Rettet das Adonisröschen

Die geschützte Pflanzengattung Adonis ist etwas für alle, die sich für die heimische Pflanzenwelt interessieren. Wer sich damit beschäftigt, kann sich nicht nur an schönen Blumen, sondern auch gleich noch an einer herzzerreißenden Geschichte zur Namensgebung aus der griechischen Mythologie erfreuen. Adonisröschen sollen demnach aus den Tränen der Aphrodite entsprossen sein, als diese den Tod des Adonis beweinte. Das Blut des sterbenden Adonis soll die Blüten rot gefärbt haben. Der Name bezieht sich also auf die blutrot blühenden Arten, wie z. B. das Sommer-Adonisröschen Adonis aestivalis. Früher war es ein gefürchtetes, weil giftiges Unkraut auf Getreidefeldern. Aber moderne Verfahren der Aufreinigung des Korns haben seine Vermehrung vollständig unterbunden, so dass es jetzt auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Pflanzen steht.

Mit Adonis wird eine ganze Pflanzengattung bezeichnet, und die schließt auch die gelbblühende Art Adonis vernalis ein, um die es hier geht. Sie blüht Mitte April bis Anfang Mai und wächst im Magerrasen auf kalkigem Untergrund. Magdeburger Naturfreunde, die das botanische Kleinod sehen möchten, fahren meist ins Bebertal bei Haldensleben oder in das Naturschutzgebiet „Hars- lebener Berge und Steinholz“, das sich zwischen Halberstadt und Quedlinburg erstreckt. Weniger bekannt ist das „Flächenhafte Naturdenkmal Steinberg“ bei Ostingersleben. Hier wächst das Frühlings-Adonisröschen auf Muschelkalkboden im Halbtrockenrasen. Erwähnenswert und für Naturkundige nicht überraschend ist, dass es in solchen Biotopen auch eine besondere Fauna gibt. Es halten sich dort viele vom Aussterben bedrohte Tiere, die auf von der Landwirtschaft intensiv genutzten Flächen, in dichten Wäldern und in aufgeräumten Parkanlagen keinen Lebensraum finden: Schmetterlinge und andere Insekten, Reptilien, Kleinsäuger und Vogelarten, die offene Landschaften benötigen.

Wertvolle Biotope gehen verloren
Traurig aber wahr ist, dass viele dieser wertvollen Biotope verloren gehen oder in ihrem Bestand gefährdet sind, denn unsere Karstlandschaften und Heidegebiete werden zunehmend von Büschen und Bäumen überwuchert. Eine fatale Landwirtschafts- und Umweltpolitik der EU, des Bundes und der Länder befördert Fehlentwicklungen. Früher wurden die benannten Landschaften von Schafherden, Heidschnucken und Ziegen offengehalten. Aber zurzeit wird den Schäfern die wirtschaftliche Grundlage entzogen. Sie erhalten zu wenig staatliche Vergütung für ihre Landschaftspflege und die politisch gewollte starke Vermehrung der Wölfe führt zu immer mehr Schafrissen. Im Schadensfall können die Schäfer zwar Entschädigung erhalten, aber ob es nach einer langen und nervenaufreibenden Bürokratieschlacht wirklich klappt, ist Glückssache. Da geben sie eher auf. Unterstützt wird der ganze Wahnsinn von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wie dem NABU und dem BUND, die sich „Umweltorganisationen“ nennen, aber z. B. mit ihrer Förderung der ungebrems-ten Wolfsvermehrung der landschaftspflegerischen Schäferei den Todesstoß versetzen. Fatal ist, dass sie ohne jegliche demokratische Legitimation die Umweltpolitik der Bundes- und Landesministerien mitbestimmen. Natürlich wäre es möglich, nach Wegfall der Schäferei das Entfernen der Büsche landschaftspflegerischen Firmen in Auftrag zu geben, oder Naturfreunde könnten das ehrenamtlich erledigen. Aber das funktioniert nur an wenigen Orten.

Nutzloses kostet Millionen
Es ist schon grotesk: Die genannten NGOs werden nicht müde und haben auch stets Erfolg mit ihrem Anliegen, die Ansiedlung von Industrieanlagen, den Bau von Autobahnen, Wasserstraßen, Eisenbahntrassen sowie Brücken und anderen notwendigen Bauwerken zu verhindern oder zumindest exorbitant zu verteuern. Dank überquellender Spendenkassen und des Verbandsklagerechts können sie vor Gericht ziehen, um von ihnen proklamierte Umweltschäden, die häufig nur gefühlt, aber nicht wissenschaftlich belegt sind, zu verhindern. Pars pro toto: Als es um das Genehmigungsverfahren für den neuen Brückenzug in Magdeburg ging, wurde die ursprüngliche und kostengünstige Konzeption einer Brücke auf Pfeilern auf Betreiben der NGOs abgelehnt. Angeblich würden die Pfeiler den Lebensraum der Königslibelle und der Biber im Bereich der Alten Elbe einschränken. Außerdem seien die Graugrünen Gänsefuß-Uferkolonien (Chenopodium rubri) gefährdet. Und entdeckt worden sei Fischotternkot. Tiere selbst habe man nicht gesichtet, gab Magdeburgs OB Dr. Lutz Trümper zu bedenken. Aber die selbsternannten Naturschützer hatten trotzdem Erfolg. Der nun genehmigte Brückenzug ohne Pfeiler kostet den Steuerzahler einige Millionen mehr.

Pflanzenrefugien besuchen, bevor es zu spät ist
Zurück zum Adonis: Den Untergang von wertvollen Biotopen wie Heide- und Karstlandschaften, auf denen Adonis nur eine von vielen gefährdeten Arten ist, wäre zu verhindern. Am besten mit einer Umweltpolitik, die Wanderschäfer für ihre Landschaftspflege besser entlohnt und der Wolfsverbreitung Einhalt gebietet. Wenn man die vernünftige Lösung wegen einer Denkblockade nicht will, könnte man Firmen beauftragen, die Verbuschung im Zaum halten. Das wäre für ein Gelände, wie dem „Flächenhaften Naturdenkmal Steinberg“ bei Ostingersleben nach meiner laienhaften Schätzung sicher alle paar Jahre für einen Betrag im 4-stelligen Euro-Bereich möglich.

In diesem Jahr ist es für eine Exkursion in die Adonisröschen zu spät, für 2021 kann man sich das ja mal vormerken. Aber auch im Sommer lohnt sich eine Wanderung. An gleicher Stelle lassen sich die ebenfalls schönen und seltenen Pflanzen Fransenenzian (Gentianopsis ciliata) und die Golddistel (Carlina vulgaris) finden. In einem Jahr, in dem uns COVID 19 voraussichtlich Auslandsreisen verwehrt, könnte man im Urlaub ja mal die nähere Gegend erkunden. Besuchen Sie die natürlichen Refugien für seltene Pflanzen und Tiere bevor es zu spät ist!
Prof. Dr. Reinhard Szibor

Vielleicht gefällt dir auch