Dienstag, September 21, 2021
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Otto im Tiefschlaf?

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Ein Rückblick nach 20 Jahren | Von Michael Ronshausen

Sie war etwas Besonderes! Nur wenige Jahre zuvor hätte die Idee, in Magdeburg eine große Mittelalterausstellung zu veranstalten, niemand ernst genommen. Trotzdem öffneten sich am 26. August 2001 die Tore des Doms für einen hochangebundenen staatlichen Festakt, und schließlich auch die Türen des Kulturhistorischen Museums (KHM) für eine auf König und Kaiser Otto fixierte Ausstellung, wie es sie zuvor nicht gegeben hat – und wie sie wohl auch in Zukunft nicht noch einmal zu erwarten ist.

Unter der Regie des damaligen Museumsdirektors Matthias Puhle war es einem Team von Wissenschaftlern gelungen, 400 Exponate aus der his-torischen Welt zu versammeln und sie für die moderne Welt unter dem Etikett „Otto der Große – Magdeburg und Europa“ noch einmal vereint und sichtbar zu machen. Zu den wichtigsten Eckdaten des 100-tägigen Mittelalterevents gehört zweifellos der Zuspruch, den die Ausstellung regional, national und letztlich auch international erfuhr. Eine große Kaiserschau ausgerechnet im oftmals gebeutelten Magdeburg? Einer Stadt, die im ersten Jahrzehnt nach der Wende auch wirtschaftlich einen rasanten Abstieg hinnehmen musste?

Am Ende ist die Rechnung tatsächlich aufgegangen. Nicht nur die erhofften 100.000 Besucher strömten schließlich ins Museum, bis zum 2. Dezember 2001 verdreifachte sich die Zahl der Interessenten. Und denen wurde etwas geboten. Höhepunkt der Exponate waren beispielsweise einige der ursprünglich einmal 60 Elfenbeintafeln aus dem ersten Magdeburger Dom, darunter die sogenannte Majestas Domini, eine Elfenbeintafel, auf der als Randfigur auch Kaiser Otto und der Erzengel Michael dargestellt sind. Otto überreicht Christus dabei eine stilisierte Darstellung der Magdeburger Kathedrale. Aus der Zeit um 968 stammend, ist sie älteste Abbildung des Gotteshauses. Die zierliche und vermutlich in Norditalien entstandene Schnitzerei gehörte ursprünglich wohl zu einer Altarverkleidung. Seit 1941 ist sie Bestandteil der Sammlung des Metropolitan Museum of Art in New York. Weitere der Tafeln fanden ihren Weg aus Paris und London nach Magdeburg. Tatsächlich existiert heute keines dieser mehr als 1000 Jahre alten Kunstwerke noch in Magdeburg.

Offen bleibt 20 Jahre später die Frage, welchen Langzeiteffekt die Ausstellung über den bloßen Wert der Erinnerung heraus hatte – und hat. Der mittelalterliche Glanz der Exponate ist verschwunden, verloren gegangen ist aber auch ein wenig die Idee und die Erinnerung an einen zentralen Herrschaftsort, der immerhin für ein paar Jahrzehnte gleichbedeutend, oder sogar bedeutender war als Städte wie Rom oder Konstantinopel. Daran konnten weder Otto der Große, noch Magdeburg und Europa etwas ändern. Geblieben ist ein kurzer Moment der Besinnung auf eine alte Zeit – und die Erinnerung an einen Mann, der hier einstmals große Geschichte geschrieben hat.

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