Montag, Juni 27, 2022
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Pape-Cup: Dann eben 2023

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Das Jugendfußball-Turnier um den Pape-Cup, eines der größten europäischen Events
seiner Art, muss wegen Corona erneut verlegt werden. Aber die Planung für die Jubiläums-Veranstaltung, die „20.“, laufen bereits. Von Rudi Bartlitz

Für viele Magdeburger Fußball-Fans war es längst Usus geworden, den Jahreswechsel mit einem vielleicht etwas ungewöhnlichen Dreiklang zu begehen: Weihnachtsfest, Silvesterfeier, Pape-Cup. Jeweils am ersten Januarwochenende zog das Turnier, von vielen als eine inoffizielle deutsche Hallenmeisterschaft der U-15-Junioren angesehen, Tausende in seinen Bann. Zwei Tage herrschte wahre Budenzauber-Stimmung in der Getec-Arena, Sachsen-Anhalts größter Sporthalle. Wohin die Veranstaltung 2016 ausgewichen war, nachdem die altehrwürdige Gieseler-Halle wegen des Zuschauerandrangs aus allen Nähten zu platzen drohte. Bis Corona kam. Ausgerechnet 2021, als die 20. Wiederkehr anstand, machte die Pandemie einen dicken Strich durch die Rechnung. Nun, mit Blick auf 2022, dasselbe Bild, wieder eine Absage. Wieder musste sich der Fußball dem Virus beugen.

„Wir sind tief traurig über diese Entscheidung“, sagte Cheforganisator Lutz Pape im KOMPAKT-Gespräch. Als Mitte November das Aus kam, liefen die Vorbereitungen längst auf Hochtouren. „Aber ein in jeglicher Hinsicht sicheres Turnier ist für uns das Wichtigste, und da werden wir keine Risiken eingehen.“ Immerhin 20 Teams, samt Trainer- und Betreuerstab, aus dem In- und Ausland hätten sich an diesen beiden Tagen in Magdeburg auf engstem Raum getummelt. Pape: „Wir haben eine Verantwortung gegenüber allen Teilnehmern, das ist oberste Prämisse.“
Dennoch, aufgeben will Pape nicht. Auf gar keinen Fall. Wenn nicht 2022, dann eben 2023. „Das Jubiläumsturnier möchte ich auf jeden Fall noch mitmachen.“ Aber: Könnte ein Event, das zweimal nacheinander ausfällt, nicht einiges von seiner Strahlkraft einbüßen? Frei nach dem Motto: „Aus den Augen, aus dem Sinn“? Der 75-Jährige, der im Nachwuchs-Leistungszentrum des FCM immer noch als eine Art Laufbahn-Berater tätig ist, schüttelt energisch mit dem Kopf: „Die übergroße Mehrheit der Sponsoren, die etwa zwei Drittel des Etats stemmen, und die anderen Helfer bleiben bei der Stange.“ Gerade erst hätten ihm Wobau-Geschäftsführer Peter Lackner und dessen MWG-Kollege Thomas Fischbeck versichert, wie sehr sie das Turnier schätzen. Es habe Magdeburgs Ruf als eines der Zentren des europäischen Jugendfußballs begründet.

Und quasi als Beweis dafür, wie ernst der FCM als Veranstalter die Zukunftsplanungen nimmt, präsentiert Pape bereits den Termin für 2023: Am 14. und 15. Januar soll das Jubiläumsturnier über die Bühne gehen. „Uns ist es gelungen, die Veranstaltung um eine Woche nach hinten zu schieben“, erläutert er. Davon verspricht man sich, dass einer Reihe von Bundesligisten eine Zusage erleichtert wird, weil deren Jugendteams sich entweder kurz nach dem Jahreswechsel noch im Urlaub oder sich bereits in einem Trainingslager irgendwo im Süden befinden. „Diese Entwicklung ist ein Resultat der immer früher einsetzenden Professionalisierung im Jugendfußball“, sagt der Pensionär. „Daran hätten wir kurz nach der Jahrtausendwende, als wir unser Turnier aus der Taufe hoben und den Termin festlegten, nie gedacht.“

