Pflege: 30.000 Stellen zusätzlich benötigt

Wer im Bereich der Pflege arbeitet, hat einen zukunftssicheren Beruf. Das liegt vor allem an der kontinuierlich steigenden Zahl älterer Menschen infolge einer stetig besser werdenden medizinischen Versorgung. Die Nachfrage nach der Betreuung von Personen, die sich nur noch eingeschränkt selbst versorgen können, wächst (siehe Grafik). Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit belief sich die Anzahl der Pflegebedürftigen in Deutschland im Dezember 2019 auf 3,99 Millionen Menschen. Vor 20 Jahren waren es noch 2,02 Millionen Pflegebedürftige. Und laut Prognose des Statistischen Bundesamtes wird die Zahl Pflegebedürftiger auch künftig weiter steigen: Im Jahr 2060 könnten demnach circa 4,53 Millionen Personen mit Betreuungsbedarf in Deutschland leben.

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Entsprechend der Nachfrage entwickelt sich auch der Ausbau der Pflegeinfrastruktur, vor allem im privaten Sektor. Die Zahl der Pflegeheime in Deutschland stieg nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zwischen 1999 und 2017 von 8.859 um circa 60 Prozent auf 14.480 und die Anzahl der ambulanten Pflegedienste im gleichen Zeitraum von 10.820 auf 14.050. Auf Basis der Pflegestatistik von Ende 2017 ermittelte das Statistische Bundesamt, dass etwa 818.300 Menschen in einem vollstationären Pflegeheim lebten – 24 Prozent der insgesamt 3,41 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland. Etwa 2,6 Millionen (76 Prozent) der betreuungsbedürftigen Personen wurden zu Hause gepflegt – davon wurden circa 1,76 Millionen Pflegebedürftige vorwiegend allein durch Angehörige und 830.000 Pflegebedürftige zusammen mit oder vorrangig durch einen ambulanten Pflegedienst versorgt.

Aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes geht ebenfalls hervor, dass circa 1,1 Millionen Personen bei Pflegediensten und in Pflegeheimen beschäftigt sind. Etwa 85 Prozent davon sind Frauen. In den 14.480 Pflegeheimen in Deutschland arbeiteten 764.600 Personen (davon 221.000 in Vollzeit). Bei den 14.050 ambulanten Pflegediensten waren 390.300 Personen beschäftigt (davon 109.700 in Vollzeit). Die Nachfrage nach Pflegekräften wächst ebenfalls kontinuierlich – Experten prognostizieren einen Bedarf von 25.000 bis 30.000 Stellen in den kommenden Jahren.

Um dem sogenannten Pflegenotstand entgegenzuwirken, hat sich die Bundesregierung vor kurzem darauf verständigt, den Sektor personell zu verstärken. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) plant mittels Gesetzentwurfs, der bereits vom Bundeskabinett gebilligt wurde, ab September 2021 20.000 zusätzliche Pflege-Assistenzstellen einzurichten, um – nach eigenen Aussagen – die Attraktivität der Arbeit im Pflegebereich zu steigern. Finanziert werden sollen die zusätzlichen Pflegehilfskräfte aus Mitteln der Pflegeversicherung. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen werden demnach nicht extra zur Kasse gebeten.

Die Politik ist bemüht, bessere Rahmenbedingungen für den Pflegebereich zu schaffen. So wurde beispielsweise mit dem Gesetz zur Reform der Pflegeberufe 2018 die generalistische Ausbildung auf den Weg gebracht, die Nachwuchskräften einen, zumindest in den ersten zwei Jahren, einheitlichen Weg in die vielfältige Welt der Pflegeberufe ermöglichen soll – von der Alten- über die Gesundheits- oder Krankenpflege bis hin zur Pflege von Kindern und Jugendlichen. Darüber hinaus gibt es natürlich auch in diesem Bereich zahlreiche Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Die passenden Rahmenbedingungen sind ein wichtiger Punkt, um junge Menschen zu motivieren, einen abwechslungsreichen Beruf voller Herausforderungen zu ergreifen. Die Leidenschaft dafür entfachen, lässt sich damit aber nur bedingt. Tina Heinz

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