Ratgeber: Bauen und Finanzieren – Preise werden nicht fallen

Mit dem Stillstand, der vielen Wirtschaftsbereichen in der Corona-Pandemie verordnet wurde, hoffen bereits manche, dass die Preise am Immobilienmarkt purzeln könnten, zumindest etwas nachgeben. Ich habe diese Hoffnung nicht. Zwei wichtige Faktoren können dafür sorgen, dass das Preisniveau auf dem hohen Niveau bleibt.

Zunächst ist da der sehr stabile Wert, den selbstgenutztes Wohneigentum in der gesamten Gesellschaft genießt. Gerade durch die Corona-Krise bekommen ein Eigenheim oder eine Eigentumswohnung nochmals einen höheren Rang als Wertanlage. Dieser Aspekt verschwindet auch nicht, falls einige aufgrund von Job- oder Exis-tenzverlust ihre Raten nicht mehr bedienen können. Das Problem ist derzeit auch noch nicht sichtbar. Jedenfalls ist mir in meinem Kundenumfeld bisher kein Fall bekannt, bei dem ein Kredit notleidend geworden wäre. Außerdem kann man einen zeitlich befristeten Engpass in der Regel mit einer Tilgungsaussetzung überbrücken. Als zweiten Grund für ein stabiles Preisniveau am Immobilienmarkt sehe ich den ungebrochenen Trend beim Bauen und Kaufen von Immobilien. Zwar sind die Zinsen ein klein wenig gestiegen, allerdings nicht so, dass dies schon Effekte auf die Immobilienwirtschaft hätte. Eine langfristige Zinsbindung zahlt sich gerade in dieser Zeit aus. Ich würde nach wie vor allen, die eine Immobilie finanzieren wollen, zu solchen Zinsbindungen raten.

Väterchen Staat spendiert gerade eine Menge Geld. Und das will ausgegeben werden. Der private Konsum wird sicher rückläufig sein und auch der Warenüberschuss in den Lagern, der sich in den vergangenen Wochen in mancher Branche angesammelt hat, mag die Preise für manche Waren in den Keller gehen lassen. Bei Immobilien ist das jedoch nicht zu erwarten.
Dass der Staat notwendige Hilfsmaßnahmen für Selbstständige, Freiberufler und viele Unternehmen leistet, ist eine wichtige Sache. Doch was wird eigentlich aus solchen Menschen, die sich für die Altersvorsorge – und zwar vom Staat gefördert und motiviert – Wohneigentum zugelegt und die Räume an andere vermietet haben. Mieten können ja derzeit einfach ausgesetzt werden, ohne dass der Vermieter ein Kündigungsrecht hat. Das ist sicher für Menschen richtig, die jetzt schwere Einbußen erleiden. Doch wie hält es die Politik mit den Leuten, die deshalb ihre Immobilienkredite über längere Zeit nicht bedienen können und vielleicht selbst mit Einkommenseinbußen leben müssen, weil ihr Betrieb auch stillsteht?

Für alles Geld, das der Staat heute aus dem Füllhorn schüttet, wird er eines Tages die Rechnung präsentieren, genauso wie halt jeder seine Schuld bei der Bank abtragen muss. Es ist dann damit zu rechnen, dass sich wahrscheinlich die steuerlichen Rahmenbedingungen verschlechtern werden. Nicht jetzt, aber langfristig. Die Corona-Krise ist kein Problem, das mit dem Ende aller Einschränkungen vorbei sein wird, sondern das dicke Ende kommt für uns alle erst viel später. Ich wünsche mir, dass möglichst viele mittelständische Unternehmen in unserer Region diese schwere Zeit überstehen. Sie sind die wirklichen Garanten für die Existenz unseres Gemeinwesens.

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