Restaurant Culinaria in Magdeburg

Was könnte einen waschechten Italiener nach Magdeburg locken? Das kann nur die Liebe. Rocco Esposito erblickt 1968 in der Stadt Altamura, in der süditalienischen Region Apulien, das Licht der Welt. Doch die Eltern zieht es bald in den industriellen Norden. Also wächst Rocco in der Autometropole Turin auf. Die Mutter führt die großväterliche Tradition in der Gastronomie weiter. Und eigentlich möchte der Sprößling in die beruflichen Fußstapfen der Familie steigen und Koch werden. Doch Mama sieht eine andere Bestimmung für ihren Sohn. Rocco studiert also Holz- und Forstwirtschaft. Kochen könne er bei Mama immer noch lernen. So war es ihm bestimmt. Bis 1986 ein Ferienaufenthalt in Bulgarien alles ändert. Dort begegnet er im Sommer nämlich einer jungen Magdeburgerin, die ebenfalls auf dem Balkan Urlaub macht. Seitdem haben sie und Rocco sich nicht mehr aus den Augen verloren. Bereits im Dezember 1986 stattet der Italiener der Stadt Otto des Großen, der an imperiale römische Traditionen anknüpfte und viele Jahre in Italien weilte, einen Besuch ab.

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Die politische Teilung Europas in Ost und West erschwerten das Zusammenkommen. Nur Rocco kann ab und zu aus Italien nach Magdeburg kommen und die Frau von der Elbe besuchen. Gegenbesuche nach Turin verhindert die für DDR-Bürger geschlossene Grenze. Auf diese Weise ist Rocco Esposito nach zwei Kurzaufenthalten der Fußballer des Traditionsvereins Juventus Turin, 1972 und 1977, wahrscheinlich der lebende Italiener mit den längsten Wurzeln in Magdeburg. Die Geschichte meinte es gut mit dem Pärchen. 1989 fällt die Mauer und damit die größte Hürde für eine gemeinsame Zukunft. Allerdings beendet der Turiner zunächst sein Studium in der Heimat. Erst nach dem Diplom siedelt er 1992 in die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt.

Als Fachmann für Holz bietet der Schwiegervater Rocco zuerst eine berufliche Perspektive als Tischler. 1995 übernimmt er den Handwerksbetrieb und gründet daraus bald gemeinsam mit Timo Heße die Tischlerei „Arte Möbel“ in Ottersleben. Dort bleibt er bis 2009 Geschäftsführer. Doch längst hatte sich das Gastronomen-Gen der Familie durchgesetzt. Der Wunsch, selbst ein Restaurant zu betreiben und in der Küche kreativ zu sein, war in Rocco stets lebendig geblieben. Im Allee-Center findet er 2003 den ersten Platz für das italienische Bistro „Sapori“ im Untergeschoss. Seit vielen Jahren kennt man das Bistro mit seinen delikaten italienischen Spezialitäten nun schon im kulinarischen Rondell des Einkaufscenters im Erdgeschoss.

Im Restaurant „Trattoria“ in der Sternstraße hinterlässt Rocco ebenfalls seine Spuren. Ein Eiscafé am Elbbahnhof kommt außerdem dazu. Schließlich eröffnet Rocco Esposito 2017 das Restaurant „Culinaria“ direkt am Domfelsen. Hier will er sich endlich dem ganzen Anspruch der Kochkunst widmen. Deshalb gibt er sowohl das „Trattoria“ als auch das kleine Eiscafé wieder ab. Wer täglich frisch und alle drei bis vier Wochen eine neue Karte kreieren will, kann nicht auf mehreren Hochzeiten tanzen. Der Ruf des „Culinaria“ eilt deshalb bereits nach drei Jahren weit über die Landesgrenzen von Sachsen-Anhalt hinaus. Schließlich kommt Anfang 2020 der Kochbuchautor und Fernsehkoch Mike Süsser mit dem Team der Sendung „Mein Lokal, dein Lokal“ (Kabel1) nach Magdeburg. Im Wettbewerb mit drei anderen Gastronomen aus der Region erkocht sich Rocco mit seinem „Culinaria-Team“ am Ende den Sieg. Er kann mit seiner Cross-over-Küche (Crossover Küche ist die Integration verschiedener regionaler, nationaler und internationaler Produkte und Zubereitungsmöglichkeiten) überzeugen. Die mediterranen Wurzeln kommen dabei jedoch stets zur Geltung. Mit seinem „Culinaria“ hat Rocco noch einiges vor. Derzeit läuft ein Genehmigungsverfahren für den Ausbau des Dachgeschosses. Dort soll eine Cocktailbar entstehen. Rocco hat in der Ottostadt also schon manche gute italienische Duftnote gesetzt. (tw)

Mehr Infos zum Restaurant „Culinaria“ unter:www.culinariarestaurant.de

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