Online oder Original?

Der stationäre Einzelhandel beklagt wegen wachsender Online-Handelsaktivitäten seit Jahren einen Kundenschwund. Dass durch zunehmende Nutzungszeit und Nutzerzahlen im Internet weniger reales Wirken stattfindet, liegt auf der Hand. Und das betrifft eben nicht nur den Handel. Auch Museen spüren einen schleichenden Rückgang bei Besucherzahlen. Vor großen internationalen Schauen bilden sich natürlich nach wie vor Warteschlangen. Es müssen schon sehr spektakuläre Exponate aus dem Altertum und Bilder von Künstlern mit Weltruhm sein, damit Neugierige in Scharen herbeieilen.

Kommunale Museumseinrichtungen stehen da vor ganz anderen Herausforderungen. Es ist eben bequem und möglich, sich über Geschichte, Kultur- und Kunstepochen sowie berühmte Maler, Wissenschaftler und andere Persönlichkeiten im Internet zu informieren. Auf YouTube findet man Reportagen und Dokumentationen über jede belegbare Menschheitsentwicklung. Oft findet man online Informationen, die noch umfassender und tiefgreifender sind, als sie ein Museum in einer Ausstellung aufbereiten könnte. Man muss sich dafür noch nicht einmal vom Sofa erheben, nur Zeit opfern und entsprechend geschickt suchen.

Nun sind kleinere Museen in öffentlicher Hand schon immer Orte zum Konservieren von regionaler Geschichte gewesen. Damit verfügen sie vielfach über Alleinstellungsmerkmale. Aber solche müssen auch fortlaufend ausgespielt werden. Das Kulturhistorische Museum Magdeburg rückt nach erfolgreichen Ausstellungen zu den Ottonen, über die Reformation weitere regional-historische Themen nach. Die sozialen Spannungen während der Gründerzeit, die häufig verklärt betrachtet wird, fließen in eine Dokumentation. Persönlichkeiten der Magdeburger Geschichte werden in den Mittelpunkt gerückt. Es ist wichtig, dass Regionalgeschichte im Schulunterricht einen bedeutsamen Platz erhält. Für die Weltgeschichte, insbesondere die Mythen lange vergangener Zeiten, interessiert sich sowieso jeder. Für alles andere muss Aufmerksamkeit und Interesse geweckt werden. Gerade die kleinen historischen Belege vor Ort machen das Große Ganze verständlicher. Und genau hier liegt die museale Kraft kommunaler Geschichtsdokumentation. Originale und ihre historische Einbettung und genaue Beschreibung schulen den Geist im Geschichtsverständnis. Wenn Geschichte anfassbar ist, bleibt sie in der Gegenwart lebendig. Jeder bei jedem ein wenig dafür werben. (tw)

Fakten zu den städtischen Museen:

Zu den Museen in kommunaler Hand gehören das Kulturhistorische Museum Magdeburg und das Museum für Naturkunde Magdeburg als Zweisparten-Haus, das Dommuseum Ottonianum Magdeburg (in Kooperation mit der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt), die Gruson-Gewächshäuser (Teil des Museums für Naturkunde), das Technikmuseum und das Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen.

Sammlungsbestände / Exponate:

• Das Museum für Naturkunde verfügt über rund 340.000 Sammlungsstücke.

• Das Kulturhistorisches Museum hat rund 250.000 Sammlungsstücke.

Ältestes Sammlungsstück:

• Kulturhistorisches Museum: Faustkeile aus der  Zeit von 250.000 bis 200.000 vor Christus

• Museum für Naturkunde: Gibeon Meteorit,   ca. 4,6 Milliarden Jahre alt

Wertvollstes Exponat:

Der Magdeburger Reiter (sowohl der ideelle

Wert, wie auch der Versicherungswert)

Kuriosestes Exponat: Das Guericke-Einhorn (entstanden aus Abgüssen von eiszeitlichen Knochen)

Besucher: Jährlich kommen zwischen 30.000 und 40.000 Besucher (je nach Sonderausstellung) in die Ausstellungen.

Mitarbeiter: Etwa 40 Mitarbeiter sind in den Magdeburger Museen beschäftigt.

Ankäufe in den vergangenen Jahren: Zu den wichtigsten Ankäufen der vergangenen Jahre zählen der Erwerb von zwei silbernen Abendmahlsgeräten aus der zerstörten Katharinenkirche und eines Glasbaukastens von Bruno Taut.

Sicherheit der Exponate: Die Sicherung der Ausstellungsräume und der Depots entspricht den internationalen Standards.

Ausblick auf Ausstellungen in diesem Jahr:

Kulturhistorisches Museum:

•             „Aus der Nähe betrachtet“  Künstlerische Interventionen von                Juliane Laitzsch und Bärbel Schlüter – 17. Mai bis 16. August 2020

•             „Magdeburger Gesichter des 19. Jahrhunderts“ Porträts der Sammlung – 29. Oktober 2020 bis 11. April 2021

Museum für Naturkunde:

•             „Ötzi – Der Mann aus dem Eis“ – 20. März bis 28. Juni 2020

•             „ART & Vielfallt“ – 10. Mai bis 20. September 2020

Vielleicht gefällt dir auch