Restaurant & Quartier: Mit kulinarischen Ideen dem Gastro-Tod trotzen

Im Nieselregen huscht die Kellnerin über den Cokturhof in Schönebeck und verschwindet für kurze Zeit samt vollem Tablett in einem Wohnmobil, bevor sie sich durch die Kälte wieder auf den kurzen Rückweg ins Weltrad-Restaurant macht. Die Speisen auf den Porzellantellern hat sie bei ihren Gästen abgestellt, die an diesem Abend im Wohnmobil dinieren. Seit Anfang März bietet Weltrad das Camper-Dinner an, um in diesen problematischen Zeiten wenigstens auf diese Weise den Kontakt zu den Gästen zu halten. Das Essen kann man sich auch liefern lassen oder selbst abholen. Das Speisen im Wohnmobil – das eigene oder ein gemietetes vor Ort – kommt jedoch deutlich näher an einen Restaurantbesuch heran. Ein besonderes Erlebnis gepaart mit kulinarischen Feinheiten, freundlichem Service – und der Abwasch bzw. das Einräumen der Spülmaschine entfällt natürlich auch.

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„Wirtschaftlich gesehen ist es der Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Inhaber René Leue (Foto oben), der im Jahr 2004 die WELTRAD manufactur gründete, um die Fertigung der bekannten Fahrräder nach altem Vorbild wieder aufzunehmen. Inzwischen gehören zu Weltrad nicht nur Manufaktur und Fahrradladen, sondern auch Quartiere für Touristen und das vor zehn Jahren eröffnete Restaurant mit großzügigem Biergarten und Blick auf die Elbe. „Man baut etwas auf, investiert und innerhalb kurzer Zeit wird das Erreichte zunichte gemacht“, sagt René Leue. „In den vergangenen zwölf Monaten hatten wir das Restaurant sechs Monate geschlossen. Und dieses Minimum an Unterstützung, was die Gastronomie seitens der Politik erhält, ist lächerlich.“
Der Weltrad-Inhaber verweist darauf, dass die Ungewissheit das fatalste sei. „Wir können nichts planen und der Schaden, der durch diesen Dauerzustand entsteht, ist mit keinem Geld aufzuwiegen.“ Den Kopf in den Sand zu stecken, ist für den Schönebecker natürlich keine Option, auch wenn er kein Verständnis dafür hat, dass sich die Menschen in Bussen, Bahnen und Supermärkten drängen, die Restaurants mit ihren ausgearbeiteten Hygienekonzepten allerdings geschlossen bleiben. „Dass wir etwas tun müssen, ist uns durchaus bewusst, man gerät unter diesen Umständen nur schnell an seine Grenzen.“ Am Jahresanfang entstand mit Restaurantleiterin Sarah Staymann die Idee, das Camper-Dinner auf die Beine zu stellen. „Das Konzept war innerhalb kurzer Zeit fertig, es fehlte nur noch der Partner, den wir dann dank der Unterstützung von Cactus Reisemobile gefunden hatten, die uns einige Wohnmobile zur Verfügung gestellt haben“, so René Leue.

Über den Erfolg des Camper-Dinners freuen sich sowohl Inhaber als auch Restaurantleiterin. „Die Aktion hat großen Anklang gefunden und wir wollen bis Anfang Mai daran festhalten. Auch für die Osterfeiertage haben wir uns kulinarische Specials überlegt – sowohl zum Genießen im Camper als auch zum Genießen zu Hause.“ Im Mai setzen die „Weltradler“ schließlich auf die Außen-Gastronomie. Auch in diesem Bereich hat René Leue investiert. „Wir haben 36 überdachte Sitzplätze, können aufgrund der coronabedingten Auflagen aber nur 24 Personen unterbringen. Also haben wir den Außenbereich um 60 Plätze erweitert und mobile Seitenwände installiert, um Schutz vor Wind zu bieten“, erklärt René Leue. „Wenn wir nicht komplett öffnen können, bringt uns das allerdings wenig, da die Temperaturen nach 17 Uhr zu frisch sind. Daher müsste man wiederum in nicht ganz umweltfreundliche Beheizungsmöglichkeiten investieren.“

Das Vertrauen in die Politik ist erschüttert. „Ohne die sogenannten Corona-Hilfen käme der Tod schneller. So ist es ein langsames Dahinsiechen“, betont René Leue. Ans Aufgeben denken die „Weltradler“ dennoch nicht. Sie müssen nur stets neue Routen um die Steine finden, die ihnen in den Weg gelegt werden. Tina Heinz

WELTRAD manufactur
Restaurant & Quartier
Cokturhof 3 | 39218 Schönebeck
Telefon: 039 28 / 42 90 66
Internet: endlos-weltrad.de