-Proben: „Sie macht das außerordentlich gut.“ Das nämlich war der (fast folgerichtig) nächste Schritt: Die Kammerspiele Magdeburg holten die junge Tänzerin ins Team für ihr Sommertheater.

Das Sommercamp ist eröffnet. Im Hof des Forums Gestaltung stehen zwei Zelte, davor ein Gartenzaun, Handtücher wiegen sich im Wind, eine Sonnenblume leuchtet über der Wiese. Eine dem Publikum bekannte Szenerie, trifft sich hier doch alljährlich das Kammerspiel-Ensemble als „Laienschauspieler aus Olvenstedt“, die sich mit einer Theaterinszenierung versuchen. Längst sind diese Aufführungen Kult in Magdeburg und beliebt auch über die Stadtgrenze hinaus. Es wird in diesem Jahr bereits den 31. Versuch geben: „Rusalka & Arielle“ stehen auf dem Spielplan. Geschichten aus der Wasserwelt, historisch und modern, vom Freien Theater auf eigene Weise verbunden. Auch in diesem Jahr hat sich das Team um die Schauspieler Susanne Bard und Michael Günther, Meyke Schirmer (Ausstattung) und Dirk Heidicke (Autor) dafür Verstärkung geholt. Zu zehnt stehen sie auf der „Wiesen-Bühne“, Regie führt Oliver Breite. Premiere ist am 6. August, geprobt wird bis dahin täglich. Nicht nur, aber auch, weil Corona zwischen die eigentlichen Pläne gekreuzt hatte. Standen die Aufführungen längere Zeit komplett in Frage, mussten sie letztlich um fast zwei Monate verschoben werden. Und leider sind auch hier die Zuschauerplätze im Vergleich zu den Vorjahren stark reduziert, was es erschwert, eine der ohnehin begehrten Karten zu ergattern. Einige gibt es noch für den 19. August, einem Zusatztermin.

Die Erleichterung, endlich wieder spielen zu dürfen, geht einher mit intensiven Proben. Konzentriert und mit absoluter Professionalität wird die Uraufführung vorbereitet. Und doch kommt gleichzeitig die gute Laune nicht zu kurz, die sich letztlich bei den Vorstellungen aufs Publikum überträgt.

Samanta bewegt sich im Kreis der Schauspiel-Profis, wirkt ein wenig schüchtern. „Sie kann aber auch anders“, bestätigt Susanne Bard lachend und meint „sie ist genau richtig hier.“ In der Inszenierung wird Samanta zu Viki, bezirzt den Regisseur und macht der Schönheit des Ensembles Konkurrenz. So der Plan. Wie das gelingt? „Ich bin gespannt“, antwortet die Tänzerin lachend. Momentan „sauge ich alles auf wie ein Wischmopp. Es ist spannend, wie sich alles entwickelt und wie die Genres ineinander übergehen. Diese Künstler sind etwas ganz Besonderes und ich freue mich, ein Teil dieses Ensembles sein zu dürfen.“ Birgit Ahlert

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