Samstag, Oktober 1, 2022
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Magdeburgs einziger Profi-Rennfahrer wechselt Team und Dienstwagen. Ein privates Ereignis soll 2022 jedoch alles in den Schatten stellen. | Von Rudi Bartlitz

Gute Leichtathleten werden im Winter gemacht, lautet eine fast schon biblisch alte Sportlerweisheit. Ob das in dieser Konsequenz auch für Automobilrennfahrer gilt, sei einmal dahingestellt. Zutreffend ist auf jeden Fall der Umkehrschluss: Piloten, die es in der kalten (und rennfreien) Jahreszeit körperlich schleifen lassen, werden im Sommer den Preis dafür zahlen, es zu nicht allzu viel bringen. Also ist Dominique Schaak, Magdeburgs einziger Profi in dieser Disziplin, seit Anfang Januar wieder voll in Aktion – selbst wenn die Saison erst so richtig im April beginnt. „Ich bin zurzeit jeden Tag im Gym meines personal coachs Samir Ruiz“, sagte Schaak im KOMPAKT-Gespräch. „Kraft, Ausdauer, das übliche harte Programm. Außerdem bin ich oft im Studio meines Sponsors Lucky Fitness zu finden. Nur an den Wochenenden trete ich etwas kürzer.“

Gute Kraft- und Ausdauerwerte werden – fahrerisches Können selbstverständlich vorausgesetzt – nötig sein, wenn am 8. April auf Schaaks Heimstrecke, der Motorsport-Arena in Oschersleben, erstmals die Startampel wieder auf Grün springt. Denn für den 31-Jährigen beginnt dann nicht nur eine neue Wettkampf-Serie. Er gibt ebenso sein Debüt für einen neuen Rennstall. Selbst wenn die Unterschrift noch nicht getätigt ist, spricht alles dafür, dass es sich dabei um das EastSide-Motorsport-Team aus dem sächsischen Crimmitschau handelt. Und, fast wichtiger noch, erstmals in seiner über zehnjährigen Karriere wird er dann wahrscheinlich hinter dem Lenkrad eines Mercedes sitzen, nachdem er bereits Rennversionen solcher Top-Marken wie Audi, Porsche und Ford über die Pisten europäischer Rennstrecken steuerte.
„Es stimmt“, bestätigt Schaak, „einen Wagen mit dem Stern bin ich, zumindest im Wettkampf, noch nicht gefahren. Dabei handelt es sich hier um einen AMG GT4.“ Der Bolide verfügt über 476 PS und entwickelt eine Höchstgeschwindigkeit zwischen 250 und 260 km/h. Die wahrscheinlich größte Umstellung sieht der Pilot – der Laie staunt – beim Lenkrad des Mercedes. „Es ist etwas komplizierter als beispielsweise das des Audi R8, den ich in der Vorsaison gefahren bin“, erläutert er. „Einfach ausgedrückt: Besitzt der Audi acht Knöpfe, über die die verschiedenen Funktionen gesteuert werden, sind es beim Mercedes gleich deren 13.“

Bei all den Neuigkeiten, eines bleibt wie 2021: Schaak startet weiterhin in der GTC-Race-Serie. Darin kämpfen Renntourenwagen durchaus renommierter Firmen wie Porsche, Audi, McLaren und eben Mercedes in insgesamt zehn Läufen um die Meisterschaft. Neben zwei 30-minütigen Sprints gehören dazu 60-Minuten-Rennen, letztere mit Fahrerwechsel. Ausgetragen werden die Wettbewerbe auf bekannten Strecken wie dem Nürburgring, dem Ho-ckenheimring, dem Lausitzring, dem Motorsportpark Oschersleben sowie im niederländischen Assen.

Selbst wenn die Magdeburger MDCC-Arena als Rennpiste wohl kaum vermittelbar wäre, auch hier gab es in den ersten Januartagen einen Termin mit dem Piloten. Er übergab dem FCM-Nachwuchsleis-tungszentrum den Erlös einer Versteigerung, bei dem sein Rennhelm der Saison 2021 (gestaltet in den blau-weißen Farben des Magdeburger Klubs und versehen mit der Stadtsilhouette) Objekt der Begierde gewesen war. Satte 2.150 Euro erbrachte die Aktion, mit der der Ex-Fußballer des SV Hötensleben seinen Lieblingsverein („Ich hoffe und drücke die Daumen, dass sie den Aufstieg in die zweite Liga schaffen“) unterstützt.
Über eigene sportliche Ziele möchte sich der Magdeburger am liebsten noch nicht konkret festlegen: „Dazu sind Team und Wagen einfach zu neu.“ Dennoch, Lehren aus der vergangenen Saison, als durchaus nicht alles nach Wunsch lief, hat er gezogen. „Ja, ich hatte mir mehr erhofft. Der achte Rang unter 17 Konkurrenten war nicht das, was ich mir erwünscht hatte“, gesteht er in der Rückschau. „Es war alles in allem ein zu durchwachsenes Jahr. Das eine oder andere hätte ich mir schon besser gewünscht.“ Sein selbst gestecktes Ziel, am Ende unter den Top Fünf zu landen, hat er verfehlt. Selbst wenn er heute feststellt: „Der Audi war in der Klasse, in der wir gefahren sind, einfach das schwerste Auto. So gab es immer wieder Probleme mit der Reifenabnutzung.“

Eine weitere Konsequenz: Er will vor der neuen Saison wesentlich mehr Testfahrten absolvieren. „Im vergangenen Jahr waren es, auch wegen der Corona-Unterbrechung, einfach zu wenig. Diesmal will ich diese Zahl unbedingt verdreifachen.“ Jedoch nicht nur bei den, nennen wir sie „äußeren Faktoren“, soll es Veränderungen geben. Auch an seiner persönlichen Taktik, seiner Einstellung zu den Rennen, will er ein wenig schrauben. An langen Winterabenden ging er deshalb oft in sich und kam zu der Erkenntnis: „Im vergangenen Jahr war ich auf der Piste zuweilen zu zurückhaltend. Da will ich mich umstellen, noch mehr das Risiko suchen.“
So groß die Erwartungen auf die kommenden Herausforderungen sein mögen, ein Ereignis scheint derzeit alles in den Schatten zu stellen. Und das hat ausnahmsweise absolut nichts mit fliegenden Kisten auf heißem Asphalt, Bremsbelegen oder Benzingeruch zu tun: Im April wird Schaak zum ersten Mal Vater. „Meine Freundin Mandy und ich freuen uns schon riesig“ sprudelt es regelrecht aus ihm heraus. „Es ist ein absolutes Wunschkind. Das Kinderzimmer in unserer Wohnung in Rothensee ist schon komplett eingerichtet.“ Ob Junge oder Mädchen, das will er zwar noch nicht verraten, dafür lässt er sich aber einen Wunsch entlocken: „Natürlich ist es noch eine lange Zeit, aber ich würde mich schon sehr freuen, wenn unser Kind später Rennfahrer wird.“ Gender hin, Gender her – es könnte ein Junge werden …

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