Freitag, September 17, 2021
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Ratgeber: Bauen und Finanzieren

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Hohe Preise für Immobilien fördern Ghettoisierung

Die Immobilienpreise in Ballungsräumen erreichen immer neue Höchstmarken. Das hat fatale Folgen für das Baugeschehen. Vor allem junge Familien, die am Beginn ihres Erwerbslebens zur Alterssicherung und Vermögensbildung auf Immobilieneigentum setzen, finden im städtischen Raum kaum noch bezahlbare Baugrundstücke bzw. Eigenheime. Für den Preis einer Doppelhaushälfte in Magdeburg kann man auf dem Land schon einen gut erhaltenen Vierseithof bekommen. In meiner Branche der Baufinanzierung ist der Trend deutlich erkennbar, dass junge Menschen zwar in der Stadt Arbeit finden, aber zum Wohnen aufs Land ausweichen. Hinter Osterweddingen bekommt man noch Baugrundstücke zu einem Quadratmeterpreis von 30 bis 40 Euro. In der Folge dieser Entwicklung müssen täglich längere Fahrstrecken in Kauf genommen werden. Die Mobilitätswende, auf die politisch gepocht wird, wird auf sich warten lassen.

Neben steigenden Grundstückpreisen verteuern sich die Baukosten wegen der vorgeschriebenen Energieeffizienz sowie durch höhere Preise für Baumaterialien, weil diese häufig knapp sind. Wer den Wunsch zum Eigenheim unbedingt umsetzen möchte und wegen seines geringen Eigenkapitals noch zwei Jahre sparen will, wird dadurch keinen Effekt erzielen. Denn die Preisspirale dreht sich weiter und das angesparte Eigenkapital wird auch in zwei Jahren kaum ausreichen. Der Trend zum Wohnen auf dem Land ist auch durch die Corona-Pandemie befeuert worden. Da heute Homeoffice in manchen Branchen zur Selbstverständlichkeit geworden ist, erfährt das Wohnen im ländlichen Raum zusätzlich Anziehungskraft.

Während eine wieder zunehmende Bevölkerungszahl im ländlichen Raum, vor allem in bislang stark an Einwohnern geschrumpften Ortschaften durchaus als positive Entwicklung gewertet werden kann, kann es in Großstädten wie Magdeburg und Halle zu negativen Tendenzen kommen. In Einfamilienhaussiedlungen wohnen zunehmend eher gutsituierte und vermögende Familien. Menschen, die sich weder Immobilieneigentum noch eine teuere, moderne innerstädtische Wohnung leisten können, werden zurück in die Plattenbauten verdrängt. Das betrifft vor allem auch Menschen mit Migrationshintergrund, sodass in manchen Stadtteilen die Gefahr einer wachsenden Ghettoisierung besteht. Lässt die soziale Durchmischung in Siedlungen nach, nehmen soziale Spannungen zu. Das ist nun wirklich allgemein bekannt. Die politischen Forderungen, die auf wirksamere Klimaschutzmaßnahmen durch höhere Energieeffizienz abzielen, können auf der anderen Seite soziale Ungleichgewichte erzeugen. Da der höchste politische Druck hin zu schärferen Klimaschutzmaßnahmen vor allem von links kommt, wird bei tieferen sozialen Gräben deutlich, dass es sich hierbei vielfach um eine Art Elitenprojekt handelt. Denn genau die Klientel, die eigentlich in linken Parteien eine Interessenvertretung sehen sollte, kommt bei zunehmender Energieverteuerung und Baukostensteigerung durch schärfere Energieeffizienzvorschriften unter die Räder.

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