Ratgeber: Bauen und Finanzieren – Geteiltes Leid bleibt altes Leid

Geteiltes Leid ist halbes Leid. So lautet eine alte deutsche Redensart. Die Bundesregierung wollte sich dieses Motto wohl zu eigen machen, als die Große Koalition das „Gesetz über die Verteilung der Maklerkosten bei der Vermittlung von Kaufverträgen über Wohnungen und Einfamilienhäuser“ verabschiedete. Am Vortag zum Heiligen Abend tritt die Rechtsnorm in Kraft. Eine schöne weihnachtliche Bescherung wird das auf jeden Fall. Künftig sollen sich also Käufer und Verkäufer die Maklerkosten beim Eigentumsübergang einer Immobilie teilen. Klingt oberflächlich betrachtet gerecht, wird aber zu keinem anderen Ergebnis führen, als dass ein Käufer wie bisher die Zahllast trägt. Oder glauben Sie, liebe Leser, wirklich, dass ein Verkäufer seinen Sparstrumpf hervorholte? Den Makleranteil des Veräußerers hat der neue Eigentümer im Preis natürlich mitbezahlt.

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Hätten die hohen Herren wirklich Kosten für Bauherren senken wollen, gäbe es da reichlich Möglichkeiten. Die Grunderwerbssteuer wäre ein gutes Beispiel. Bei dieser Zwangsabgabe kann sich der Bund aber gut aus der Affäre ziehen, weil dies eine Ländersteuer ist. Übrigens wurden 2005 in ganz Deutschland 4,79 Milliarden Euro entrichtet. 2019 hat sich dieser Betrag auf 15,79 Milliarden Euro fast vervierfacht. Bei den vielen neuen Schuldensäcken, die in Regierungen und Parlamenten gerade aufgeschichtet werden, ist für jeden leicht vorstellbar, welche Begehrlichkeiten an Steuererhöhungen in Zukunft auf uns warten.

Es ist also zu erwarten, dass es jungen Familien noch schwerer fallen wird, ein Eigenheim zu finanzieren. Hilfreich wäre eher gewesen, eine Maklergebührenordnung zu erlassen. Bei geringen Verkaufserlösen könnte man für Makleraufwendungen eine Pauschale erheben, bei höheren einen prozentualen Anteil. Die Ausübung des Maklerberufs mit entsprechenden Abschlüssen zu schützen, wäre wirklich im Sinne von Verbrauchern gedacht. Schließlich kann sich im heute rechtsfreien Berufsraum jeder als Makler deklarieren – egal wie viel Ahnung und Erfahrung dahinter steckt. Ich kenne wirklich viele Kollegen, die eine solide und verlässliche Arbeit leisten, die sich um alle notwendigen Unterlagen, Zeichnungen und Nachweise kümmern. Es gibt aber immer mal wieder schwarze Schafe, die eine Eintragungsmitteilung nicht von einem Grundbuchauszug unterscheiden können.

Ich habe den Eindruck, dass mit neuen Gesetzen heute mehr und mehr Augenwischerei betrieben wird. Oder können Sie mit einem Energieausweis Energie sparen? Im Übrigen ändert das Papierchen keinen Kaufpreis und die eingebaute alte Heizung hat Bestandsschutz. Mit der Einführung einer Autobahn-Maut ist die Regierung gescheitert, der jüngste Bußgeldkatalog für Vergehen im Straßenverkehr ist rechtswidrig. Das sind die aktuellen, großen Würfe des Gesetzgebers. Noch über jeder neuen Norm wird das Fähnchen für Schutz und Gerechtigkeit geschwenkt, nur leider steckt dann im Text und in der Realität wenig davon drin. Bei der Maklerprovisionsteilung müssen wir die deutsche Redensart ändern in: Geteiltes Leid bleibt altes Leid.