Pferdewechsel: Dominique Schaak wechselte das Team und fährt jetzt in der DTM-Trophy

Dominique Schaak, Sachsen-Anhalts einziger professioneller Automobil-Rennfahrer, wechselte das Team und fährt jetzt in der DTM-Trophy. | Von Rudi Bartlitz

folgt uns für weitere News

Es gehört für Sportler nicht unbedingt zu deren alltäglichen Übungen, mitten im Fluss die Pferde zu wechseln. Sprich: während einer Saison ein Team zu verlassen und anschließend sofort für ein anderes anzutreten; es sei denn, es gibt wie im Fußball ein sogenanntes Transferfenster. Sachsen-Anhalts einziger professioneller Automobilrennfahrer, der Magdeburger Dominique Schaak, ist diesen nicht alltäglichen Schritt des kurzen Wechsels trotzdem gegangen, hat im Herbst, keine zwei Monate vor Ende der von Corona geprägten Saison, seinen bisherigen Arbeitgeber „T3-Motorsport“ aus Erfurt verlassen und startet ab sofort für „Racing One“, ein professionelles Privatteam aus der Eifel. Im Gespräch erläutert der 30-Jährige, den die KOMPAKT-Zeitung seit zwei Jahren auf den Stationen seiner Karriere begleitet, die Gründe für diese Veränderung (Schaak zur Trennung: „Sie verlief sauber, in gutem Geist. Und irgendwo geht immer eine neue Tür auf.“)

Diese neue Pforte, die sich ihm da geöffnet hat, scheint eine zu sein, in der bisher wenig klemmt und quietscht, die einen Blick in einen hellen Horizont durchaus möglich erscheinen lässt. „Ich habe nicht nur das Team gewechselt, sondern auch die Rennklasse“, erläutert Schaak. „Statt der ADAC GT4 Germany trete ich jetzt in der DTM Trophy an.“ Spätestens beim Wort DTM wird der Zuhörer hellhörig. Zur Erläuterung: Die Trophy (siehe auch nebenstehenden Info-Kasten) ist eine neue Serie, die erst 2020 aus der Taufe gehoben wurde. Sie soll nach den Vorstellungen ihrer Erfinder so etwas werden wie eine Mini-Ausgabe der berühmten DTM (Deutsche Tourenwagen Masters), der in Europa nach der Formel 1 höchstrangigen und populärsten Automobil-Rennsportveranstaltung. Und genau darin, sich sportlich in einer Klasse weiterzuentwickeln, auf der einiges mehr an Augenmerk der Öffentlichkeit liegt – sozusagen im Sog der DTM – sollte auch das Motiv für Schaaks Schritt vermutet werden. Zumal die Rennen, die im Rahmenprogramm des „großen Bruders“ stattfinden, auf Sat.1 live übertragen werden. Von Einschaltquoten bis zu 1,5 Millionen Zuschauern ist die Rede.

„Ja“, sagt Schaak, „die Trophy kann durchaus als ein Sprungbrett für die ,große‘ DTM angesehen werden. Wobei nicht gesagt sein soll, dass ich sofort mit dieser prominenten Klasse, die sich 2021 ebenfalls in einer neuen Form vorstellen wird, liebäugele oder mich schon auf einen direkten Schritt dahin sehe. Erst einmal muss ich in der Trophy Fuß fassen, dort Leistung zeigen.“ Sein neuer Arbeitgeber hat ihm zugestanden, den Rest der Saison quasi als Lehrjahr zu sehen, sich mit dem Auto und den neuen Gegebenheiten der Serie vertraut zu machen. Dazu gehört, dass künftig statt Langstreckenrennen sogenannte Sprintrennen auf dem Programm stehen. Also statt drei oder vier Stunden unterwegs zu sein, geht es jetzt, husch, husch, zweimal über 30 Minuten.

Und noch etwas ist anders: Ein Fahrertausch entfällt. Heißt konkret: Wechselte er sich in der Vergangenheit während eines Wettbewerbs nach einer bestimmten Zeit mit einem Partner im Cockpit ab, sitzt er nunmehr solo hinterm Lenker. „Zwei Jahre bin ich mit einem Kollegen gefahren. Das war okay. Aber wenn ich ehrlich bin, kommt es mir entgegen, allein in einem Fahrzeug zu sitzen. Dann entfällt jedes Argument, ein schlechteres Abschneiden auf den anderen abzuschieben. Jetzt bin ich allein für jeden Fehler verantwortlich. Ein Vorteil ist es zudem, dass der Wagen, wir sprechen vom Set-up, nur auf mich abgestimmt werden muss.“ Apropos Fahrgerät. Zugute kommt Schaak, dass er künftig ein Auto desselben Typs steuern darf, mit dem er schon für sein vorheriges Team unterwegs war: ein etwa 500 PS starker Audi R8 LMS. Zum Vergleich: Die Sportwagen in der DTM bringen noch etwa 150 Pferdestärken mehr auf die Straße.

Neben dem Eingewöhnen auf das neue Format musste sich der Magdeburger, wie seine Kollegen, in den zurückliegenden Wochen und Monaten mit den Corona-Folgen herumschlagen. Nicht nur, dass die Pandemie den Renn-Kalender gehörig zusammenstrich und ohne Zuschauer gefahren wurde – auch an der Sponsorenfront kriselt es natürlich. Für Schaak, der seinen Sport als selbstständiger Unternehmer bestreitet, bedeutet das, an dieser Front noch umtriebiger zu sein, die Kontakte zu seinen Unterstützern „zu hegen und zu pflegen“. Noch, sagt er, komme er, mit den einen oder anderen Abstrichen, über die Runden. Aber ob das so bleibt, wenn die Krise auch im nächsten Jahr voll durchschlägt, weiß er nicht.

Zumal da noch ein anderer (finanzieller) Faktor zuschlägt, von dem Außenstehende wenig ahnen oder wissen, wenn sie die tollkühnen Burschen in ihren fliegenden Kisten über die Piste donnern sehen. Wenn die volles Risiko gehen. „Wir Fahrer werden für Schäden, die wir beim Rennen am Fahrzeug verursachen, mit zur Rechenschaft gezogen“, erklärt Schaak. „Das heißt, wir sind bei Kollisionen mit einer bestimmten Summe dabei.“ Ähnlich wie bei einer Teilkasko also. Laut Schaak liegt die Haftungsgrenze für ihn bei 20.000 Euro; Der Wert eines Audi R8 wird mit zirka 160.000 Euro angegeben. „Natürlich denkst du im Rennen nicht ans Geld, das du bei einer verschuldeten Kollision zu zahlen hast. Aber im Unterbewusstsein spielt das schon mit. Und manchmal überlegst du tatsächlich, ob du ein bestimmtes Manöver eingehst, alles riskierst, um am Ende herauszufliegen, keinen Punkt in der Wertung zu haben und obendrein auf einer vielleicht vier- oder sogar fünfstelligen Schadensumme sitzenzubleiben.“ Kann man sich denn dagegen nicht versichern? Schaak entwaffnend: „Die Prämien wären derart hoch, dass sie sich kaum ein Privatfahrer leisten kann.“

Vielleicht gefällt dir auch