Wie auch immer, am Niveau der Veranstaltung soll festgehalten werden. Deshalb planen Pape und seine 40 bis 50 ehrenamtlichen Helfer, zum „20.“ auch alle bisherigen Pokalsieger einzuladen. Rekordhalter ist da Borussia Dortmund, das den Cup dreimal in den Ruhrpott entführte. Zwei Mal trugen sich der 1. FC Köln, 1899 Hoffenheim, Schalke 04 und Bayer Leverkusen in die Gewinner-Liste ein. Festhalten will man ebenso, da weiß sich Pape einig mit vielen Sponsoren, an der Internationalität des Cups. „Drei bis vier renommierte Teams aus dem Ausland sollten es auch in Zukunft schon sein.“ Einen ganz persönlichen Wunsch verrät Pape bei dieser Gelegenheit noch: „Einmal Real Madrid oder den FC Liverpool nach Magdeburg zu holen – das wäre ein Traum von mir. Sicher, ein großer. Aber wir arbeiten jedenfalls daran …“

Auf jeden Fall ein Schaulaufen der deutschen Nationalspieler von morgen ist der Pape-Cup längst. Und dabei soll es möglichst bleiben. Wer einmal in den Annalen des Turniers blättert, stößt auf Namen, die eine komplette deutsche Nationalmannschaft hergeben würden. Sie könnte sich etwa so lesen: Marc-Andre ter Stegen, Marcel Schmelzer, Jerome Boateng, Emre Can, Toni Kroos, Mario Götze, Marco Reus, Julian Brandt, Julian Draxler, Lewis Holtby, Leroy Sane. Jüngstes Beispiel in dieser Kette ist Leverkusens Shooting-Star Florian Wirtz, der 2018, damals noch in den Farben des 1. FC Köln, als bester Akteur des Turniers gekürt worden war. Und noch ein interessanter Name stößt beim genauen Hinsehen auf: Amara Conde. Dem neuen Mittelfeld-Ass des 1. FC Magdeburg, das im Sommer 2021 zu den Blau-Weißen stieß, wurde 2012, damals als gerade 15-Jähriger bei Bayer Leverkusen, die Ehre des besten Spielers zuteil.

Apropos Ehre. Die Ehrenliste des Wettbewerbs weist übrigens nur einen ostdeutschen Klub aus, der in einem Magdeburger Finale obsiegte. 2003 war das der FC Carl Zeiss Jena. Für die Nachwuchs-Hoffnungen der Gastgeber hingen die Trauben in der Regel zu hoch. Für die blau-weißen Talente war in den letzten zehn Jahren stets frühzeitig Schluss, spätestens in der Zwischenrunde kam unweigerlich das Stoppzeichen. Der Abstand zur Konkurrenz – unübersehbar, einfach zu groß. Bei einem der bestbesetzten europäischen Jugendturniere der Unter-15-Jährigen, wohlgemerkt. Und gegen hochkarätige Bundesliga-Konkurrenz. Bis auf 2019. Die Zuschauer in der Getec-Arena sowie die zahlreichen Experten und Scouts auf den Traversen trauten ihren Augen kaum: Der FCM bestritt tatsächlich das Finale. Der Nachwuchs des Drittligisten legte einen wahren Parforceritt hin, sorgte für ausgelassene Partystimmung auf den Rängen – selbst wenn sich am Ende der FC Augsburg mit 3:0 durchsetzte.

Als Anreiz für die Jungs des FCM-Nachwuchsleistungszentrum könnte dieses Auftreten durchaus dienen. Und zwar für alle im Zentrum, nicht nur für die U15. Denn schaut man einmal auf die Kaderlisten des Drittligisten der letzten Jahre, ist es – mit Ausnahme von Tarek Chahed vielleicht – niemandem aus den eigenen Reihen so richtig gelungen, oben Fuß zu fassen. Da sollte durchaus noch was gehen.

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