Sonntag, Juli 3, 2022
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Neue Synagoge entsteht nahe der ehemaligen Alten Synagoge

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Mindestens seit der Zeit Ottos des Großen im zehnten Jahrhundert lebten bereits Juden in Magdeburg. Nach allem was heute bekannt ist, hatte der König und spätere Kaiser keine Berührungsängste gegenüber den Juden, und wohl auch keinerlei Abneigung gegen sie. Letztlich waren sie es, die den internationalen Fernhandel im ostfränkisch/deutschen Reich in Gang brachten und darüber hinaus etwas von Bildung verstanden. Zweifellos muss man davon ausgehen, dass in der Mitte des zehnten Jahrhunderts auch schon eine Synagoge vorhanden war. Allerdings verlief die Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Magdeburg nicht gleichmäßig positiv. In der Zeit des Erzbischofs Ernst von Sachen wurden beispielsweise – wie anders wo auch – die Juden aus dem Erzbistum ausgewiesen. Dies geschah ohne die Zuhilfenahme von Gewaltmitteln, trotzdem mussten sie gehen. Erst drei Jahrhunderte später siedelten sich auch in der Elbestadt wieder Juden an. Dies geschah in der Zeit des Königreichs Westphalen, also unter der Regie Napoléon Bonapartes, der das angebliche „Problem“ mit den Juden genauso betrachte wie einst Otto, nämlich gar nicht. In den folgenden eineinhalb Jahrhunderten entwickelte sich in Magdeburg eine wahr- und ernstzunehmende Gemeinde, die bereits frühzeitig ein angemessenes Gotteshaus in der damaligen Großen Schulstraße, der heutigen Julius-Bremer-Straße, errichtete. 


Bekannt ist, wie es weiterging. Im Rahmen des Novemberpogroms Ende 1938 wurde die Synagoge beschädigt, im inneren ausgeraubt und zerstört, jedoch nicht in Brand gesetzt (wie oft behauptet wird), denn das Bauwerk befand sich gemeinsam mit anderen Gebäuden in engster städtischer Lage. Noch vor Beginn des Kriegs, wohl im Frühjahr 1939, wurden die Synagoge abgerissen. Noch vor dem eigentlichen Holocaust sollten die steinernen Dokumente der jüdischen Existenz aus dem Stadtbild verschwinden. In der Zeit der DDR spielte jüdisches Leben in Magdeburg nur noch eine untergeordnete und kaum wahrnehmbare Rolle. Zur Wendezeit konnte man die in Magdeburg lebenden Juden an einer Hand abzählen. Es existierte jedoch immerhin ein jüdisches Gemeindehaus in der Alten Neustadt (Gröperstraße). Großer Zuwachs stellte sich dann nach der Wende ein, viele Juden aus der ehemaligen Sowjetunion kamen nach Magdeburg, und wenige Jahre später erschallt erstmals der Ruf nach einem Synagogenneubau. Mehr als zwei Jahrzehnte nach dieser Idee erfolgte am heutigen 5. Mai 2022 unter Anteilnahme zahreicher jüdischer Menschen und einiger Prominenz – darunter Ministerpräsident Reiner Haseloff – der erste Spatenstich für die Neue Synagoge in Magdeburg. 


Sie entsteht keine 250 Meter östlich von ihrem letzten historischen Standort in der Julius-Bremer-Straße, unmittelbar neben dem Ratswaagehotel. Geweiht werden soll die Neue Synagoge bereits im kommenden Jahr. Von Anfang am Projekt beteiligt war Waltraut Zachhuber, früher Pfarrerin am Magdeburger Dom und Pressesprecherin in der damaligen EKKPS, sowie heute als Vorsitzende des Fördervereins der „Neuen Synagoge Magdeburg e.V“: „Wir vom Förderverein freuen uns gemeinsam mir der Synagogengemeinde, dass nach vielen Jahren harter Arbeit und unseren gemeinsamen Bemühungen der Traum einer neuen Synagoge in Erfüllung geht und wir diesen wichtigen Schritt erleben dürfen. Dankbar sind wir dabei für alle Förderung und Unterstützung durch die Landeshauptstadt Magdeburg und durch das Land Sachsen-Anhalt. Wir hoffen, dank kompetenter und professioneller Bautätigkeit und weiterer öffentlicher Unterstützung, zügig voran zu kommen. Generalunternehmer für das Bauprojekt ist die Firma Toepel-Bauunternehmungen“, so Waltraut Zachhuber (mr).

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